Ein Soundtüftler und seine Wunderkammer

28. Oktober 2009, 18:05
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Romuald Karmakar auf Besuch bei "Villalobos"

Eine Platte nach der anderen landet auf dem Abspielteller - und kaum klingen die ersten Takte an, ist es auch schon wieder vorbei. Es sind Sekunden, die dem deutschen Musiker und DJ Ricardo Villalobos genügen, um herauszufinden, ob die House-, Techno-, Minimal-Techno-Klänge dieser Scheiben für einen seiner Auftritte in Fragen kommen. Kurze Notizen auf den weißen Albencovers dienen ihm als Erinnerungsmarker. Eine Geheimwissenschaft - zumindest für ungeübte Augen und Ohren.

Der Filmemacher Romuald Karmakar hat den chilenischstämmigen Star der elektronischen Musikszene für sein dokumentarisches Porträt Villalobos in seinem Studio besucht. Einblicke in ein Labor, von echter Neugierde getragen: Man erfährt hier viel von der Sensibilität eines Künstlers sowie von kreativen Produktionsabläufen, die gemeinhin unter Auschluss der Öffentlichkeit geschehen.

Beispielsweise wird die gewölbte Form der Lautsprecher thematisiert, deren spezieller Klang sich zunächst in einem isolierten Raum entfaltet. Oder man kommt auf ein Respekt gebietendes Modulsystem zu sprechen, dessen Regler und Knöpfe fast eine Art Eigenleben führen: Setzt man es einmal in Gang, sondert es auch noch dann Geräusche ab, wenn es niemand mehr bedient.

Villalobos ist nach 196 bpm und Between the Devil and the Wide Blue Sea schon die dritte Arbeit Karmakars über das Feld der elektronischen Musik. Bis jetzt waren die Filme auf den Live-Auftritt konzentriert, bei denen er die auf- und abschwellenden Intensitäten der Performance mitvollzog. Die Interaktion zwischen den DJs und dem Publikum, die Eigendynamik dieser Massenspektakel gab sich immer erst in der Dauer einer Beobachtung preis. Irgendwann erfasste einen dann der Groove.

In Villalobos erweitert Karmakar dieses Prinzip nun um spannende Einblicke in das Studio - und deckt damit quasi den geheimen Hinterraum einer Arbeit auf, die eigentlich erst im Austausch mit dem Konsumenten zu existieren beginnt. In Interviews, die im Umfeld der Raves entstanden, führt Villalobos dann auch die erotische Qualität seiner Auftritte aus - oder mutmaßt über unterschiedliche nationale Befindlichkeiten des Auditoriums: Dass das deutsche Publikum Sirenengeheul schätze, habe etwa historische Gründe. (Dominik Kamalzadeh, SPEZIAL - DER STANDARD/Printausgabe, 29.10.2009)

30. 10., Stadtkino, 20.00; Wh.: 31. 10., Gartenbau, 13.00

  • Der Musiker und DJ-Star Ricardo Villalobos als Dirigent seiner Studiogeräte: Romuald Karmakars "Villalobos" .
    foto: viennale

    Der Musiker und DJ-Star Ricardo Villalobos als Dirigent seiner Studiogeräte: Romuald Karmakars "Villalobos" .

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