"Gastarbeiter betreiben riskante Praktiken"

28. Oktober 2009, 18:07
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Chef der Gesundheitsbehörde macht Einwanderer für Verbreitung des Virus verantwortlich

Moskau/Wien - Russland bekommt die rasante Verbreitung von HIV-Infektionen nicht in den Griff. Laut Robin Gorna, der Chefin der International Aids Society (IAS), ist das Virus in Russland außer Kontrolle geraten. Gorna sprach am Mittwoch zu Beginn der 3. Aidskonferenz für Osteuropa und Zentralasien in Moskau und forderte die russische Regierung auf, mehr gegen die Verbreitung von HIV zu unternehmen. Das berichtete der britische Fernsehsender BBC.

Über eine Million Infizierte

Nach inoffiziellen Zahlen sind in Russland bereits mehr als eine Million Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Offiziell wurden per 1.November 2008 nur 448.000 HIV-Infizierte registriert. Die Zahl der Neuinfektionen steigt zudem rasant. 2008 wurden in Russland 54.000 neue Fälle registriert. Heuer könnte diese Zahl auf mehr als 60.000 Neuinfektionen steigen.

80 Prozent sind zwischen 15 und 30 Jahre alt

Von HIV-Infektionen ist in Russland vor allem die junge Bevölkerung betroffen. Mehr als 80 Prozent der HIV-Infizierten sind zwischen 15 und 30 Jahre alt. Laut der Gesundheitsbehörde Rospotrebnadsor erfolgt die Infizierung zu rund 65 Prozent durch Drogenkonsum.

Verbot Drogensüchtige mit Methadon zu versorgen

Experten, die an der Konferenz teilnehmen, versuchen daher die russische Regierung zum Umdenken im Umgang mit Drogensüchtigen zu bewegen. In Russland ist es verboten, Heroinsüchtige mit Ersatzdrogen wie Methadon zu versorgen. Darüber hinaus gibt es keine staatlich finanzierten Nadeltauschprogramme.

Erkrankungen bei Schwangeren steigen

Ein weiteres Problem: Die Erkrankungen von Frauen und Schwangeren steigen. Als Folge davon werden in Russland pro Tag rund 20 Kinder von HIV-infizierten Frauen geboren.

"Gastarbeiter verbreiten HIV"

Der Chef der russischen Gesundheitsbehörde, Gennadi Onischtschenko hat seine eigene Theorie, warum die Zahl der Neuinfektionen ungebremst steigt: Zuwanderer aus dem GUS-Raum trügen zur Verbreitung von HIV und Aids bei. "Gastarbeiter wissen sehr wenig über Übertragungswege und Verhütungsmethoden und betreiben riskante Praktiken. Daher sind sie sehr anfällig für diese Infektion" , sagte der oberste Amtsarzt Russlands laut Nachrichtenagentur Itar-Tass. Ein weiterer Grund für die rasche Verbreitung sei die gesellschaftliche Stigmatisierung der Erkrankten. Sie würde die HIV-Infizierten in den Untergrund treiben und die Verbreitung begünstigen, sagte Onischtschenko.

Regierung setzt auf Impfstoff

Dem Vorschlag der Experten, ein Methadonprogramm zu starten, hat der Chef der Gesundheitsbehörde bereits eine Absage erteilt. Die russische Regierung will eher ihre Bemühungen zur Prophylaxe und Entwicklung eines Impfstoffes verstärken.

In den Jahren 2011 und 2012 sollen die föderalen Budgetmittel für die HIV-Prävention auf 19 Milliarden Rubel (435 Millionen Euro) angehoben werden. 2010 werden im Rahmen des nationalen Gesundheitsprogramms neun bis 13 Milliarden Rubel in den Bereich fließen. (Verena Diethelm, DER STANDARD Printausgabe 29.10.2009)

 

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