Taipehs Dilemma: 1500 Raketen und warme Worte

28. Oktober 2009, 17:47
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    foto: ap

    Heikle Waffenhilfe: Test einer US-Patriot-Rakete auf Taiwan.

Engere Beziehungen zu China verhindern nicht unbedingt einen Krieg, heißt es im jüngsten Militärbericht des taiwanesischen Verteidigungsministeriums

100 und eine Sekunde lang küssen im "101 Tower" , Taipehs höchstem Büroturm, ist gerade der letzte Schrei unter Festlandschinesen, die nach Taiwan reisen, um sich das Ja-Wort geben. Hochzeitsreisen auf die Inselrepublik, die Peking immer noch als abtrünnige Provinz aus den Bürgerkriegsjahren betrachtet, wären vor zwei Jahren noch schwer vorstellbar gewesen. Doch Entspannung und Freundlichkeiten über die Taiwanstraße hinweg sind das eine, die mittlerweile 1500 Raketen, die Chinas Armee auf Taiwan richtet, das andere.

Die Raketen müssten endlich weg, verlangte Ma Ying-jeou, Taiwans smart auftretender Präsident, dessen Wahl im März 2008 die Eiszeit in den Beziehungen mit dem kommunistisch-kapitalistischen Festland beendete. Zumindest ein Abbau dieser Raketen in der Provinz Fujian auf der Taiwan gegenüberliegenden Festlandsseite sei als vertrauensbildende Maßnahme notwendig, bevor über ein Friedensabkommen verhandelt werden könne. Tags darauf veröffentlichte Taiwans Verteidigungsministerium sein Weißbuch. Die Schlussfolgerung des Militärberichts: Engere Beziehungen zur Volksrepublik China verhindern nicht automatisch einen Krieg.

Die Verteidigung der einzigen vollständigen chinesischen Demokratie ist ein Dilemma. "Militärisch kann man China nicht abschrecken" , meinte Andrew Yang, ein renommierter Sicherheitsexperte, in einem Gespräch in Taipeh, einige Wochen nach Ma Ying-jeous Wahl. Unterirdisch in Deckung gehen, Verteidigungs- und Kommunikationssysteme vervielfachen, um den Schaden durch einschlagende chinesische Raketen zu begrenzen, und dann auf die US-Marine warten - das sei die einzige realistische Antwort auf einen Angriff durch China. "Wir können nicht mit Chinas Aufrüstung mithalten" , wiederholte Yang noch kürzlich bei einem Besuch in Wien, "wir müssen stattdessen Kapazitäten definieren und die Ausgaben auch rechtfertigen" ; mehr als zwei Milliarden US-Dollar für die Verteidigung im Jahr sind nicht drin. Kurz danach wurde der Politikwissenschaftler Vize-Verteidigungsminister.

30 Jahre ist der Beistandspakt nun alt, der die USA verpflichtet, die Mittel zur militärischen Verteidigung der Inselrepublik bereit zu stellen, das heißt, Waffen, Schiffe und Flugzeuge zu verkaufen und im Kriegsfall zu intervenieren. Rüstungsgeschäfte mit Taiwan belasten aber immer Washingtons Beziehungen zu Peking. Jahrelang hatte dazu auch Ma Ying-jeous Kuomintang-Partei in der Opposition ein umfangreiches Rüstungspaket der USA blockiert - allein, um die damals regierende Demokratische Fortschrittspartei DDP zu ärgern, aber eben auch mit Rücksicht auf die politische Führung auf dem chinesischen Festland.

Jetzt glaubt Taiwan an die Lieferung von 15 Black-Hawk-Hubschraubern, hat US-Präsident Barack Obama erst einmal seinen Besuch in Peking im nächsten Monat hinter sich. Dazu steht immer noch die Bewilligung von 66 F-16-Kampfjets aus. Washington hat die Überprüfung der Taiwanpolitik von Vorgänger George W. Bush noch nicht abgeschlossen. Peking einbinden, ist alle Mal besser, als mit einer Waffenlieferung an Taiwan auf die Nase zu schlagen, bleibt die Devise. Fast eineinhalb Stunden dauerte ein Gespräch von US-Verteidigungsminister Robert Gates mit Chinas zweithöchstem Militär, Xu Caihou, Anfang dieser Woche im Pentagon. Es war das erste Treffen dieser Art seit drei Jahren. Der Dialog zwischen den Militärs beider Länder müsse stetiger werden, meinte Gates.

Die rote Linie, die große Zäsur bei der militärischen Balance im Pazifik ist dabei für die USA wie Taiwan dieselbe: der Bau des ersten chinesischen Flugzeugträgers. Für die US-Marine würde es dann schwerer, Taiwan im Kriegsfall zu Hilfe zu kommen. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2009)

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mistvieh666
 
00
12.12.2009, 10:38

auf us druck hat taiwan 1976 sein atomwaffenprogramm eingestellt:
http://en.wikipedia.org/wiki/Repu... ns_program
soviel nur, wie sowas unter freunden und zivilisierten laendern abgehandelt wird.

sttw
00
4.11.2009, 08:00

Ich bezweifle. dass Peking je Raketen auf Taiwan abfeuern wird und hoffe das auch, da ich in Taipei lebe.

beowulf2
 
00
6.11.2009, 05:03

Ich bezweifle es auch sehr. Ich würde es aber als eine wichtige und gute Geste ansehen, wenn die Raketen zumindest reduziert werden würden.

Martin Rosenkranz, airpower.at
12
29.10.2009, 13:20
Eine Korrektur zum "Beistandspakt"

a) Es gibt keinen Beistandspakt. Der "Sino-American Mutual Defense Treaty" wurde am 1.1.80 durch Carter storniert.
b) Heute gilt der "Taiwan Relations Act" welcher die USA nur verpflichtet Taiwan mit defensiven Wafensystemen zu versorgen und sich selbst die Kapazitäten zu erhalten um auf eine Bedrohung der Sicherheit der Bevölkerung und der Ökonomie Taiwans reagieren zu können. Nirgend wo steht wie und ob die USA reagiert - die USA bestätigen weder noch dementieren sie etwaige militärische Aktionen ihrerseits - und das ganz bewusst.

Für VR China ist das ein strategisches Dilemma. Es muss zwar damit rechnen, dass die USA eingreifen, kann sich aber nicht sicher sein ob, wo und wie. Jedwede offensive Aktion gegen Taiwan ist damit für China schwer kalkulierbar.
Es muss damit rechnen, dass US Streitkräfte intervenieren, welche mehrere Basen in der Nachbarschaft unterhalten (Pakistan, Südkorea, Japan). Ein Erstschlag wäre militärisch am günstigsten, reisst aber diese Länder mit in den Konflikt. Verzichtet man auf die Angriffe auf US Streitkräfte in diesen Ländern, dann haben die US Kräfte sichere Stützpunkte von denen sie aus eventuell operieren oder zumindest Taiwan apssiv unterstützen könnten.


Peking bellt zwar, wird sich aber hüten zu beissen....

Fritz Wunderlich
10
30.10.2009, 11:47

so des

der bunte faschist
10
29.10.2009, 15:50

Peking wird immer weiter bellen, um keine Schwäche zu zeigen ... angesichts der nuklearen Bedrohung glaube ich jedoch nicht, dass sie jemals zuschlagen werden (zumindest nicht in den nächsten Jahrzehnten)

Fritz Wunderlich
10
29.10.2009, 13:17

nun ja, wenn sich die triaden mit den kommunisten enigen, dann ...

zensur passiert
00
29.10.2009, 13:15
bei google earth verschwinden schon gabzeinseln

im südchinesischen meer,scarborough ist mit blauem filzstift ausradiert, listiger weise gibt es auf bestimmten vergrößerungsstufen noc die alten panoramio links.

Also china braucht den flugzeugträger um die bis vor den küsten malaysias und Vietnams liegenden besitzansrüche zu untermauern

Meklon von Andromeda
 
30
29.10.2009, 09:29

*Sarkasmus an*
Da wird wohl nur noch ein US-Erstschlag gegen China helfen, die Bedrohung muss doch beseitigt werden, nicht wahr?
*Sarkasmus aus*

vi-de dot com
 
00
29.10.2009, 08:30
Chen Shui-bian: die Politik der Fünf Nein (?????)

() Taiwan wird nicht die formale Unabhängigkeit erklären.
() Taiwan wird die offizielle Staatsbezeichnung („Republik China“) nicht ändern.
() Taiwan wird keinen Artikel in die Verfassung aufnehmen, der die Beziehungen zur Volksrepublik China als „zwischenstaatliche Beziehungen“ bezeichnet (sog. Zwei-Staaten-Theorie).
() Taiwan wird kein Referendum über den zukünftigen politischen Status Taiwans abhalten.
() Taiwan wird die Richtlinien für die „Nationale Wiedervereinigung“ nicht abschaffen.

Verlässt man diesen Weg, kommen die Chinesen. Bleibt man auf diesem Weg, ist man eine Provinz.

Buddy5
12
29.10.2009, 06:15
die Amis fürchten einen chinesischen Carrier??

Die Chinesen haben ja gar keine Erfahrung damit ... auch wenn sie noch lange Hilfe bei der Konstruktion und beim Bau bekommen ... die Russen haben auch keine wirkliche Erfahrung damit ... die Spionage wird ihnen zwar helfen, aber eben auch nicht die Erfahrung der USA ausgleichen ... vor allem nicht was Kampftaktiken und Strategie im Umgang mit einer Carrier Battle Group angeht ...

Und: ein modernes U-Boot der Amis und Good bye Träger ...

Nur: richtig förderlich für ein besseres Klima in der Gegend ist der chinsische Träger auf keinen Fall ...

Redwraithvienna
00
Das mit dem modernen Uboot ist auch so eine Sache ...

auch die müssen nahe genug ran um schaden anzurichten.

Und selbst wenn sie in die 120 - 300 km Zone kommen in der sie mit SS - N - 20 / 27 Schaden anrichten können : sie führen einfach zuwenig mit um 100 % sicher zu sein das sie ihr ziel erreichen (die Los Angeles Klasse die ungefähr die gleiche grösse hat, führt 12 Tomahawk mit)

Und mit denen sollte (theoretisch) die nahverteidigung der trägergruppe fertig werden. sind immerhin um die 12 Schiffe, 5 davon mit Abfangraketen + CIWS

Der_Klingone
00
29.10.2009, 11:23

Ein chinesischer Träger wäre nun wirklich keine große Gefahr für die Amis. Viel gefährlicher ist die große Anzahl von Seezielflugkörpern wie der 3M80 und Konsorten.

Redwraithvienna
00
Jein die SS-N-20 /26 /27 (man verzeihe mir die NATO Termini) auf die sie anspielen haben alle nur ein Problem :

die (relativ) kurze reicheweite im vergleich mit Trägergestützten Systemen.

Diese liegt bei allen dreien zwischen 120 und 300 km je nach angriffsprofil.

eine F/A 18 mit Harpoons hat einen Einsatzradius von 500 -700 km je nach Typ + 280 km (Harpoon SLAM-ER) Sprich bevor die Trägergruppe überhaupt in die Reichweiter der chin. Raketen kommt kann der angreifen.

Jetzt kommen noch Uboote in frage. Klar. Nur sind die US Boote nun mal den chinesischen klar überlegen. sowohl an zahl als technik. Sprich die frage wäre : Kommen die überhaupt so nahe ran.

Also ganz ehrlich ? Es gibt einen grund warum die chinesen eine eigenen träger bauen. Und der ist nicht das sie auf ihm noch mehr raketen unterbringen können.

h 90
00
29.10.2009, 08:49

Aber China hat die gemeinen russischen Raketen die jeden amerikanischen Traeger versenkt.
Wie ein russischer General meinte: Normale Bestueckung und der Traeger ist weg. Den nuklearen Kopf drauf und Traeger+Begleitschiffe sind weg.

Cepheus
11
29.10.2009, 10:26

Also die Amis mit nukes angreifen traut sich glaube ich keiner so bald mal. Schon gar nicht China.

Das ein massiver Angriff mit Seezielflugkörpern auf einen Flugzeugträger eine große Gefahr darstellt sit den Amis bewusst. Deshalb gibts ja eine Carrier Group + Flieger damit keiner so nah rankommt. Falls es doch mal gelingen sollte werden wir sehen was die Selbstverteidigungssysteme taugen ;-)

Snieftaps
01
29.10.2009, 04:53
Ein wichtiges Faktum kommt im Artikel nicht vor.

Der Sicherheitspakt setzt voraus, dass Chinas Angriff unprovoziert ist. Die USA unterstuetzen seit Jahrzehnten eine one-china Politik, ergo wenn sich Taiwan fuer unabhaengig erklaert und China daraufhin angreift, bleibt die Intervention aus.

Martin Müller10
 
23
29.10.2009, 01:35
Wer ist mit wem auf Augenhöhe?

Fast eineinhalb Stunden dauerte ein Gespräch von US-Verteidigungsminister Robert Gates mit Chinas zweithöchstem Militär, Xu Caihou, Anfang dieser Woche im Pentagon. Das sagt vieles, wenn man diplomatische Regeln nur ein wenig kennt, über die gegenseitige Einschätzung aus

johngillis
00
29.10.2009, 22:59

interpretieren sie das bitte für einen laien

Marvin_is_one
01
29.10.2009, 08:18

mir sagen die diplomatischen Regeln nichts. Was interpretieren sie in diese Aussage hinein?

beowulf2
 
00
28.10.2009, 22:58

"Die rote Linie..."

Ich sag mal soviel, ein chinesischer Flugzeugträger kommt so oder so. Egal ob China jetzt demokratisch ist oder kommunistisch. Viel mehr stellt sich die Frage, warum China nicht längst schon einen hat.

Redwraithvienna
10
29.10.2009, 09:26
Also wenn sie einen haben dann steht der seit Jahren

in einem überdachten Trockendock. Die Dinger sind ja nicht so klein das man sie übersehen kann.

Aber meines wissens nach haben die chinesen zwei alte russische Träger gekauft, auseinandergenommen und basieren auf diesem Wissen ihren eigenen der irgendwann in den nächsten 5 jahren einsatzbereit sein soll, sprich in 3 jahren fertig gebaut ist.

beowulf2
 
00
4.11.2009, 11:29

Ich war sogar schon auf einen :-)
War eine Touristenattraktion in Shenzhen.
Ich spreche natürlich von einsatzfähigen modernen Flugzeugträgern.
Sie haben aber Recht, der Flugzeugträger wird bald fertig sein. Das weiß, eigentlich jeder der sich die Mühe macht einmal 5 Minuten zu googeln.
Deswegen finde ich es auch interessant, warum plötzlich von einer "roten Linie beim Bau eines Flugzeugträgers" gesprochen wird.
Diese "rote Linie" wurde schon vor ein paar Jahren überschritten.

natoll
00
29.10.2009, 07:40

nicht das know-how.

Dein Schatten
02
28.10.2009, 22:00

Glauben die wirklich die USA riskiert den 3.Weltkrieg mit China für so eine Insel ?
Also da müsste es schon um Japan gehen das die dafür einen Flugzeugträger locker machen!

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