Brüssel will CO2-Ausstoß von Kleintransportern begrenzen

28. Oktober 2009, 17:04
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Auf durchschnittlich 175 Gramm pro Kilometer - Bis 2020 auf 135 Gramm/Km - Bei Überschreitung drohen Strafzahlungen

Brüssel - Nach den umstrittenen CO2-Grenzwerten für Pkw hat die EU-Kommission Klimaschutzauflagen auch für Kleintransporter vorgeschlagen. Die Auto-Hersteller sollen den CO2-Ausstoß kleiner Nutzfahrzeuge von 2014 bis 2016 stufenweise auf durchschnittlich 175 Gramm pro Kilometer senken. Für 2020 strebt die Kommission eine weitere Absenkung auf 135 Gramm pro Kilometer an. Die Autoindustrie kritisierte die Pläne als weltfremd, Umweltschützer warfen der Kommission hingegen mangelnden Ehrgeiz vor.

Der Kommissionsvorschlag, der noch vom Europaparlament und den EU-Regierungen angenommen werden muss, bezieht sich auf Kleinlaster mit einem Gewicht bis 3,5 Tonnen. Im Jahr 2014 sollen 75 Prozent dieser Fahrzeuge den Durchschnittswert von 175 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen, im Jahr 2015 werden 80 Prozent der Kleinlaster erfasst, 2016 dann alle.

Falls sich die EU-Kommission damit durchsetzt, müsste neben den asiatischen Auto-Herstellern vor allem der deutsche Daimler-Konzern den CO2-Ausstoß seiner Kleinlaster deutlich vermindern. Im Schnitt lag der CO2-Ausstoß von Kleintransportern im Jahr 2007 bei 203 Gramm pro Kilometer, wie die Kommission mitteilte. Daimler-Fahrzeuge lagen mit durchschnittlich 243 Gramm CO2 pro Kilometer deutlich darüber. Übertroffen wurden sie nur von Mazda-Kleintransportern, die 246 Gramm CO2 pro Kilometer produzierten.

Geringere Strafzahlungen

Herstellern, die die neuen Vorgaben nicht erfüllen, droht die Kommission mit Strafzahlungen. Ab 2019 sollen sie pro überschüssigem Gramm und Fahrzeug 120 Euro zahlen. In der Zeit von 2014 bis 2018 fallen deutlich geringere Strafzahlungen an.

Der Verband Deutscher Automobilhersteller (VDA) kritisierte den Kommissionsvorschlag scharf: "Die Nutzfahrzeugindustrie erlebt den größten Einbruch seit der Weltwirtschaftskrise im vergangenen Jahrhundert. Die Branche braucht keine Mehrbelastung, sondern eine Entlastung", erklärte VDA-Präsident Matthias Wissmann in Frankfurt. Zudem sei das Langfristziel von 135 Gramm im Jahr 2020 "unrealistisch". Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber warnte, die Klimaschutzauflagen würden Kleintransporter verteuern und dadurch Handwerker und andere Kleinunternehmen belasten.

Dagegen warnte die Umweltschutzorganisation WWF, die Klagen über eine Mehrbelastung in der Krise seien kurzsichtig. Die Einführung der Grenzwerte komme nicht zu früh, sondern zu spät: "Wir müssen die Weichen für effiziente Nutzfahrzeuge jetzt stellen. Grenzwerte fördern Innovationen", erklärte WWF-Verkehrsreferentin Viviane Raddatz. Ähnlich äußerte sich Greenpeace-Expertin Franziska Achterberg: "Wir stecken in einer Klima-Krise - was wir brauchen, ist schnelles und ehrgeiziges Handeln, nicht einen schwachen Vorschlag mit verzögerten Zielen." (APA)

 

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