Wohnungsleerstände in Wien

Kein Gott, kein Staat, kein Mietvertrag?

29. Oktober 2009, 07:08
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    foto: apa/herbert p. oczeret

    April 2008: Ein seit Jahren leerstehendes Haus in Wien-Alsergrund wird geräumt, nachdem es am Vorabend durch mehrere Dutzend Aktivisten im Zuge eines 'Internationalen Aktionstags für Freiräume und Besetzungen' in Beschlag genommen worden war

In Wien stünden 80.000 Wohnungen leer, kritisieren Hausbesetzer - Wie viele es tatsächlich sind, ist schwer zu sagen

Mit rund 80.000 bezifferte die "Gruppe Hausprojekt", die Anfang Oktober eine Woche lang das leerstehende ehemalige Schulgebäude in der Triesterstraße 114 besetzt hielt, den Wohnungsleerstand in Wien. Was bedeuten würde, dass etwa jede zehnte Wohnung unbewohnt ist. Eine Zahl, die auf den ersten Blick astronomisch anmutet.

Wie viele Wohnungen stehen in Wien aber tatsächlich leer? Die letzte Studie zum Thema stammt aus dem Jahr 1995 und wurde vom "Infoservice Wohnen und Bauen" kurz iswb, einem Gemeinschaftsprojekt des Ökologie-Instituts für angewandte Umweltforschung und der Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen, durchgeführt.

Ihr zufolge standen zu Beginn der 1990er Jahre rund 100.000 Wohnungen leer. Beim Lesen offenbart sich schnell die Crux: Die Zahl wird von Seiten der Hauseigentümer genannt. "Es seien die Mieter, die diese Wohnungen, weil sie so billig sind, nicht hergeben wollen, obwohl sie sie nicht bräuchten", heißt es in der Studie. Und weiter: "Auch für die Hauseigentümer sei ein angemessener Mietzins ein notwendiger Anreiz, leere Wohnungen wieder auf den Markt zu bringen. Auf der Seite der Mieter werden die publizierten Leerstandszahlen stets bestritten und widerlegt. Das durch freie Marktmieten in Wien mobilisierbare Potential umfasse in Wirklichkeit nur rund 10.000 Wohnungen."

Leerstand unbekannt

Ein aktueller Gesamtbestand der Wohnungsleerstände würde nicht erhoben, sagt Eva Bauer, Leiterin des Wohnwirtschaftlichen Referates des Österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen. Zum einen sei der Aufwand erheblich und man müsste laufend kontrollieren, zum anderen sei es "wohnungspolitisch heikel", sagt Bauer. "Man müsste evaluieren, wie es zu den Leerständen kommt". Ob die Wohnungen beispielsweise zu teuer, oder baufällig seien. Die letzten, ihr vorliegenden Daten seien von der Volkszählung 2001 und würden einen Rückgang zeigen. Eine genaue Zahl könne sie aber auch nicht nennen. Vielleicht die Statistik Austria, denn die würde Gebäude- und Melderegister zusammenführen.

Kurt Vollmann von der Statistik Austria winkt ab; das würde nicht gemacht. "Die Statistik kann eventuelle Leerstände nicht erheben, weil es nahezu unmöglich ist, Leerstand an sich zu definieren." Immerhin könne man nicht davon ausgehen, dass eine Wohnung, in der niemand gemeldet ist, tatsächlich leer stehe. Möglicherweise würde sie lediglich umgebaut. "Viele, die angeblich leer stehen sind Zweitwohnsitze. Oft werden Wohnungen aufgehoben, etwa für die Kinder, die später in Wien studieren werden." Andere würden aufgrund von Renovierungs- oder Umbauarbeiten dem Markt nicht zu Verfügung stehen, sagt Vollmann. "Ab wann soll eine Wohnung also als leerstehend gelten?" Nach einem halben Jahr müsse eine Nutzung ermöglicht werden, lautet die Antwort der "Initiative Pankahyttn", die auf ihrer Website "Mietfreies Wohnen für Alle! Unbefristete Hauptmietverträge auf Betriebskostenbasis für alle, sowie die sofortige Öffnung leerstehender Häuser und Wohnungen fordert. "Unmöglich", würde die Antwort aus SPÖ-Wohnbaustadtrat Michael Ludwigs Büro lauten.

Kein Wohnungsmangel

Es mangle der Stadt nicht an günstigen Wohnungen, sagt Ludwig-Sprecher Hanno Csisinko. Den Bedarf an einer weiteren Studie sehe er nicht: "Ich verstehe die Bedeutung der Erhebung nicht, immerhin kostet das ja auch etwas." Ein "Armutszeugnis", wie der nicht amtsführende Grüne Stadtrat David Ellensohn findet. Auf seiner Website schreibt Ellensohn, in der Bundeshauptstadt seien mehr als 8.000 Wohnungen unbenützt und dienten der Spekulation. 8.000 oder doch 80.000, wie die "Gruppe Hausprojekt" behauptet? "Man kann beide Zahlen argumentieren", sagt Ellensohn. Er fordere eine Leerstandsabgabe und dass die Stadt Wien verlassene Wohnhäuser übernehme, wie es das Mietgesetz in Notfällen erlauben würde.

So sei das Gesetz nicht auslegbar, kontert Csisinko: "Niemand kann mir vorschreiben, was ich mit meiner Wohnung mache, so lange ich sie nicht baulich verkommen lasse." Wohnungsspekulation, so wie sie Ellensohn kritisiert, gebe es seit den 1990er Jahren kaum mehr. Wie erklärt er sich dann die hohe Zahl an Leerständen? "Laut Wohnbedarfsprognosen, die die Stadt Wien mit der Statistik Austria in zwei, fünf und zehn Jahresabständen erhebt, standen im Jahr 2001 etwa 60.000, der rund 920.000 Wiener Wohnungen leer. Diese Zahl hat sich im Rahmen der Erhebungen zur Wohnbedarfsprognose im Jahr 2007 auf 30.000 reduziert", rechnet Csisinko vor. Gut 10.000 sind für Sanierungen einzurechnen. Zwei Drittel, etwa 19.000, gelten als so genannte "Mobilitätsreserve": Wohnungen, die Zuzüge, Umzüge und Geburten abfedern. "Das entspricht rund zwei Prozent des Gesamtwohnungsmarktes und damit auch dem internationalen Vergleich", sagt Csisinko zufrieden. "Es gibt ein großes Wohnungsangebot in Wien." (bock, derstandard.at, 29.10.2009)

Kommentar posten
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immofuchs
00
19.11.2009, 16:52
Jeder bekommt eine Gratiswohnung

und zwar in vollkommen schmuckloser, einfachster Ausführung in mehrgeschossigen Neubauten ohne Lift.
Diese Wohnungen werden nicht instand gesetzt, nicht gewartet und den Mietern überlassen.
Nach zehn Jahren wird jedenfalls abgesiedelt. Ob Abbruch/Neubau oder Instandsetzung entscheidet nur der Rechenstift.
Finanziert wird das Modell durch Verkauf oder wirtschaftliche Vermietung zu Marktkonditionen von öffentlichen Wohnungen (BK zahlen die Bewohner selbst)
Effekt:
In solchen "Sozialwhg." ist jeder genau solange wie er muß.
Der nächste Schritt ist eine massive Förderung von Kleinstwhg im Eigentum (auch mit Steuerbonus) und ab dann:
Freier Markt!

Prof. Groove
 
00
14.11.2009, 15:36
Lieber Herr Schlesinger

Wenn der Markt wirklich so toll wäre wie Sie sagen, dann wäre ja London eine Musterstadt an top sanierten
Wohnungen, denn da haben Sie einen liberalisierteren Wohnungsmarkt als in Wien.
Und das der Gesetzgeber die Mieter schützt vor geldgierigen Vermietern die in ihre Häuser nix investieren sondern das Geld immer nur ausm Haus nehmen ist leider notwendig. Lassen Sie sich mal eine ordentliche Betriebskosten abrechnung von ihren Hausbesitzern abnehmen und zeigen sie mir eine Hausverwaltung die nicht die Mieter mit oder ohne wissen des Hauseigentümers abzockt durch zu hohe Betriebskosten oder überzogene Mieten! Die die nach weniger Staat rufen haben nur Angst vor Transparenz und Kontrollen.

Chocoholic
00
20.11.2009, 20:04
Darf ich Sie fragen, was fuer Sie eine nicht abzockende Miete ist?

Prof. Groove
 
00
23.11.2009, 15:53
nicht abzockende Miete

Das ist eine ausgezeichnete Frage :)
Die frage geht in richtung was ist ein fairer Preis,
nun ein neoliberalist würde sagen der Markt zeigt ihnen den fairen preis JEDOCH muss man sich IMMER die umstände anschauen, die natürlich von fall zu fall verschieden sind. Man kann sich aber immer folgende Fragen stellen: Wo liegt die Wohnung - Anbindung ist wichtig, Welchen Zustand ist die Wohnung (viele vermieter vermieten löcher in denen sie niemals selbst wohnen würden) dann natürlich die größe selbstverständlich, ob alt oder neubau, wie gut ist die wärmedämmung etc... das alles bestimmt den preis und auf der anderen seite muss "der preis" auch auf dauer nachhaltig leistbar sein - ein verm. muss auch den wohlstandsgrad der mieter berücksichtige

vandermonde
00
Und da haben sie schon die Schwierigkeit.

Es wurde versucht diese Dinge über die Kategorien und jetzt auch mit den Richtwertmietzinsen zu regeln. Aber das Problem beginnt dort, wo sie das nur mehr per Gutachten und Gerichtsverfahren feststellen können.

Bei den reinen Kategoriemietzinsen ging das noch, aber beim Richtwertmietzins ist es de-facto unmöglich und es zeigt sich das Dilemma der Beurteilung der Qualität und damit des "angemessenen" Mietzinses einer Wohnung.

All die MRG Regelungen haben sicher positive aber auch viele negative Konsequenzen. Dazu gehören z.B. auch die 3 bzw. 5 Jahresbindungen mit denen die Vermieter versuchen, die diversen Risiken zu begrenzen. Und die Tatsache, dass neue Mieter billige Altmieten de-facto teilweise kompensieren müssen.

135
 
10
1.11.2009, 21:15
Kräftig besteuern.....

quid pro quo
01
2.11.2009, 19:59

"...Kräftig besteuern....."

Warum sollte man eine Wohnung, die man sich aus versteuertem Geld nach vielen Jahren Arbeit gekauft hat, und nun leersteht, weil man sie in ein paar Jahren für sein Kind benötigt, besteuern, weil sie deswegen leer steht?

Vermieten will/kann ich sie nicht, weil sie für eine Vermietung nicht geeignet ist.

Logix
42
1.11.2009, 00:12
Das Problem ist,

dass viele Eigentümer die Wohnungen als ihr Spekulationsding ansehen, mit dem sie machen können, was sie wollen. Denen ist halt wurscht, dass andere Leute auf diese Löcher angewiesen sind, um nicht auf der Straße vor die Hunde zu gehen. Die wollen einfach nur ihre "Rendite". Auch wenn andere dafür verrecken.

sachertorte2
00
30.11.2009, 13:29

richtig EIGENTÜMER, die können mit ihrem Eigentum im legalen Rahmen tun und lassen was sie wollen!! Was die Bestzer machen ist schlicht und einfach kriminell - auch wenn sie meinen im Recht zu sein. Zwischen Wunsch und Realität treffen sich halt nicht immer.

Bluestone
00
29.11.2009, 06:58
Jeder ist seines Glückes Schmied

Job suchen-sparen-Wohnung kaufen

Inno Vision
 
00
24.8.2010, 16:33
besonders die viel geerbt haben

sind Glücksschmiede, außer Sie lassen sich auf Papiere von Meinl ein, der ja durch die Nähe zur Politik seriöser wirkte als er wahr.

Jakob der Schwitzer
02
11.11.2009, 10:55
ich kann mit meinem Eigentum

machen was ich will

anne.sche
04
4.11.2009, 13:32
eigentümer, die mit ihrem Besitz machen, was sie wollen

warum lassen sie mich nicht übers jahr ihre abendgardarobe tragen - sie brauchen sie doch eh erst wieder in der ballsaison

und dann geb ich sie gerne zurück - selbstverständlich in bestem zustand...
vertrauen sie mir ;-)

Chocoholic
00
2.11.2009, 20:20
Warum kaufen Sie nicht schoene Wohnungen, richten sie her und lassen

arme Menschen umsonst oder zu einem sehr geringen Mietentgelt darin wohnen? So ein Artikel hat mich vor fast 3 Jahren dazu gebracht, meine Wohnung trotz Risiko kurzfristig (leider unter 3 Jahren nicht moeglich) zu vermieten. Neben den Extra Rueckzahlungen, die ich jetzt an den Mieter leisten muss, die dann in Hoehe von 200 Euro netto pro Monat auf meine Zins- und Betriebskosten fehlen, kann ich auch nach Beendigung meines Vertrages im Ausland nicht einfach in meine Wohnung zurueck, sondern muss warten, zittern und beten, dass sich der Mieter erbarmt und zum vereinbarten Zeitpunkt auch tatsaechlich auszieht. Ausser Spesen nichts gewesen, und noch viel Leid und Nerven weg.

. g.bac
011
1.11.2009, 18:15
und das lustige ist

die können auch damit machen was sie wollen, denn es gehört ihnen, die haben ein leben lang geschuftet um sich eine wohnung zu kaufen, und jetzt kommen ein paar arbeitsscheue anarchos daher, die das eigentum anderer als ihr eigenes betrachten wollen.

was kommt als nächstes, sie nehmen dein auto weil du gerade nicht fährst? sie investieren dein geld weil du es ohnehin nur sparst und somit "brach" auf der bank liegen lassen?

wenn sie leerstehende wohnungen weitervermieten wollen, dann kaufen sie sie doch einfach und tun sie es ;-)

rhaino
10
2.11.2009, 17:28

Ich bezweifle, dass ein Großteil der Miethausbesitzer in Wien ihr Leben lang geschuftet haben, um ihre Häuser kaufen zu können. Und genau um diese "Großgrundbesitzer" geht es, nicht um Menschen, die aus verschiedensten Gründen zwei oder drei Wohungen haben.

Natürlich kann ein reicher Mensch mit seinem Besitz machen, was er will, aber es gibt auch so etwas wie eine soziale Verantwortung, die gerade wohlhabende Menschen erfüllen sollten. Und in diesem Fall besteht die soziale Verantwortung eben darin, dass man nicht Häuser sinnlos leerstehen läßt, nur um bessere Preise erzielen zu können.

Inno Vision
 
00
24.8.2010, 16:36
nix gegen Arbeit - aber gegen Spekulationen

und die treiben die Preise oft sinnlos in die Höhe.
Nebenbei gemerkt sind die gesetzlichen Bestimmungen (unsere Bürokratie dient ja in erster Linie dazu, Anwälten und Beamten ein gutes Leben zu ermöglichen und doofe Politiker schauen nur blöd zu) natürlich auch oft ein Hemmschuh, seine Wohnung kurzfristig zu vermieten

anne.sche
00
4.11.2009, 13:33
der größte mietshausbesitzer

ist übrigens die stadt wien

private sind da nicht sooooo viele - die würden die wohnproblem nicht lösen können

Chocoholic
11
2.11.2009, 20:16
Mein Mieter verdient das dreifache von mir, ich darf ihm trotzdem noch

200 Euro monatlich in den A.... schieben, damit er bei mri wohnen kann.

quid pro quo
00
2.11.2009, 20:01

"...Ich bezweifle, dass ein Großteil der Miethausbesitzer in Wien ihr Leben lang geschuftet haben..."

Hier geht es wohl nicht um die paar hundert Miethausbesitzer, sondern um die zehntausenden Wohnungseigentumsbesitzer, die ein vielleicht zwei Eigentumswohnungen haben und eventuell nicht vermieten wollen/können.

max ritz
12
2.11.2009, 18:20
es gibt auch so etwas wie eine soziale Verantwortung

gilt Ihr Satz auch in umgekehrter Richtung? mein Mieter ist nämlich wesentlich reicher, als ich als Hausbesitzer. Ich habe auch leerstehende Wohnungen, weil sie im dzt. Zustand nicht vermietbar sind - dank dem Mieterschutz verfällt mein Haus mehr und mehr.

135
 
21
2.11.2009, 10:47
Wie arm sind doch die Spekulanten.....

rechterungustl
34
30.10.2009, 16:27
Spiesser!

Standard- Poster sind noch spiessiger als Krone- Poster.
Versteht ihr nich um was es diesen Leuden geht? Es geht um ein System wo es möglich ist das Leude ein leistungsfreies Einkommen aufgrund von Grundrente und Zinsknechtschaft haben. Wie kann man so p*rniert sein?
Privateigentum and Grund und Boden, und dieses Zinsystem sind keine Naturgesetze!

Bluestone
00
22.11.2009, 19:50
Bin auch einer dieser Spießer...

..aber "porniert" kann man in diesem Zusammenhang nicht meinen, oder?

Meinen Sie vielleicht "borniert" ?

LGM
23
30.10.2009, 16:42

a bissi verwirrt?

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