Powell warnt Syrien und den Iran

1. April 2003, 11:44
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Syrien blockt ab: "Irak im Kampf gegen die Invasion unterstützen"

Washington/Wien - US-Außenminister Colin Powell hat Syrien vorgeworfen, Iraks Präsident Saddam Hussein sowie "terroristische Gruppen" zu unterstützen, und die Regierung in Damaskus aufgefordert, dies zu unterlassen. "Syrien steht nun vor einer entscheidenden Wahl", sagte Powell am Sonntag in einer Rede vor einer jüdischen Organisation in Washington. "Syrien kann mit der direkten Unterstützung für terroristische Gruppen und das sterbende Regime von Saddam Hussein fortfahren oder es kann einen anderen, hoffnungsvolleren Kurs einschlagen." Powell fügte hinzu: "So oder so trägt Syrien die Verantwortung für seine Entscheidung und die Konsequenzen."

Powell bekräftigte zudem den harten US-Kurs gegenüber dem Iran. Die internationale Gemeinschaft bestehe darauf, dass der Iran seine Unterstützung des Terrorismus einstelle. "Teheran muss sein Streben nach Massenvernichtungswaffen beenden und alle Maßnahmen, solche Waffen zu verbreiten." Zugleich sicherte Powell dem iranischen Volk Unterstützung in den Bemühen um bessere Lebensverhältnisse zu.

Rumsfeld: Feindlicher Akt

Bereits am Freitag hatte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Syrien vorgeworfen, Rüstungsgüter an den Irak zu liefern. Die USA würden Syrien für diesen "feindlichen Akt" zur Verantwortung ziehen, sagte Rumsfeld. Syrien hatte die Angaben Rumsfelds zurückgewiesen. Dem Iran hielt er vor, schiitische Milizen im Irak zu unterstützen.

Powell hält auch neue Fortschritte bei den Friedensbemühungen im Nahen Osten für möglich. Die Bildung einer neuen israelischen Regierung und die Wahl des palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas, der einen Teil der Macht von Palästinenserpräsident Yassir Arafat übernehmen werde, seien ein Moment der Hoffnung, so Powell am Sonntag bei einem Treffen des Komitees für israelisch-amerikanische Angelegenheiten in Washington. "Fortschritte könnten wieder möglich sein." Gleichzeitig verurteilte er den Selbstmordanschlag vom Sonntag, bei dem in dem israelischen Badeort Netanya Dutzende Menschen verletzt wurden.

Syrien: Amerikanisch-britische Invasion

Syrien habe sich indes dafür entschieden, das irakische Volk im Kampf gegen die amerikanisch-britische Invasion zu unterstützen, erklärte das Außenministerium in Damaskus am Montag. Syriens "Wahl" bedeute, dass es sich "auf die Seite des irakischen Brudervolkes stellt, das mit einer illegalen und nicht gerechtfertigten Invasion konfrontiert ist und gegen das derzeit mannigfache Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt werden", heißt es in der Erklärung des syrischen Ministeriums.

Zuvor hat der syrische Außenminister Faruk Sharaa deutlich Stellung für das Nachbarland bezogen. Es sei "im Interesse" seines Landes, wenn "die Invasoren im Irak besiegt werden", sagte Sharaa dem Parteiorgan Al Baath am Montag. Die US-Regierung habe das amerikanische Volk "in die Katastrophe" geführt, indem sie sich "gegen die gesamte internationale Gemeinschaft gestellt" habe.

Den US-geführten Irakkrieg bezeichnete Sharaa als "ausländische Okkupation eines arabischen Staates". Die Irakis leisteten der "amerikanisch-britischen Besatzung heldenhaften Widerstand". Syrien gehört derzeit als einziges arabisches Land dem UNO-Sicherheitsrat an. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.4.2003, dpa, AFP)

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    Syriens Außenminister Faruk Sharaa weist Powells Warnung zurück und bezieht klar für das Nachbarland Irak Stellung

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