Unsportliches Highlight von Gunnar Prokop

29. Oktober 2009, 22:24
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Trainer foult gegnerische Spielerin und rettet so Punktgewinn für Hypo NÖ gegen Metz - Strafausmaß laut EHF-Funktionär "grundsätzlich nach oben hin offen"

Maria Enzersdorf - Österreichs Serienmeister Hypo Niederösterreich hat am Donnerstag in der Frauen-Handball-Champions-League enttäuscht. Die Niederösterreicherinnen führten gegen Metz HB in der Südstadt vor 800 Zuschauern zwar etwas mehr als eine Minute vor Schluss noch mit zwei Toren Vorsprung, mussten sich aber am Ende mit einem 27:27-(11:10)-Remis begnügen. Gunnar Prokop rettete den Gastgeberinnen in den Schlussekunden mit einer Unsportlichkeit erst den Punktgewinn.

Die erste Hälfte war gekennzeichnet durch ein hektisches und fehleranfälliges Spiel auf beiden Seiten. Hypo kam nicht wie erhofft in die Gänge und musste immer wieder einem Rückstand nachlaufen, erst nach 16 Minuten ging die Truppe von Gunnar Prokop erstmals (6:5) in Führung, bis zur Pause (11:10) blieb es beim mageren Ein-Tor-Vorsprung.

Nach dem Seitenwechsel startete Österreichs Meister neuerlich nicht ideal. Mit der Fortdauer der Partie erarbeiteten sich die Gastgeberinnen aber einen Vorsprung - Nascimento stellte mit dem 22:20 nach 48 Minuten erstmals eine Zwei-Tore Führung her - der allerdings nur bis zur dramatischen Schlussphase hielt. In den letzten beiden Minuten verschenkten Seong Ok Oh und Co. unverständlicherweise die Führung und mussten zum Schluss auch noch zufrieden sein, nicht als Verliererinnen vom Platz gehen zu müssen.

Prokop: "Taktisch war es völlig richtig"

Prokop machte nämlich einen Angriff von Metz zu Nichte, in dem er mit einer Gäste-Spielerin auf dem Feld zusammenstieß. "Bevor ich das Spiel verliere, muss ich die Rote Karte riskieren. Taktisch war es völlig richtig und es war ja auch keine Verletzungsgefahr", sagte Prokop zu der unfairen Aktion.

Über die Leistung seiner Mannschaft, bei der nur Torfrau Olga Sanko und die mit Nascimento gemeinsam beste Werferin Daniel Piedade (je 9 Tore/"Der Angriff war langsam, ich weiß nicht warum") positiv auffielen, war der "Mister Hypo" maßlos enttäuscht. "Wir haben wirklich sch.... gespielt. Wir waren zu wenig aggressiv und ein bisschen überheblich", kritisierte Prokop seine Truppe. Vor allem Spielertrainerin Oh war nur ein Schatten ihrer selbst. "Ich habe sie noch nie so schlecht spielen gesehen. Die Leistung steht und fällt mit ihr", sagte Prokop. Zudem sei allerdings auch die Schiedsrichterleistung alles andere als gut gewesen. "Jetzt müssen wir gegen Metz auswärts gewinnen, mit dieser Leistung ist das aber nicht möglich", meinte Prokop.

Zuerst geht es für die Niederösterreicherinnen, die zum Auftakt Aalborg auswärts mit 36:30 besiegt hatten, allerdings bereits am 8. November mit dem Auswärtsspiel in Laibach weiter. Gäste-Coach Francois Bertrand war ob der Szene kurz vor Schluss nicht erzürnt. "Es war sicher die spielentscheidende Szene, ich kann es aber nachvollziehen", sagte der Coach der Franzosen. 

Nachspiel folgt kommende Woche

Der Fall beschäftigt nun das dreiköpfige Schiedsgericht des Europäischen Handball-Verbandes (EHF) in Wien. "Mit einem Urteil ist für kommende Woche zu rechnen", sagte Markus Glaser, der Leiter des EHF-Spielbetriebs.

Die erste Instanz wird tätig, nachdem das Schiedsrichter-Duo seinen Bericht über das Vergehen des Trainermanagers abgeliefert hat. Glaser sagte, dass sich niemand im Verband an einen ähnlichen Vorfall erinnern könne. "Dass ein Offizieller den Platz betreten hat und eine Spielaktion wissentlich unterbindet, war noch nie da."

Das Strafausmaß sei "grundsätzlich nach oben hin offen. Es ist mit einer Sperre und einer Geldstrafe zu rechnen. Wie hoch sie sein werden, das legt das Schiedsgericht spätestens bis zum nächsten Europacup-Spiel des österreichischen Meisters am 8. November in Laibach fest", meinte der Funktionär.  (APA/red)

 

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