Trainer foult gegnerische Spielerin und rettet so Punktgewinn für Hypo NÖ gegen Metz - Strafausmaß laut EHF-Funktionär "grundsätzlich nach oben hin offen"
Maria Enzersdorf - Österreichs Serienmeister Hypo
Niederösterreich hat am Donnerstag in der
Frauen-Handball-Champions-League enttäuscht. Die
Niederösterreicherinnen führten gegen Metz HB in der Südstadt vor 800
Zuschauern zwar etwas mehr als eine Minute vor Schluss noch mit zwei
Toren Vorsprung, mussten sich aber am Ende mit einem
27:27-(11:10)-Remis begnügen. Gunnar Prokop rettete den
Gastgeberinnen in den Schlussekunden mit einer Unsportlichkeit erst
den Punktgewinn.
Die erste Hälfte war gekennzeichnet durch ein hektisches und
fehleranfälliges Spiel auf beiden Seiten. Hypo kam nicht wie erhofft
in die Gänge und musste immer wieder einem Rückstand nachlaufen, erst
nach 16 Minuten ging die Truppe von Gunnar Prokop erstmals (6:5) in
Führung, bis zur Pause (11:10) blieb es beim mageren
Ein-Tor-Vorsprung.
Nach dem Seitenwechsel startete Österreichs Meister neuerlich
nicht ideal. Mit der Fortdauer der Partie erarbeiteten sich die
Gastgeberinnen aber einen Vorsprung - Nascimento stellte mit dem
22:20 nach 48 Minuten erstmals eine Zwei-Tore Führung her - der
allerdings nur bis zur dramatischen Schlussphase hielt. In den
letzten beiden Minuten verschenkten Seong Ok Oh und Co.
unverständlicherweise die Führung und mussten zum Schluss auch noch
zufrieden sein, nicht als Verliererinnen vom Platz gehen zu müssen.
Prokop: "Taktisch war es
völlig richtig"
Prokop machte nämlich einen Angriff von Metz zu Nichte, in dem er
mit einer Gäste-Spielerin auf dem Feld zusammenstieß. "Bevor ich das
Spiel verliere, muss ich die Rote Karte riskieren. Taktisch war es
völlig richtig und es war ja auch keine Verletzungsgefahr", sagte
Prokop zu der unfairen Aktion.
Über die Leistung seiner Mannschaft, bei der nur Torfrau Olga
Sanko und die mit Nascimento gemeinsam beste Werferin Daniel Piedade
(je 9 Tore/"Der Angriff war langsam, ich weiß nicht warum") positiv
auffielen, war der "Mister Hypo" maßlos enttäuscht. "Wir haben
wirklich sch.... gespielt. Wir waren zu wenig aggressiv und ein
bisschen überheblich", kritisierte Prokop seine Truppe. Vor allem
Spielertrainerin Oh war nur ein Schatten ihrer selbst. "Ich habe sie
noch nie so schlecht spielen gesehen. Die Leistung steht und fällt
mit ihr", sagte Prokop. Zudem sei allerdings auch die
Schiedsrichterleistung alles andere als gut gewesen. "Jetzt müssen
wir gegen Metz auswärts gewinnen, mit dieser Leistung ist das aber
nicht möglich", meinte Prokop.
Zuerst geht es für die Niederösterreicherinnen, die zum Auftakt
Aalborg auswärts mit 36:30 besiegt hatten, allerdings bereits am 8.
November mit dem Auswärtsspiel in Laibach weiter. Gäste-Coach
Francois Bertrand war ob der Szene kurz vor Schluss nicht erzürnt.
"Es war sicher die spielentscheidende Szene, ich kann es aber
nachvollziehen", sagte der Coach der Franzosen.
Nachspiel folgt kommende Woche
Der Fall beschäftigt nun das dreiköpfige Schiedsgericht des Europäischen
Handball-Verbandes (EHF) in Wien. "Mit einem Urteil ist für kommende
Woche zu rechnen", sagte Markus Glaser, der Leiter des
EHF-Spielbetriebs.
Die erste Instanz wird tätig, nachdem das Schiedsrichter-Duo
seinen Bericht über das Vergehen des Trainermanagers abgeliefert hat. Glaser sagte,
dass sich niemand im Verband an einen ähnlichen Vorfall erinnern könne. "Dass ein Offizieller den Platz betreten hat und eine
Spielaktion wissentlich unterbindet, war noch nie da."
Das Strafausmaß sei "grundsätzlich nach oben
hin offen. Es ist mit einer Sperre und einer Geldstrafe
zu rechnen. Wie hoch sie sein werden, das legt das Schiedsgericht
spätestens bis zum nächsten Europacup-Spiel des österreichischen Meisters am 8.
November in Laibach fest", meinte der Funktionär. (APA/red)