Leopold will "Bildnis Wally" notfalls zurücktauschen

28. Oktober 2009, 14:27
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Falls der Gerichtsprozess verloren geht: Schieles "Rainerbub" aus dem Belvedere im Visier

Wien - Vor einem Jahrzehnt hatte Rudolf Leopold der Stiftung Leopold vorgeschlagen, Häuser am Meer gegen andere Schiele-Bilder, die sich noch in seinem Besitz befanden, zu tauschen. Denn die Erben nach Jenny Steiner erhoben Ansprüche auf das Gemälde - und Privatpersonen sind bekanntlich nicht zur Restitution verpflichtet. Der Vorschlag wurde abgelehnt.

Nun hat das Ehepaar Leopold via News einen neuen Tausch-Plan bekanntgegeben: Sollte die Stiftung das Bildnis Wally, das Anfang 1998 in New York beschlagnahmt wurde, im Zuge des Prozesses verlieren, will man sich am Belvedere schadlos halten - und den Bildertausch aus dem Jahr 1954 rückgängig machen. Damals hatte Rudolf Leopold dem Museum seinen Rainerbub überlassen - und im Gegenzug das Bildnis Wally erhalten. Der Tausch wurde damals auf Leopolds Bitte hin vorgenommen.

Der Rücktausch würde bedeuten, dass das Belvedere wieder im Besitz der Wally wäre und alle Lasten tragen müsste. Der Pressesprecher des Leopold Museums bestätigte gegenüber der APA das Ansinnen: Die Stiftung werde im Fall des Falles gegenüber dem Ministerium eine Rückabwicklung vorschlagen.

Agnes Husslein, die Direktorin des Belvedere, bezeichnete den Plan als lächerlich: "Vor 55 Jahren wurde ein juristisch korrekter, einwandfreier Tausch vollzogen. Das Ganze ist maximal ein Wunschtraum von Leopold ohne rechtliche Grundlage." Im Fachkreisen wird dessen Vorschlag als Versuch gewertet, gegenüber dem US-Gericht gut dazustehen. Denn Leopold muss beweisen, dass er nicht wusste, dass es sich beim Bildnis Wally um geraubte Kunst handelte. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2009)

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