Wechsel an TUI-Aufsichtsrats-Spitze

28. Oktober 2009, 13:58
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Krumnow tritt zurück, Kuhnt folgt

Hannover - Der Vorsitzende des Aufsichtsrats des deutschen Reisekonzerns TUI, Jürgen Krumnow, ist am Mittwoch zurückgetreten. Wie das Unternehmen in Hannover mitteilte, gab der 65-Jährige für diesen Schritt persönliche Gründen an. Der Rücktritt gilt mit sofortiger Wirkung. Aus dem Aufsichtsrat werde er Ende Dezember ausscheiden, hieß es. Zu seinem Nachfolger bestimmte das Aufsichtsgremium Dietmar Kuhnt. Kuhnt ist laut Mitteilung seit November 1996 Mitglied des Aufsichtsrats der TUI AG.

Der aus dem schlesischen Grünberg stammende Manager war vor fast genau fünf Jahren an die Spitze des Aufsichtsrates des weltgrößten Pauschalreise-Unternehmens gewählt worden. Ihm stand in den vergangenen Jahren der streitbare TUI-Großaktionär John Fredriksen gegenüber. Der Norweger scheiterte zuletzt im Mai dieses Jahres in der Hauptversammlung mit seinem Antrag auf Abwahl des Aufsichtsratschefs. Er wollte selbst gemeinsam mit seinem Vertrauten Olav Troim in den Aufsichtsrat einziehen. Troim hatte die Unternehmensführung scharf kritisiert. Er schätzte die wirtschaftliche Situation des TUI-Konzerns als bedrohlich ein.

Krumnow, einst Finanz-Chef der Deutschen Bank, trat öffentlich bei den Debatten um die TUI kaum in Erscheinung. Auf die Angriffe gegen ihn reagierte er praktisch nicht. Kritiker warfen ihm vor, er habe TUI-Vorstandschef Michael Frenzel zu nahe gestanden und habe dessen Vorschläge nur abgenickt. Der gelernte Bankkaufmann und promovierte Betriebswirt war 1970 in die Deutsche Bank eingetreten und von 1988 bis 1999 dort Mitglied des Vorstandes.

Beteiligung an Hapag-Lloyd

TUI ächzte auch in diesem Jahr unter seiner verbliebenen Beteiligung an der Reederei Hapag-Lloyd. Außerdem kämpft der Konzern mit einem wegen der Wirtschaftskrise schleppend verlaufenden Kerngeschäft. Im zweiten Quartal musste TUI einen immensen Verlust verkraften. Der Umsatz fiel in den fortgeführten Geschäftsbereichen um 12 Prozent auf 4,18 Mrd. Euro. Unter dem Strich lag der Verlust des Unternehmens zwischen April und Ende Juni bei 524 Mio. Euro nach einem Minus von 127 Mio. Euro im zweiten Quartal des Vorjahres.

Das im September beendete Rumpfgeschäftsjahr hat TUI offenbar mit Gewinn abgeschlossen. Der Vorstand habe dem Aufsichtsrat gegenüber bestätigt, dass für den Zeitraum Jänner bis September ein positives Konzernergebnis zu erwarten sei, teilte TUI am Mittwoch mit. Der Gewinn des Kerngeschäftsfelds Touristik werde allerdings leicht unter dem Vorjahresniveau liegen. Aus der Beteiligung an der der Reederei Hapag-Lloyd seien negative Ergebnisbeiträge zu erwarten. "Der Vorstand rechnet allerdings damit, dass das Ergebnis der Hapag-Lloyd besser ausfallen wird als zunächst erwartet", so das Unternehmen. Grund sei neben einer Stabilisierung der Frachtraten das rund 1,1 Mrd. US-Dollar (740 Mio. Euro) schwere Sparprogramm. TUI begibt außerdem eine 250 Mio. Euro schwere Wandelanleihe, mit der man die Rückzahlung von Schulden über eine längere Spanne von Jahren strecken wolle. Das Papier, dem bis zu 39 Millionen TUI-Aktien zugrunde liegen, hat eine Laufzeit von fünf Jahren. (APA/Reuters)

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