Museumsdirektoren pochen auf Autonomie

28. Oktober 2009, 13:56
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Zwei Papiere mit Änderungsvorschlägen für geplante Museumsordnungen

Wien - Bis zum am Dienstag erfolgten Ablauf der Begutachtungsfrist für die neuen Museumsordnungen haben die Direktoren nun ihre Änderungswünsche eingebracht und pochen dabei auf ihre Autonomie. "Knackpunkt ist, dass das Ministerium vielfache Kompetenzen auf das Kuratorium übertragen will, das sehen wir aber als Beschneidung unserer wissenschaftlichen Unabhängigkeit", erklärte Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums (KHM) und derzeit Vorsitzende der Direktorenkonferenz.

Uneinigkeit herrschte unter den Direktoren dagegen in Bezug auf die Kontrolle von Dauerleihgaben. So kam es neben einer gemeinsamen Stellungnahme der Direktoren auch zu einem zweiten Papier, das MUMOK-Direktor Edelbert Köb nicht unterzeichnete: Hier wollen die Direktoren jenen Paragrafen aus der neuen Ordnung gestrichen sehen, in dem Kulturministerin Claudia Schmied auch für die Annahme von Dauerleihgaben die Zustimmung von Kuratorium und Ministerium verankert hat. "Wenn durch das Ministerium und das Kuratorium bestimmt wird, welche Objekte wo aufgehoben werden, sehen wird das als Eingriff in unsere wissenschaftliche Sach- und Fachkenntnis", so Haag.

Vor allem bei den Kunstmuseen und hier speziell im Bereich der zeitgenössischen Kunst gehe es "um die Schärfung des Profils" für jedes einzelne Haus. "Aus fachlichen Gründen muss die Annahme, aber insbesondere auch die Ablehnung von Dauerleihgaben - wie auch von Schenkungen - Sache der wissenschaftlichen Unabhängigkeit des Museums sein", heißt es in der Stellungnahme. Köb, der sich bereits früher für eine genauere Abgrenzung der Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit ausgesprochen hatte, wünscht sich hingegen eine stärkere Reglementierung seitens des Bundes.

In der Stellungnahme der Direktorenkonferenz - "nur ein kleinster gemeinsamer Nenner", so Haag - wird außerdem moniert, dass das Kuratorium künftig den Stellvertreter der Museumsdirektion genehmigen und weitere organisatorische Entscheidungen mittragen soll - "die mit der wirtschaftlichen Leitung des Museums nicht das Geringste zu tun haben", wie es in dem Papier heißt. Doch nur für die wirtschaftliche Aufsicht sei das Kuratorium bestellt, betonte auch Haag. "Alle Fragen, bei denen es um Inhalte und um Sammlungsgut geht, müssen eindeutig in der wissenschaftlichen Kompetenz bleiben."

Fragen der Autonomie sind auch alle weiteren Reklamationen gegen Neuerungen der Neuordnung: So wünschen sich die Direktoren, dass Schenkungen auch künftig in das Eigentum des Museums übergehen und dass die Direktorenkonferenz auch künftig ein "homogenes Gremium" darstellt und nicht - wie in der Neuordnung vorgesehen - die Ministerin oder ihr Vertreter daran uneingeladen teilnehmen können.

Zusätzlich zu den beiden gemeinsamen Statements hat auch jedes Haus seine speziellen Anregungen und Beschwerden abgeliefert. "Ich gehe davon aus, dass unsere Bedenken sorgfältig durchgegangen werden und es auch zu Rücksprachen kommt", meinte Haag bezüglich des Zeithorizonts. (APA)

 

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