Trotz Krisenjahres mehr Firmenpensionen nötig

28. Oktober 2009, 17:51
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Wifo-Chef Karl Aiginger: Lücke bei staatlichen Pensionen sei nur über betriebliche Altersvorsorge kompensierbar

Wien - Das Horror-Börsenjahr 2008 hatte für rund zwei Drittel der Bezieher einer Firmenpension Kürzungen zur Folge. Dennoch sei die betriebliche Altersvorsorge "etwas Notwendiges und etwas Zukunftsträchtiges , sagte der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts, Karl Aiginger, amMittwoch bei der Präsentation einer Studie zum Thema Pensionskassen.

Die staatliche Pension werde in den nächsten Jahrzehnten weiter sinken. Vor allem Personen, die spät ins Erwerbsleben einsteigen, öfters Arbeitslosenzeiten oder einen steilen Karriereverlauf haben, seien betroffen. Sie werden im Jahr 2050 im Vergleich zum Letztgehalt um elf Prozent weniger haben als heutige Neopensionisten, sagte Aiginger.

Im internationalen Vergleich ortet er noch Nachholbedarf bei der betrieblichen Altersvorsorge. 96 Prozent des Pensionisteneinkommens stammen in Österreich aus der staatlichen Pensionsvorsorge. Das sei der zweithöchste Anteil nach Frankreich. Europaweit liege der Anteil von Betriebsrenten bei 25 Prozent.

In einer Umfrage unter 872 Unternehmen wurden vom Wifo Gründe gegen Firmenpensionen abgefragt. 85 Prozent gaben an, ihre Mitarbeiter würden Lohnerhöhungen gegenüber der betrieblichen Altersvorsorge vorziehen, erläuterte Wifo-Experte Thomas Url. 79 Prozent wollen keine langfristige finanzielle Bindung eingehen und 70 Prozent halten die Kosten für nicht kalkulierbar. 68 Prozent meinen, der Aufwand sei zu groß.

Was müsste also geschehen, damit doch mehr Betriebe Firmenpensionen anbieten? 88 Prozent sagen, bei besseren steuerlichen Anreizen würden sie es sich eventuell überlegen - vor allem auch, wenn auch die Vorsorge für die Unternehmer selbst begünstigt würde. Knapp zwei Drittel wünschen sich flexiblere Einzahlungsmöglichkeiten.

490 Euro Zusatzpension

Große Unterschiede gibt es derzeit noch zwischen den Branchen. Über 90 Prozent der Unternehmen in der Finanz- und Gesundheitsbranche haben Firmenpensionen. Im Bauwesen sind es aber nur 7,6 Prozent, im Gastgewerbe gar nur 3,7 Prozent. Österreichweit haben 865.000 Menschen Anspruch auf irgendeine Form von betrieblicher Altersvorsorge. Der Großteil entfällt auf die Pensionskassen. Im Schnitt bekommen die Bezieher eine Zusatzpension von 490 Euro. Deutlich höher (890 Euro) sind die Ansprüche inklusive betrieblicher Lebensversicherungen.

Christian Böhm, Obmann des Fachverbands der Pensionskassen, warb um Verständnis für die Schwankungen bei den Ergebnissen. Wie auch Aiginger hält er es auch für die Zukunft für sinnvoll, auch in Aktien zu investieren.

Bei der wegen der großen Vorjahresverluste geplanten Pensionskassen-Novelle schlägt Url eine Lastenteilung aller Beteiligten vor. Dem Staat komme eine Mitverantwortung zu, weil die Finanzmarktaufsicht alle Verträge abgesegnet habe. Aber auch die Pensionskassen selbst müssten einen Beitrag leisten, sagte Url. Aiginger setzt mit der Novelle auf flexiblere Modelle, bei denen das Risiko besser auf die Kunden abgestimmt werden kann. (go, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.10.2009)

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