Der Nachbarschaftsmanager hat alles im Griff

28. Oktober 2009, 17:46
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Für die Sozialbau AG ist soziale Nachhaltigkeit vor allem eine Frage der Betreuung

Ob damals beim Globalen Hof von Peter Scheifinger oder heute beim geplanten Eurogate-Passivhaus von s&s Architekten – für die Sozialbau AG ist soziale Nachhaltigkeit vor allem eine Frage der Betreuung.

Anfang des Jahres wurde erstmals der Wiener Wohnbaupreis vergeben. "Wir wollten die vielen innovativen Projekte, die in den vergangenen 15 Jahren realisiert wurden, einer gewissen Evaluierung unterziehen" , meint Michael Ludwig, Wohnbaustadtrat und Vizebürgermeister der Stadt Wien, auf Anfrage des STANDARD. Zehn Jahre nach Erstbezug hat sich ein Projekt als besonders wacker erwiesen. Der sogenannte Globale Hof, ein interethnisches Wohnbauprojekt von Architekt Peter Scheifinger und der Sozialbau-Tochter Urbanbau, wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Als einer der ersten Bauträgerwettbewerbe in Wien sollte hier, in unmittelbarer Nähe des Wohnparks Alterlaa, ein Lebensraum für Menschen aus aller Welt entstehen. Die Belastungsprobe hat die 140 Wohnungen umfassende Anlage längst hinter sich. Das Miteinander der rund 20 unterschiedlichen Nationalitäten werde von den Bewohnern durchwegs als soziale Bereicherung empfunden, ergab eine vom deutschen Wohnbund durchgeführte Studie.

Warum funktioniert das Wohnen hier so reibungslos, wohingegen in anderen Wohnanlagen Migranten aus weitaus weniger Nationen für ein oft angespanntes, oft distanziertes Verhältnis in der Bewohnerstruktur sorgen? "Einen besonderen Fokus haben wir auf die Planung der Freiräume gelegt", sagt Herbert Ludl, Chef der Sozialbau-Gruppe, "alle Bewohnerinnen und Bewohner haben genug Raum zur eigenen Entfaltung. Oft kommt diese Qualität zu kurz."

Management im Quartier

Der größte Bonus sei nach Auskunft des Generaldirektors jedoch das Quartiersmanagement. Von Anfang an gab es Mitarbeiter, die eigens damit beauftragt waren, die Gemeinschaftsräume zu verwalten und diverse Veranstaltungen zu koordinieren – so etwa auch die eigens initiierte Kennenlernrunde kurz nach Besiedelung des Wohnbaus im Mai 2000.

Auch beim Eurogate-Projekt auf den ehemaligen Aspang-Gründen ist eine derartige Betreuung fix vorgesehen. "165 Wohnungen in Passivbauweise zu errichten, ist das eine", sagt Architekt Rudolf Szedenik vom Wiener Büro s&s Architekten, "diese Wohnungen dann aber auch tatsächlich so zu bewohnen, dass die technologischen Vorzüge des Gebäudes genutzt werden können, ist ein anderes Kapitel."

Aus diesem Grund planten s&s Architekten, die gemeinsam mit der Sozialbau AG als eines von insgesamt sechs Siegerteams aus einem österreichweiten Bauträgerwettbewerb hervorgegangen waren, in ihrem Bauteil (Nettobaukosten 23,6 Millionen Euro) von Anfang an den Einsatz eines sogenannten Energiemanagers mit ein. Der Berufsposten ist schon jetzt fixer Bestandteil der laufenden Betriebskosten, die ab Fertigstellung im September 2011 zum Tragen kommen werden.

Um den Bewohnern das Energiesparen zu erleichtern, ist außerdem eine regelrechte Waschküchenrevolution im Gange. Szedenik: "Die größten Energiefresser im Haushalt beziehungsweise in den Waschküchen sind die Wäschetrockner. In Zusammenarbeit mit der Fernwärme Wien arbeiten wir gerade an Trockenboxen, die die Wärme über Wärmetauscher direkt aus den Fernwärmenetz beziehen." Die dazu nötige Primärenergie ist nicht nur ökologischer, sondern auch wesentlich billiger. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2009)

  • Wohnbau Eurogate von s&s Architekten: ab September 2011.
    foto: architekten

    Wohnbau Eurogate von s&s Architekten: ab September 2011.

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