Architekturkampf gegen Worthülsen

28. Oktober 2009, 17:45
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Auf dem Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs baut die Buwog in Zusammenarbeit mit laki Architekten ein Wohnhaus mit 217 Einheiten. Wo liegt der Unterschied zwischen Qualität und sozialer Nachhaltigkeit?

Das Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs in Wien-Leopoldstadt ist riesig. Während die Verwertung des 75 Hektar großen Areals zum Teil schon beendet ist (siehe Bauteil Gesiba, Seite W 6), sind andernorts die Planungsarbeiten noch voll im Gange. Ein solches Teilstück, das erst Ende 2011 übergeben wird, ist jenes des Wohnbauträgers Buwog in Zusammenarbeit mit laki Architekten (Günter Lautner und Nicolaj Kirisits).

Das hehre Ziel des Bauträgerwettbewerbs war klar und deutlich formuliert: Schaffung von Wohnraum für junge Leute in Form von kompakten und dementsprechend billigen Mietobjekten. Ob das vom Wohnfonds Wien definierte Motto eingehalten wurde oder nicht, ist schwer zu sagen. Die Meinungen des Bauträgers und der Architekten gehen weit auseinander.

Möbel mieten statt kaufen

"Wir haben größten Wert darauf gelegt, dass wir jungen Leuten eine günstige Startwohnung anbieten können", sagt Gerhard Schuster, Direktor der Bauen und Wohnen Gesellschaft m. b. H. (Buwog). 217 Wohnungen sind geplant, darunter auch viele kleinere Einheiten und sechs Wohngemeinschaften. "Die Wohnungen sind zwar klein, doch dafür bieten wir auch einige attraktive Ausstattungspakete an." Wer auf die Monatsmiete noch ein paar Euro drauflegt, könne etwa eine hochwertige Küchenzeile oder ein Hochbett mitmieten. Schuster: "Bei einer kurzen Mietvertragsdauer ist das eine sinnvolle Alternative zum Möbelkauf."

Etwas differenzierter sieht das der zuständige Architekt Nicolaj Kirisits: "Ich bin sehr stolz auf das Projekt, und es ist uns in Zusammenarbeit mit der Buwog gelungen, schöne und hochwertige Wohnungen zu planen. Mit diversen Marketingbegriffen und draufgestempelten Attributen wie etwa 'Start-up-Wohnung' oder 'Junges und günstiges Wohnen' möchte ich mich aber zurückhalten."

Was heißt "sozial nachhaltig"?

Kirisits spricht aus Erfahrung: Immer wieder würden Bauträgerwettbewerbe mit irgendwelchen übergeordneten Themen ausgeschrieben, die sich in der Realität allerdings oft als leere Worthülsen herausstellten. Ein Beispiel: "Wir haben im Wettbewerb eine soziokulturelle Animation für die Dauer von zwei Jahren geplant", so Kirisits. Das Modell stammt aus der Schweiz und hat sich dort sehr bewährt, weil es Identität schafft.

"Für eine Umsetzung fehlt das Geld. Ist das Haus nun sozial nachhaltig oder nicht? Wie Sie sehen, ist der Begriff eine Krux." Aus diesem Grund, rät der Architekt, sei es wichtig, guten und attraktiven Lebensraum zu schaffen - gleichgültig, wie man ihn benennt. (woj, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2009)

  • Schön, aber auch nachhaltig? Glasloggien, luftige Gemeinschaftsräume
im Untergeschoß und Balkone mit Schwung: Wohnhaus am Nordbahnhof von
laki Architekten.
    rendering: schreiner kastler

    Schön, aber auch nachhaltig? Glasloggien, luftige Gemeinschaftsräume im Untergeschoß und Balkone mit Schwung: Wohnhaus am Nordbahnhof von laki Architekten.

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