Hohe Unfallgefahr für Magna

28. Oktober 2009, 17:35
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Auf dem Weg zur Übernahme von Opel hat sich Magna einen Kollateralschaden eingehandelt.

Auf dem Weg zur Übernahme von Opel hat sich Magna einen Kollateralschaden eingehandelt. Mit dem VW-Konzern, der den Zulieferer Karmann kaufen wird, könnte Magna jetzt den wichtigsten Kunden verlieren.

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Graz - Siegfried Wolf übt sich in Zweckoptimismus: "Ich bin überzeugt, dass der Vertrag in Kürze unterschrieben wird." Nachsatz: "Wenn ich es aber ganz genau wüsste, dann wäre ich Hellseher" , sagte der Magna Europa-Chef am Mittwoch beim 11. Internationalen Automobilforum in Graz.

Siegfried Wolf weiß: Es gibt ohnehin kein zurück mehr. Der Zug ist abgefahren, er muss für Magna und den russischen Partner Sberbank den Opel-Deal durchziehen. "Wir sind schon zu weit gegangen, als das hier noch irgendeine Möglichkeit bestünde, alles rückgängig zu machen" , bemerkt ein Magna-Insider im Standard-Gespräch. Es stehe ein "unglaubliches Abenteuer" bevor: Zum einen wird der Opel-Deal von Tag zu Tag komplizierter - General Motors bremst die Übernahme, in der deutschen Regierung existiert keine einhellige Unterstützung mehr, der russische Markt, auf den Magna alle Hoffnungen für einen Absatz der Opel-Produkte setzt, wird sich erst in einigen Jahren erholen.

Und zum anderen hat man sich bereits den "Kollateralschaden VW" eingehandelt.

Obzwar Opel-Aufsichtsratsvorsitzender Carl-Peter Forster am Mittwoch gemeinsam mit Wolf für den Opel-Kauf warb, kommen aus der Opel-Treuhand zwiespältige Töne. In der Treuhand sitzen zwei Vertreter von GM, einer vom deutschen Bund und einer von den deutschen Bundesländern. Diese Treuhandlösung war eine Bedingung für die milliardenschwere staatliche Soforthilfe. Mit der Konstruktion soll die Zeit bis zum Einstieg des neuen Investors überbrückt werden. Treuhand-Mitglied Dirk Pfeil meinte nun, der Verkauf von Opel an den Zulieferer Magna stehe erneut infrage, die neue Bundesregierung überdenke den Deal wegen der drohenden Auflagen der EU-Kommission. Opel könnte auch bei GM bleiben.

Opel-Treuhand-Sprecher Carl Graf Hohenthal beeilte sich zu betonen, Pfeils Aussagen seien keine offizielle Treuhand-Meinung.

Und dann ist noch die Sache mit VW. Volkswagen hatte Magna schon im Vorfeld gewarnt, mit Opel selbst zum Autobauer zu werden - und somit zum Konkurrenten. VW werde in diesem Fall die Produktionen abziehen. Dies wäre für Magna ein schwerere Schlag, der tief in die Substanz ginge. 2008 machte der VW-Anteil am Magna-Umsatz rund 15 Prozent aus. So ziemlich alle Werke in Österreich sind in irgendeiner Weise in VW-Zulieferungen involviert.

Mit der wahrscheinlichen Übernahme des insolventen Zulieferers Karmann, der bis Ende der Woche rund 700 Mitarbeiter kündigen wird, dürfte VW jetzt tatsächlich seine Drohung ernst machen: Karmann könnte Magna ersetzen. Fiat bekräftigte unterdessen, dass nach der Übernahme von Chrysler jene Modelle, die bei Magna gebaut wurden, in Italien gefertigt werden. Vor dem Hintergrund dieser drohenden schweren Rückschläge - auch die Produktion des BMW X3 läuft aus - hat Magna am Mittwoch angekündigt, die Kurzarbeit für mehr als 3000 Mitarbeiter um ein halbes Jahr zu verlängern. (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.10.2009)

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    Mit der geplanten Übernahme von Opel hat sich Magna eine Reihe nicht ungefährlicher Problemfelder aufgemacht. Der Konflikt mit VW könnte Magna nachhaltig beschädigen.

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