Kreditpolitik heimischer Banken nicht weiter verschärft

28. Oktober 2009, 13:12
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Wien - Auch wenn die anhaltende Finanzkrise die Refinanzierungsbedingungen der Kreditinstitute nach wie vor erschwert, haben die österreichischen Banken im dritten Quartal 2009 im Firmenkundengeschäft ihre Kreditrichtlinien und die Zinsspannen für Kreditnehmer durchschnittlicher Bonität erstmals seit zwei Jahren nicht weiter verschärft bzw. angehoben. Im Bereich der Wohnbaufinanzierungen wurden die Kreditrichtlinien erstmals seit Beginn der Krise sogar leicht gelockert, zeigt eine heute Mittwoch von der Oesterreichischen Nationalbank (OPeNB) veröffentlichte Umfrage über das Kreditgeschäft im Oktober 2009.

Darin geben die Kreditmanager führender Banken ihre Einschätzung der Kreditentwicklung im dritten Quartal 2009 sowie einen Ausblick auf das vierte Quartal 2009 bekannt. Die internationale Finanzkrise beeinträchtigte nach wie vor die Refinanzierung der Banken auf den Geld- und Kapitalmärkten; allerdings in geringerem Ausmaß als in den vorangegangenen Quartalen. Zu dieser leichten Entspannung haben demnach die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen (Rekapitalisierungen sowie Staatsgarantien für Bankschuldverschreibungen) beigetragen.

Im Firmenkundengeschäft haben die österreichischen Banken ihre Kreditrichtlinien im dritten Quartal 2009 unverändert gelassen, nachdem sie zuvor acht Mal in Folge verschärft worden waren. Kreditrichtlinien sind die internen Kriterien - sowohl die schriftlich festgelegten als auch die ungeschriebenen -, die bestimmen, welche Art von Krediten eine Bank als wünschenswert erachtet. Zu dieser Richtungsänderung in der Kreditpolitik trug vor allem eine verbesserte Liquiditätssituation der österreichischen Banken bei. Die Einschätzung der Konjunkturaussichten sowie branchen- oder firmenspezifischer Faktoren wirkte hingegen noch leicht verschärfend - allerdings in geringerem Ausmaß als in den Quartalen zuvor. Für das vierte Quartal 2009 erwarten die befragten Banken eine leichte Straffung der Kreditrichtlinien.

Ein ähnliches Bild bot die Entwicklung der Kreditbedingungen. Die Zinsspannen für Kreditnehmer durchschnittlicher Bonität waren nach acht Verschärfungen in Folge im dritten Quartal 2009 stabil. Die Margen für risikoreichere Kredite wurden zwar weiter angehoben, die Verschärfung war allerdings etwas schwächer als im Vorquartal.

Im Privatkundengeschäft, wo die Effekte der Finanzkrise schon bei den vergangenen Befragungsrunden deutlich schwächer ausgeprägt waren, haben die Banken im dritten Quartal 2009 im Bereich der Wohnbaufinanzierungen erstmals seit Beginn der Krise ihre Kreditrichtlinien sogar leicht gelockert. Die Standards für Konsumkredite blieben konstant. Für das vierte Quartal 2009 erwarten die Banken unveränderte Vergabekriterien für Wohnbau- und Konsumkredite an private Haushalte.

Die Zentralbanken des Euroraums führen gemeinsam mit der EZB seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen und Haushalte zu verbessern. Dabei werden rund 120 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter fünf Institute aus Österreich. (APA)

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