Apples Magic Mouse als Geheimwaffe gegen Windows 7?

28. Oktober 2009, 13:14
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Windows 7 vs. Apples Trackpad und die neue Magic Mouse - wer hat bei Multitouch die Nase vorn?

"Wer hats erfunden?" Diese Frage mag rechtlich bedeutsam sein, für den Konsumenten ist sie jedoch irrelevant. Apple hat das Touchscreen-Handy nicht erfunden, aber 2007 mit dem iPhone das erste Touch-Smartphone auf den Markt gebracht, das vor allem Privatnutzer angesprochen hat. Microsoft hat mit Windows Mobile indes Kämpfe auszufechten, das System für moderne Touchscreen-Geräte zu adaptieren. Am Computer-Markt sieht es ganz anders aus: hier hat Microsoft den Multitouch-Ansatz mit Windows 7 weiter vorangetrieben als Apple.

Multitouch am Vormarsch

Mit dem offiziellen Marktstart von Windows 7 erleben Touch-PCs ein Revival. Tablet PCs gibt es schon länger, aber die Eingabe mittels Stift und die relativ teure Hardware konnten die Notebooks mit Touchscreen bislang eher als mobile Computer für Außendienstmitarbeiter positionieren. Das neue Betriebssystem der Redmonder macht die Eingabe mit einem oder mehreren Fingern am Display nun auch für private User erleb- und nutzbar. Entsprechend leistungsstarke Hardware vorausgesetzt, funktioniert die Eingabemethode ziemlich gut, wie sich der WebStandard überzeugen konnte. Und neben Notebooks ist die Touch-Eingabe damit auch verstärkt für Desktops interessant geworden.

Software muss her

Wichtig ist, dass es entsprechende Anwendungen gibt, mit denen das Tippen und Tapsen direkt am Display auch sinnvoll ist. Microsoft bietet ein Touch Pack für Windows 7, das mehrere Anwendungen und Spiele beinhaltet. Mit Surface Globe steht beispielsweise ein dreidimensionaler Kartendienst zur Verfügung, mit dem sich die virtuelle Erde zu einem Spielball zwischen den Fingern verwandelt. Aber auch das Programm Surface Collage, mit dem man Fotos beliebig am Display anordnen und verkleinern oder vergrößern kann, zeigt was mit Multitouch möglich ist. Nun sind die Softwareentwickler gefragt, weitere nützliche und unterhaltsame Anwendungen zu schreiben. BumpTop bietet beispielsweise einen dreidimensionalen Desktop mit Multitouch-Unterstützung unter Windows 7.

Finger am Trackpad, nicht am Display

Auch Apple hat Multitouch auf seine Rechner nachgezogen. Mit dem Upgrade des weißen MacBooks besitzen mittlerweile alle Laptops des Herstellers Glastrackpads mit Multitouch-Eingabe. Das Trackpad ermöglicht es unter anderem mit einem oder mehreren Fingern zu Scrollen, im Browser oder beispielsweise in iPhoto Seiten vor- und rückwärts und durch Alben zu blättern oder zu zoomen. Kunden hätten das Trackpad so gut angenommen, dass man es schließlich beim letzten Hardware-Upgrade vergangene Woche auch im Consumer-MacBook integriert habe.

Magic Mouse

Gleichzeitig mit der Einführung des neuen MacBooks und der iMacs hat der Konzern aus Cupertino Multitouch nun auch auf seine Desktops gehievt. Statt der Mighty Mouse wird nun die Magic Mouse mitgeliefert, die über eine komplette Touchscreen-Oberfläche verfügt. Klicken, Scrollen, Zoomen und Blättern - das alles wird mit einem oder zwei Fingern am Mausrücken bewerkstelligt. Bei einer Präsentation der neuen Produkte konnte der WebStandard die neue Maus ausprobieren. Die Oberfläche der Maus, die einzeln stattliche 60 Euro kostet, präsentiert sich in polierter Hochglanzoptik. Das sieht zwar hübsch aus, allerdings bleibt man mit den Fingern auf dem Material auch leichter "hängen".

Maus auf neue Gesten trainieren?

Die Bedienung ist gewöhnungsbedürftig. Abseits vom Mausklick werden derzeit drei Gesten unterstützt: 360-Grad-Scrollen, Auf- und Abscrollen und mit zwei Fingern nach links oder rechts Streichen. Im Menü lässt sich bis zu einem gewissen Grad einstellen, welche Gesten aktiviert sind. Mehr ist noch nicht möglich. Ob es in Zukunft die Möglichkeit geben wird selbst Gesten zu programmieren, wollte Alan Eyzaguirre, Director of Software Product Marketing in Europa, gegenüber dem WebStandard nicht verraten. Man habe zu Beginn diese wenigen, einfachen Eingabemöglichkeiten gewählt, damit sich Kunden schnell an die neue Maus gewöhnen. Eyzaguirre fügt aber hinzu, dass Drittanbieter von Software natürlich eigene Gesten umsetzen könnten.

1:0 für Microsoft

Der Stand bei Multitouch am Computer steht derzeit bei 1:0 für Microsoft. Auf der einen Seite stehen Windows 7 und neue Touchscreen-Computer, die die Eingabe mit einem oder mehreren Fingern und sogar mehreren Händen direkt am Display ermöglichen. Auf der anderen Seite steht Apple mit Mac OS X und eigener Hardware, die Multitouch derzeit nur über die Trackpads und die Magic Mouse unterstützen.

Apple Tablet

Verlässt man den Pfad der offiziellen Statements und begibt sich ins Reiche der Gerüchte, dürfte Apple im Jänner den Punktestand zumindest ausgleichen. Das ominöse Apple Tablet (auch Mac Tablet oder iPad genannt) zieht seit Monaten Blogger, Analysten und Unternehmensbeobachter in seinen Bann. Ein paar (angebliche) technische Details sind bereits ins Web getröpfelt: 10,7-Zoll-Display, ein optionales 3G-Modem und offenbar iPhone OS statt Mac OS X. Letztendlich scheint es ein größerer iPod Touch zu werden, der vor allem zum Lesen von E-Books und für mobile Unterhaltung gedacht ist. Aus Apple ist diesbezüglich natürlich nichts herauszukitzeln. Man könne bei Apple natürlich bauen was man will, so Eyzaguirre auf die Frage, ob Microsoft mit der Integration von Multitouch nun die Nase vorne habe. Man habe aber die Optionen abgewogen und sich nun entschieden, Multitouch in der Magic Mouse zu integrieren. Das sei momentan die beste Wahl. Mehr als das und ein verschmitztes Grinsen ist dem Marketing-Manager nicht zu entlocken.

Apple geht auf Nummer sicher

Microsoft und Apple verfolgen unterschiedliche Touch-Ansätze. Im Handy-Bereich kann sich Cupertino auf dem iPhone, das am Smartphone-Markt eine der besten und nutzerfreundlichsten Touch-Eingaben liefert, derzeit noch ausruhen. Im Computerbereich wartet Apple ab und scheint seine Kunden mit Trackpad und Magic Maus vorzubereiten. Das ist kein unkluger Schachzug. Für Microsoft und die Hersteller von Multitouch-Displays kann es ins Auge gehen, wenn Kunden die Hardware zu teuer ist oder sie die Eingabemöglichkeit zwar als nette Spielerei betrachten, aber nicht als alternative zu Maus und Tastatur akzeptieren - vor allem wenn es an passender Software fehlt. Ob sich die Touchscreens diesmal durchsetzen können, wird sich nach dem Weihnachtsgeschäft und Apples Präsentation des Tablets zeigen. Denn, dass es kommt, darüber scheinen Beobachter keine Zweifel zu hegen. (Birgit Riegler/ derStandard.at 28. Oktober 2009)

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    Apples neue Magic Mouse - ein sicherer Weg, um Kunden auf Tablets vorzubereiten?

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    Microsoft hat den Multitouch-Ansatz bei Computern mit Windows 7 weiter vorangetrieben als Apple.

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