Metaller verschärfen Gangart

28. Oktober 2009, 12:28
20 Postings

Die Lohnrunden drohen zur Kraft­probe für die Sozialpartner zu werden, heute gab es Betriebsräte­konferenzen in ganz Österreich

Wien - Die Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 170.000 Beschäftigten der heimischen Metallindustrie drohen zur Kraftprobe für die Sozialpartner zu werden. Die Gewerkschaften haben nach der geplatzten dritten Verhandlungsrunde am vergangenen Freitag ihre Gangart verschärft. Heute Nachmittag fanden in ganz Österreich Betriebsrätekonferenzen statt.

Bereits heute Vormittag hat es erste Demonstrationen vor dem Gebäude der Wirtschaftskammer (WKÖ) in Wien gegeben. In der Region Wien herrsche relativ großer Unmut über die Wünsche der Arbeitgeber, die Arbeitszeiten weiter zu flexibilisieren, so Karl Proyer von der GPA-djp, der gemeinsam mit Metaller-Chef Rainer Wimmer bei den laufenden KV-Verhandlungen die Arbeitnehmer vertritt. Weitere Demos jeweils am Vormittag (7:30 bis 9:30 Uhr) und am Nachmittag (16:00 bis 17:00 Uhr) sind noch für den 29. und 30. Oktober angemeldet.

Vor vierter Runde

Bei den heutigen Betriebsratsvorsitzendenkonferenzen wird die Strategie bis zur 4. Verhandlungsrunde abgesteckt. Die geplanten Betriebsversammlungen in den Unternehmen werden in der Zeit vom 5. bis 12. November während der Arbeitszeit abgehalten. Am Freitag, den 13., soll dann weiter verhandelt werden. Die Zeit drängt, denn der neue Kollektivvertrag (KV) sollte schon per 1. November in Kraft treten. Bis zur Einigung auf einen neuen KV gilt der alte Vertrag weiter, die neue Vereinbarung tritt dann rückwirkend in Kraft.

Streitpunkt bei den KV-Verhandlungen ist die Junktimierung von Arbeitszeitflexibilisierung und Lohn- bzw. Gehaltserhöhung. Die Gewerkschaft lehnt das ab, weil das auf einen dauerhaften Einkommensverlust hinauslaufen würde. Die 3. Verhandlungsrunde wurde nach siebenstündigen Verhandlungen unterbrochen. Arbeitgeber-Verhandler Hermann Haslauer bezeichnete das Gesprächsklima als "so schlecht wie noch nie".

Für Haslauer sind die geplanten Betriebsversammlungen jedenfalls "das falsche Signal". Betriebsversammlungen seien zwar ein legitimes Recht der Arbeitnehmer. In der Krise sollte aber jeder froh sein, wenn er einen Job hat und daher die Arbeit nicht stören.

Gewerkschaft kündigt Überstundenboykott an

Die Gewerkschaften kündigen nun einen Boykott der Überstunden an. Bei den heutigen Betriebsrätekonferenzen haben sich die Teilnehmer geeinigt, in der Zeit vom 2. bis 12. November in allen Betrieben Betriebsversammlungen abzuhalten. Unmittelbar danach werde "als gewerkschaftliche Kampfmaßnahme die Leistung von Überstunden eingestellt", heißt es in der verabschiedeten Resolution. Bei Gleitzeit werde nur mehr die Kernarbeitszeit erbracht.

Die Gewerkschaft werden weiters in allen Betrieben noch genauer auf die strikte Einhaltung der gesetzlichen und kollektivvertraglichen Arbeitszeitbestimmungen achten. Alle Arbeitszeitmodelle, die über bestehende Grenzen hinausreichen, werden beendet, heißt es in der Resolution.

Sollten sich die Sozialpartner in der 4. Verhandlungsrunde nicht einigen können, werden die Versammlungen in den Unternehmen fortgesetzt und entsprechende Beschlüsse für weitere Schritte getroffen.

Die Betriebsräte der Metallindustrie erklärten sich laut Resolution bereit, "an intelligente, kreativen und innovativen Modellen der Arbeitszeitgestaltung mitzuwirken, wenn ein fairer Vorteilsausgleich erfolgt". Flexibilisierung, die ausschließlich der Einkommenskürzung bei den Beschäftigten und der Gewinnsteigerung der Arbeitgeber diene, werde abgelehnt.

Die Beschäftigten hätten durch Kurzarbeit, Jobverlust, Aussetzungsverträge, und Ähnliches bereits unter der Krise stark gelitten. Es sei nicht einzusehen, dass die Arbeitnehmer, ein weiteres Mal zur Kasse gebeten werden. (APA)

 

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Vorsitzende der Metallergewerkschaft Rainer Wimmer und Arbeitgeber-Verhandler Hermann Haslauer.

Share if you care.