Taliban stürmen UN-Gästehaus in Kabul

28. Oktober 2009, 10:44
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Sechs ausländische UN-Mitarbeiter unter den Opfern in Afghanistans Hauptstadt - Pakistan: Dutzende Tote bei Anschlag in Peshawar

Kabul - Vor der Stichwahl um die afghanische Präsidentschaft in der nächsten Woche haben die Taliban ihre Drohung einer weiteren Gewalteskalation wahr gemacht. Mit Maschinengewehren bewaffnete Extremisten stürmten am Mittwochmorgen ein von den UN genutztes Gästehaus und töteten zwölf Menschen, darunter sechs UN-Mitarbeiter, wie die Polizei mitteilte.

Wenig später traf eine Rakete den Präsidentenpalast, eine andere Rakete schlug in einem von vielen Ausländern genutzten Hotel in der afghanischen Hauptstadt ein. Sie explodierte aber nicht. Bei dem Anschlag auf den Präsidentenpalast gab es keine Opfer.

Ein Taliban-Sprecher bekannte sich im Namen der Aufständischen zu den Anschlägen auf das Gästehaus und das Hotel. Er erklärte, man habe alle gewarnt, die an der Durchführung der Stichwahl zwischen Amtsinhaber Hamid Karzai und dem Exaußenminister Abdullah Abdullah am 7. November mitarbeiteten. "Das war unser erster Angriff", sagte er.

Sechs UN-Mitarbeiter tot

UN-Sprecher Adrian Edwards sagte, sechs UN-Mitarbeiter seien getötet und neun weitere verletzt worden. Unter den Toten ist ein Amerikaner. Unter den Verletzten ist nach afghanischen Angaben möglicherweise auch ein Deutscher. In Berlin wurde dies aber zunächst nicht bestätigt.

Mindestens drei Kämpfer mit Sprengstoffwesten, Granaten und Maschinengewehren führten den Angriff aus. Nach Angaben eines Sicherheitsmanns trugen sie Polizeiuniformen. Laut Edwards waren 20 UN-Mitarbeiter in dem Gästehaus registriert. Ob sie sich zum Zeitpunkt des Anschlags alle dort aufhielten, war zunächst nicht bekannt. Über den Verbleib einiger ausländischer UN-Mitarbeiter herrschte noch Unklarheit.

Erinnerungen an Bagdad-Anschlag

"Das war ein sehr schwerwiegender Vorfall. Solch einen Vorfall hatten wir bisher nicht", sagte er. Man werde nun bewerten, "was das für unsere Arbeit in Afghanistan bedeutet". Nach einem Bombenanschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad im August 2003, bei dem 22 Menschen getötet wurden, hatten sich die Vereinten Nationen für mehrere Jahre aus dem Irak zurückgezogen.

Ein Polizeisprecher erklärte, unter den Getöteten seien drei Angreifer. Die Sicherheitskräfte hätten das Gebäude inzwischen unter ihre Kontrolle gebracht. Ein Wachmann berichtete, eine Frau habe aus einem Fenster im ersten Stock auf Englisch um Hilfe gerufen. Verängstigte Gäste seien aus Fenstern gesprungen. Es war ein langer Schusswechsel zu hören. Eine riesige Rauchwolke stieg nach dem Anschlag im Bezirk Schar-e-Nau in den Himmel. Flammen waren auf dem Dach des Gästehauses zu sehen.

Präsident Karzai verurteilte den Anschlag als unmenschlich und ordnete eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen für ausländische Institutionen an. Auch die Europäische Union verurteilt den Terroranschlag. In einer Erklärung der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft hieß es aus Stockholm, die Union sei "schockiert und bestürzt über diesen abscheulichen Terrorakt". Die EU stehe weiter hinter der UN-Mission in Afghanistan.

Auch im Luxushotel Serena brach nach dem Bombeneinschlag Panik aus. Die Lobby füllte sich mit Rauch. Gäste und Angestellte flüchteten in den Keller, wie ein afghanischer Augenzeuge berichtete. Getötet wurde bei dem Angriff niemand, weil die Rakete nicht detonierte.

Anschlag in Pakistan

Bei einem schweren Autobombenanschlag auf einen Markt in der pakistanischen Stadt Peshawar, an der Grenze zu Afghanistan, sind am Mittwoch dutzende Menschen getötet worden. Mindestens 100 Menschen wurden laut örtlichen Angaben verletzt. Nach der Detonation war eine große Rauchwolke über der Stadt zu sehen. Mehr dazu >>>

(APA/AP)

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    Ein afghanischer Polizist trägt einen Verwundeten aus der Gefahrenzone.

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    Das UNO-Gästehaus in Kabul nach dem Anschlag

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