Großes Labor mit Budgetsorgen

27. Oktober 2009, 20:17
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Wissenschafter beklagen, Finanzierung von 7,2 Mio. Euro sei seit 2000 unverändert

Längst sind es nicht mehr nur die Spatzen, die es von den Dächern pfeifen: Am Wiener Institut für Molekulare Biotechnologie (Imba) lesen einige Mitarbeiter die internationalen Jobangebote, die den Spitzenwissenschaftern offeriert werden, immer öfter und genauer. Grund: Mit den derzeitigen Fördergeldern ist das Institut am Zenit angelangt.

Am Vienna Biocenter bilden vier benachbarte Institute ein Aushängeschild der österreichischen Wissenschaft. Neben dem Imba sind das das Institut für Molekulare Pathologie (IMP), die Max F. Perutz Laboratories und das Gregor-Mendel-Institut. Dort arbeiten inzwischen international anerkannte Top-Forscher, dort wird exzellenter Nachwuchs ausgebildet. Und der wiederum kommt - wie die etablierten Wissenschafter selbst - aus der halben Welt.

Rund 300 Graduierte pro Semester bewerben sich, um für ihre Dissertation an einem der vier Institute forschen zu können. Allein im vergangenen Studienjahr kamen die Interessenten aus 32 Ländern - von Mexiko bis Taiwan und von Norwegen bis Indien. Die 30 bis 40 Besten werden aufgenommen, erhalten ein international übliches Doktorandengehalt - und eine Ausbildung. Etliche der noch nicht einmal Promovierten erregen mit noch nicht einmal dreißig Jahren internationales Aufsehen durch ihre Forschung.

Will man die Qualität der Arbeiten am Imba messen, so kann man beispielsweise die Anzahl der Publikationen in den weltweit am besten bewerteten Wissenschaftsmagazinen, etwa Cell, Science und Nature, heranziehen. Von allen Arbeiten, die in den letzten fünf Jahren unter Führung eines österreichischen Autors in diesen Magazinen publiziert wurden, stammt etwa die Hälfte vom Vienna BioCenter, davon wiederum knapp eine Hälfte vom Imba, die andere Hälfte vom IMP. Man kann also sagen, dass das Institut (wie auch das IMP) jeweils etwa ein Viertel der prominentesten österreichischen Publikationen produziert. Aufgrund dieses Renommees drängen auch so viele internationale Wissenschafter nach Wien.

Das Imba wird jährlich mit 7,2 Millionen Euro aus der öffentlichen Hand gefördert, noch einmal so viel treibt das Institut selbst auf. Staatliche Basisfinanzierung jedoch bräuchte das Institut dem Vernehmen nach etwa so viel wie das benachbarte IMP. Das erhält rund dreimal so viel von seinem Eigentümer, Boehringer Ingelheim. Ganz abgesehen davon: Seit 2005 ist die Basisfinanzierung nicht angehoben worden.

Aus dem Wissenschaftsministerium heißt es dagegen, das Imba erhalte eine "garantierte" Basisdotierung, die "konstant" sei. "Die Erfolge der vergangenen Jahre waren auch ausschlaggebend dafür, dass Bund und Gemeinde Wien in den nächsten zehn Jahren mehr als 52 Millionen Euro in das Biocenter investieren, die wiederum maßgeblich dem IMBA zugute kommen."

Gegründet wurde das Imba von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Pharmafirma Boehringer Ingelheim im Jahr 1999. Operativ tätig wurde das Institut aber erst 2002 mit der Rückkehr von Josef Penninger als wissenschaftlichem Leiter, der zuvor in Kanada war. (fei, pi/DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2009)

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