Prophylaktischer Gewinn

27. Oktober 2009, 20:04
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Noch scheint das Trommeln für Massenimmunisierung ein Förderprogramm für die Pharmabranche zu sein

Das Krankenpersonal kann sich beim Internet bedanken, dass sie sich nun Nadeln gegen das H1N1-Virus in den Oberarm jagen lassen soll. Denn, so schreibt die Ständige Impfkommission in Deutschland: Man sei "heute erstmals aufgrund der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung in der Lage, frühzeitig in das pandemische Infektionsgeschehen einzugreifen". Wir wissen also schneller, wer wo erkrankt ist, und können daher impfen.

Doch ist die Neue Grippe die ganze Hektik wert? An der "normalen" Grippe sterben jedes Jahr Menschen, ohne dass sich Ärzte bei jeder Gelegenheit vor die Kamera stellen und betonen, wie wichtig eine Impfung sei. Auch wenn sie keine Ahnung haben können, wie sich die Neue Grippe entwickelt. Denn die letzte Grippepandemie zwischen 1968 und 1970 hat ja die Menschheit offensichtlich auch nicht ausgerottet. Ob die heutigen technischen Mittel am damaligen Pandemieverlauf überhaupt etwas geändert hätten, lässt sich wohl nicht mehr klären.

Keine Frage, rein esoterisch motivierte Impfverweigerung ist fehl am Platz. Wird H1N1 zum Killervirus, ist das große Stechen sicher angebracht. Aber noch scheint das Trommeln für Massenimmunisierung ein Förderprogramm für die Pharmabranche zu sein. Diese glaubt offensichtlich auch nicht, dass ohne Impfung das öffentliche Leben zusammenbricht und hunderttausende Tote drohen. Sonst müsste sie den Impfstoff zum Selbstkostenpreis abgeben und nicht auf Kosten der Allgemeinheit prophylaktisch Gewinn machen. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 28.10.2009)

 

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