Geiziger Sparefroh

27. Oktober 2009, 18:00
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25 Milliarden legten die Österreicher in den letzten zwei Jahren aufs Sparbuch

Der Trend zum Sparbuch ist ja nicht gerade neu, aber was die Nationalbank am Dienstag an statistischem Material vorlegte, war dann doch verblüffend. 25 Milliarden legten die Österreicher in den letzten zwei Jahren aufs Sparbuch, wobei neben frischem Geld auch Umschichtungen aus anderen Anlageformen eine bedeutende Rolle spielten. Österreich ist - nicht nur, was Investments anbelangt - noch konservativer geworden.

Auffällig ist dabei aber auch ein zweiter Aspekt: Kurze Laufzeiten, wenn nicht sogar das Horten täglich fälligen Geldes, sind en vogue. Die Sparer nehmen dafür sogar Negativrenditen in Kauf. Andere gehen dem Marketing-Schmäh der Banken auf den Leim und investieren in allerlei Regenschirm-Produkte. Hier ein Inflationsschutz, dort eine Kapitalgarantie. Und vergessen vor lauter Verunsicherung, dass alle diese Absicherungen den Ertrag drücken.

Während der Sparefroh der Devise "Geiz ist geil" verfällt, boomen die Börsen. Viele haben sich die Finger verbrannt und Aktien zu tiefen Kursen auf den Markt geworfen. Der raketenartige Aufstieg der Wertpapiere im letzten halben Jahr vergrößert den Schmerz jener, die mit Verlusten ausgestiegen ist. Trotz aller Gefahren eines neuerlichen Crashes:Aktien haben langfristig trotz des jüngsten Absturzes mehr gebracht als Anleihen oder Sparbücher, die Beachtung der ebenso simplen wie wichtigen Grundregeln vorausgesetzt: langer Atem, ausreichend Kohle und richtiger Mix. Dann hat der Sparefroh nichts mehr zu lachen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2009)

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