STANDARD-Interview

Honduras' Ex-Präsident Zelaya: "Müssen Putsch überwinden"

27. Oktober 2009 18:38

Honduras entmachteter Staatschef Manuel Zelaya hofft auf weiteren Druck der EU. Leo Gabriel sprach in Tegucigalpa mit dem in der brasilianischen Botschaft festsitzenden Präsidenten.

Standard: Draußen wird behauptet, der Dialog mit der De-facto-Regierung sei an einem toten Punkt angelangt. Glauben Sie, dass es noch Möglichkeiten gibt, in den nächsten Tagen eine Lösung des Konflikts mit den Putschisten herbeizuführen?

Zelaya: Erstens glaube ich, dass die Hoffnung das Letzte ist, was stirbt. Und zweitens erwarten wir in den nächsten Tagen internationale Kommissionen, die unsere Position qualitativ stärken.

Standard: Aber wie soll man sich das vorstellen, nachdem sogar der Friedensvorschlag des costa-ricanischen Präsidenten Óscar Arias den Weg zu einer verfassungsgebenden Versammlung verbaut hat?

Zelaya: Die Macht, eine Veränderung herbeizuführen, liegt allein beim Volk, das unser Souverän ist, und in der Möglichkeit und Fähigkeit dieses Souveräns, diese Veränderungen durchzusetzen.

Standard: Glauben Sie also, dass ein Teil der Bevölkerung den Prozess der Verfassungsänderung vorantreiben könnte, ähnlich wie in einigen europäischen Ländern, wo eine bestimmt Anzahl von Unterschriften zu einer Volksabstimmung führt?

Zelaya: Wir können von den Demokratien in Europa vieles lernen. Aber all das hängt davon ab, ob es uns gelingt, den Putsch zu überwinden. Das ist die große Herausforderung. Wenn wir das schaffen, können wir die Demokratie retten; wenn nicht, dann müssen wir der Demokratie in Lateinamerika einen Trauerflor umhängen.

Standard: Glauben Sie eigentlich, dass die USA und die EU genug getan haben, um den Putsch zu überwinden? Sollten sie Ihrer Meinung nach nicht härter auftreten und zum Beispiel ein Handelsembargo verhängen oder die Auslandskonten der Putschisten sperren?

Zelaya: Wir sind gegen jede Gewaltmaßnahme, aber wir sind für jede Form von ökonomischen Sanktionen. Politisch haben die EU und die USA schon einiges getan. Am wichtigsten ist die Nichtanerkennung der Wahlen Ende November. Das ist eine ernsthafte Warnung für die Putschisten.

Standard: Was hoffen Sie für Honduras zu erreichen, wenn Sie als Präsident wieder eingesetzt würden?

Zelaya: Das ist ganz einfach zu beantworten: die Qualität unserer Demokratie verbessern. Indem wir erstens der Bevölkerung eine größere politische Beteiligung einräumen. Und zweitens eine ökonomische Freiheit durchsetzen, die in Honduras noch immer durch die Monopole und Oligopole auf so wichtigen Gebieten wie bei den Nahrungsmitteln und der Medizin eingeschränkt ist. Das Zauberwort heißt: Öffnung! (DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2009)

Zur Person

José Manuel Zelaya Rosales (57) war Ende 2005 als reicher Geschäftsmann mit Law-and-Order-Parolen zum Präsidenten Honduras gewählt worden, wandelte sich im Lauf seiner Amtszeit aber zum linksstehenden Populisten. Das Militär putschte ihn am 28. Juni von der Macht und trieb ihn ins Ausland. Zelaya ließ an jenem Tag ein Referendum abhalten, bei dem es um eine neue Verfassung ging. Die sollte ihm angeblich eine zweite Amtszeit ermöglichen.

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24 Postings
E. Wart.
29.10.2009 00:19
Missbrauch des Namens Leo Gabriel - Kommt eine Entgegnung ?

Ein seriöser Journalist wie Leo Gabriel würde nie diese - vom standard oder der AssoCiated press produzierte ? - manipulative Überschrift ("Honduras' EX-Präsident Zelaya ...") wählen.
Dazu passend die unterschwellige, wohl bekannte, etwas abgewandelte Passage "...Die sollte ihm angeblich eine zweite Amtszeit ermöglichen".
Fazit: mehr von Gabriel, weniger von der AssoCiated press und wir kommen der Wahrheit näher.

Sternchen100
28.10.2009 12:28

Dieser Egomane soll sich mal schleichen. Der wollte sich nur auf "unbegrenzte Zeit zum Präsident wählen lassen", sprich zum Diktator aufsteigen wie Chavez und die Verfassung damit außer Kraft setzen. Und jetzt schleimt er sich mit Krokodilstränen bei USA und EU ein.

edson arantes do nascimento
28.10.2009 19:44
bist Du eines jener sternchen, die nach haiders

tod in kärnten vom himmel gefallen sind? harter aufschlag?

Horst Holger
29.10.2009 00:03
Pelé, kannst die Kritik an einen linken Präsidenten

der Machtgelüste a la Chavez hat schon wieder nicht ab- ohne die Leute gleich ins rechte Lager stellen zu müssen? Welch Armutszeugnis! Entspricht aber genau der Gesinnung Eurer linken Vorbilder, der Chavez schiebt die Schuld an dem Desaster in Venezuela auch immer gen USA oder Israel ab

edson arantes do nascimento
30.10.2009 14:10
hab nur zwei fragen gestellt!

milo66
28.10.2009 14:10

Wenn sich wer schon "Sternchen" nennt... Der wichtige Punkt ist die Verfassungsänderung, Du Verkleinerungsform!

Karl May
 
28.10.2009 09:13
Was heißt hier "Ex-Präsident"?!

Zelaya ist der rechtmäßig gewählte Präsident und das verändert auch ein Militärputsch nicht!

Hagbard.Celine
28.10.2009 15:02

die geschichte hat einen haken:
laut verfassung ist der präsident kein präsident mehr, wenn er sich länger als 28 tage(oder so) nicht auf hondurianischem boden aufhält.

Nicolas Castillo
28.10.2009 15:22
hat er ja wohl kaum freiwillig gemacht, oder?

karim massoul
28.10.2009 20:08

Nein bestimmt nicht,aber Deine Freunde waren da sehr agil-wenn auch dumm.

Sternchen100
28.10.2009 12:29

Seine Amtszeit ist längst vorüber und eine Wiederwahl gibt es lt. honduranische Verfassung nicht. Daher gebührt ihm bestenfalls einen Tritt in den Hintern für den Versuch, die Verfassung zu umgehen und einen Bürgerkrieg anzuzetteln!

uebel
28.10.2009 14:37

Zelayas Amtszeit endet im Jänner 2010! Aus diesem Grund ist er auch kein Ex-Präsident

Horst Holger
29.10.2009 00:06
Zelaya wird nie wieder Präsidentenluft schnuppern, uebel

finde Dich einfach damit ab. Ein Verfassungsbruch ist ein Verbrechen und Verbrecher sind nun mal vom Präsidentenamt ausgeschlossen, auch wenn (noch) nicht verurteilt. Zelaya kann Micheletti gleich mit ins Exil nehmen, die hondurenos sollen einfach einen neuen Präsid wählen.

Nowotila
28.10.2009 14:12
Die Verfassung umgeht doch ihr.

Die Verfassung sieht keine faschistische Machtergreifung von Militärs vor, wie ihr es euch einbildet.

Kunibert K
28.10.2009 14:31
Streit unter Liberalen

Sowohl Zelaya als auch die Putschisten waren bzw. sind Mitglieder der Liberalen Partei, einer der beiden Traditionsparteien des Landes und einer Schwesterpartei der deutschen FDP (z.B).

Hier von "faschistischem" Putsch zu reden, ist Unsinn. Es ist ein Machtkampf innerhalb der traditionellen politischen Klasse von Honduras. Übrigens ist Zelaya auch Multimillonär - er eignet sich also denkbar schlecht als "linker" Märtyrer.

Der Neue Mensch
28.10.2009 21:23

Er hat aber Chávez' Stiefel geleckt, das allein eignet ihn bestens zum pseudo-linken Märtyrer.

greenberetta
28.10.2009 09:29
Frau Verfasserin/Herr Verfasser

Eine Stellungnahme dazu!

*space
28.10.2009 09:54
Zu viel DDR-Sekt getrunken? Stellungnahme?

greenberetta
28.10.2009 10:26

Sie verwechseln die beiden Begriffe "DDR" und "Demokratie". Halb so wild.

*space
28.10.2009 20:35

Nein Sie verwechseln etwas!

Karl May
 
28.10.2009 09:45
Inwiefern? Ich verstehe nicht ganz, was Sie meinen?

Zelaya ist der rechtmäßig gewählte Präsident von Honduras und wurde von rechten Militärs aus dem Amt geputscht.
Micheletti ist in keinster Weise der "rechtmäßig" gewählte Präsident von Honduras, sondern ein Fall für's Gericht.
Und während Zelaya in den Medien als "Ex-Präsident" bezeichnet wird - unter anderem in diesem Artikel(!) - spricht man bei Micheletti meistens vom "Interims-" oder "Übergangs-Präsidenten"?!
Das nenne ich eine seriöse Berichterstattung.

Horst Holger
29.10.2009 00:13
May, aus welchen dunklen Tifen tauchst Du jetzt schon wieder

nach Jahren der Abwesenheit auf? Oder aus versehen einfach mal wieder den alten Postingnamen benutzt? Wie man erkennt, warst lange weg, und hast viel verpasst. Von was für rechten Militärs sprichst denn eigentlich? Micheletti und Zelaya gehörten der gleichen Partei an, sind beides Oligarchen, drum erübrigt es sich hier von linken oder rechten zu sprechen. Der einzige UNterschied zwischen Zelaya und Micheletti ist: Micheletti wurde (noch) nicht von Chavez gekauft. Micheletti ist nach der Absetzung de facto "Übergangspräsident" , da kannst Dich drehen und wenden wie Du willst. Seriöse Berichtserstattung oder nicht sei dahin gestellt- Deine Einwertung ist jedoch unwichtig, da einseitig und ideologisch beeinflusst. Geh wieder in Urlaub!

Sternchen100
28.10.2009 12:32

Honduras wählt demnächst, eine Wiederwahl Zelayas ist lt. honduranischer Verfassung nicht möglich. Außerdem wurde ich jemanden, der versucht hat, einen Bürgerkrieg anzuzetteln und eben gegen diese Verfassung zu putschen, sowieso nicht wählen.

Nicht mal Bush wagte es, die Verfassung der USA zu ändern um nochmals gewählt zu werden! Aus Machthunger.

Fritz094
 
27.10.2009 22:32
Grundsätzlich

...hat Zelaya ja nicht unrecht, aber etwas mehr Information statt zwar demokratischer, aber dennoch leerer Parolen fliessen lassen.
Allerdings hat er eine recht realistische Sichtweise, das muss man ihm lassen. Man kann nur hoffen dass die Diktatur der Putschisten gebrochen und Zelaya wieder eingesetzt wird. Er wurde gewählt und eine weitere Durchsetzung seines Programms wäre ein Segen für Honduras.

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