AUA-Preis eine "Provokation"

27. Oktober 2009, 17:49
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Kritik am Enteignungspreis der Lufthansa von 50 Cent

Wien - Anlegerschützer Wilhelm Rasinger und Frank Scheunert vom Hedgefonds Exchange sind sich einig: Die 50 Cent, die die Lufthansa dem noch verbleibenden AUA-Streubesitz im Zuge des Squeeze-out (Enteignung der Aktionäre) anbietet, sei "eine Provokation". Exchange hat sich auf den Aufkauf sogenannter Nachbesserungsrechte spezialisiert. Wer also seine AUA-Aktien nicht um 0,50 Euro der Lufthansa geben will, kann sie nach der Eintragung des Squeeze-outs im Firmenbuch an den Fonds für 1,50 Euro verkaufen.

Exchange wiederum klagt beim Firmengericht und hofft eine deutlich höhere Summe zu lukrieren - das kann freilich Jahre dauern.

Scheunert glaubt, dass die AUA-Aktie tatsächlich rund 4,30 Euro wert ist. Aktuell liegt der Kurs bei etwa 2,50 Euro.

Laut Scheunert verwaltet Exchange ein Volumen von 320 Mio. Euro, 280 Mio. Euro davon entfallen auf Nachbesserungsrechte, die vor Gericht erstritten wurden. Eigentümer des Fonds seien zwei Familien, ein Milliardär aus Israel, der in Italien lebt, und eine Familie aus New York. Verwaltet wird der Fonds auf den Cayman Islands, die Analyseabteilung sei in Zug in der Schweiz, Sitz der Holding ist Amsterdam, und Scheunert selbst wohnt in Dubai.

Rasinger erwartet die Hauptversammlung zum Squeeze-out im Dezember. Ein Überprüfungsverfahren habe es bisher nur bei Böhler gegeben, der Ausgang ist noch offen. Exchange wirft er vor, mit der Unerfahrenheit der Anleger zu spekulieren. Die Lufthansa hätte mit einer Zahlung in der Nähe des Abfindungsangebots von 4,49 Euro hingegen mehr Fingerspitzengefühl zeigen sollen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2009)

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