Auch abseits von Wien werden Unis besetzt

27. Oktober 2009, 17:38
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Protest der Studierenden fand am Dienstag auch in Salzburg, Graz, Klagenfurt und Linz statt

Salzburg: "Seien Sie verärgert über den Nationalrat"

Salzburg - Es hat mehr als eine Schrecksekunde gedauert: Am Wochenende hat die Salzburger ÖH beschlossen, ihren Kollegen in Wien mit einer Demo am Mittwoch solidarisch beizustehen. Dabei hätten die Salzburger Studierenden genug Gründe gehabt, von sich aus Proteste zu organisieren. Die Platznot ist eklatant. Im Fachbereich Kommunikationswissenschaften musste eine Einführungsvorlesung in den Veranstaltungssaal "republic" verlegt werden. Für die rund 500 Studienanfänger war in den Räumen der Uni einfach kein Platz.

"Seien Sie verärgert über den Nationalrat" , hatte Anfang Oktober - anlässlich der ersten Vorlesung im "republic" - Fachbereichsleiterin Elisabeth Klaus die Studierenden indirekt zu Aktionen ermutigt. Kenner der studentischen Szene an der Salzach warnen freilich vor einer eher mäßigen Beteiligung. Man werde erst sehen, wie "die Mehrheit" der Studenten zu den Forderungen stehe, unken auch die Salzburger Nachrichten in ihrer Lokalbeilage über "die Zahl der Teilnehmenden". (neu, DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2009)

Graz: "Gute Rednerinnen und Redner gesucht"

Graz - "Ich hätte sicher auch gestreikt" , bekannte Gerald Angermann-Mozetic im Standard-Gespräch, kurz nachdem er im besetzten Hörsaal A der Vorklinik eine Solidaritätsadresse an die rund 500 Studierenden gerichtet hatte. Der Grazer Soziologieprofessor war am Dienstag zeitgerecht zu seiner Vorlesung "Soziologische Theorie" im Hörsaal A erschienen - die wegen der Besetzung aber ausfiel. Stattdessen wünschte der Professor den Studierenden, die zum Teil seit Freitag auf dem Unigelände demonstrieren, "gutes Gelingen" .

Die Forderungen seien "nachvollziehbar", sagte Angerer-Mozetic. Kernpunkt des Unmutes sei die steigende "Tendenz der Ökonomisierung" der Universitäten. Der entscheidende Punkt werde nun sein, was konkret ausverhandelt werde. Hier stehen die Grazer noch am Anfang. Bei der Vollversammlung am Dienstag galt genau diesen Verhandlungen ein dringender Aufruf. "Gute Rednerinnen und Redner" seien gesucht, die in Verhandlungen mit Rektor Alfred Gutschelhofer treten können. (mue, DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2009)

Klagenfurt: "Dann müssen sie sich warm anziehen"

Klagenfurt - Jahrelang war es still an der Universität Klagenfurt. Jetzt hat die österreichweite Uni-Protestbewegung auch auf den Süden übergeschwappt. Eine Bauabsperrung und zahlreiche Sprunghürden verbarrikadierten am Dienstag den Uni-Eingang. Laut ÖH-Vorsitzendem Stefan Sagl (Plus) sei derzeit eine Besetzung der Klagenfurter Alma Mater aber nicht geplant. "Wir setzen auf eine "konstruktive Diskussion und auf die Solidarität aller universitären Gremien" , so Sagl. Sollte in Klagenfurt allerdings die Vorgehensweise des Wissenschaftsministerium goutiert werden, dann müsse sich das Rektorat "warm anziehen".

Im berstend vollen Hörsaal 1 wurde auf einer Protestkundgebung vor rund 400 Studierenden der Schulterschluss mit dem Mittelbau und dem Rektorat vollzogen. Rektor Heinrich C. Mayr meinte jedoch, es sei der "falsche Weg" , Studiengebühren abzuschaffen und "gleichzeitig Exzellenz" zu erwarten: "Wenn man das will, muss man in Bildung und Universitäten investieren". (stein, DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2009)

Linz:"Es geht nicht um Party und Randale"

Linz - Exakt 13.45 Uhr. Auf der Vidi-Wall im Hörsaal I der Linzer Johannes Kepler Universität erscheint an diesem frühen Dienstagnachmittag der Schriftzug "HS besetzt" . Nach gut zwei Stunden mehr oder weniger angeregter, streckenweise doch etwas zäher Diskussion ("Hallo, i bin da Hansi und fordere ein besseres Essen in der Mensa" ) waren sich die Studierenden mehrheitlich einig, den Hörsaal zumindest bis heute, Mittwoch, nicht mehr zu verlassen.

"Wir haben keine andere Möglichkeit. Die Politik hört nicht auf uns - was echt Oasch is‘" , lässt ein Informatikstudent seinem Bildungsärger freien Lauf. Nachsatz: "Es geht aber bei solchen Besetzungen aber nicht um Party und Randale - im Audimax haben sie ja auch ein Kulturprogramm."

Vor der eigentlichen Debatte samt Abstimmung - geladen hatte die Initiative "Besetzungs- und Protesterweiterung" - setzten gut zwanzig Studenten auf die Macht der Worte und trafen sich zum Flashmob: Gemeinsam wurde zwei Minuten vorgelesen. (mro, DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2009)

 

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