Berlusconis Fininvest muss vorerst keine Entschädigung zahlen

27. Oktober 2009, 17:02
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Wegen Einspruch gegen Urteil mit Schadensersatz von 750 Millionen Euro für "gekauften" Richterspruch bei Mondadori-Übernahme

Rom (APA) - Die Ministerpräsident Silvio Berlusconi gehörende Mailänder Fernsehholding Fininvest muss die Rekordentschädigung in Höhe von 750 Mio. Euro an die Gesellschaft des Großunternehmers Carlo De Benedetti vorerst nicht zahlen. Dies beschloss ein Mailänder Berufungsgericht, bei dem Fininvest Einspruch gegen das vor drei Wochen von einem Zivilgericht gesprochene Urteil eingereicht hat. Inhaltlich wird das Berufungsgericht am 1. Dezember über den Einspruch entscheiden.

Das Geld soll De Benedettis CIR für ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 1991 entschädigen, mit dem Berlusconis Fininvest die Kontrolle über das Verlagshaus Mondadori erhielt. Ein Strafgericht hatte Jahre später geurteilt, dass der damalige Richterspruch "gekauft" worden war - Berlusconi wurde wegen Verjährung jedoch nie dafür belangt.

Obwohl das jüngste Zivilurteil keinen Einfluss auf Berlusconis Kontrolle über Mondadori hat, ist es für Fininvest ein schwerer finanzieller Schlag. Das Urteil sei "zutiefst ungerecht", Fininvest habe sich immer "korrekt" verhalten, erklärte die Konzernchefin Marina Berlusconi, Tochter des Premierministers. De Benedetti begrüßte das Urteil dagegen. "Fast 20 Jahre, nachdem unser Konzern durch Betrug um die Kontrolle von Mondadori gebracht wurde, wird uns wenigstens zivilrechtlich Gerechtigkeit zuteil", erklärte er kürzlich.

Mit der Übernahme von Mondadori erhielt Berlusconi die Kontrolle über eine Reihe einflussreicher Zeitungen und Wochenmagazine. Seinem Widersacher gehören die Zeitung "La Repubblica" sowie die Wochenzeitung "L'Espresso". Sie zählen zu den wenigen Berlusconi-kritischen Medien in Italien.

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