Generation Internet

"Was bedeutet es, auf Facebook 200 Freunde zu haben?"

Maria Kapeller, 28. Oktober 2009, 17:11
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    foto: ap/the canadian press/adrian wyld

    Facebook, Studivz & Co. - wie verändern soziale Netzwerke im Internet unsere Identität?

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    foto: privat

    Christina Schachtner: Durch E-Mails entstehe eine Art "Terror des Jetzt".

Ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt soll ergründen, ob und inwiefern sich im Kontext digitaler Medien neue Identitäten herausbilden - die Uni Klagenfurt ist mit im Team

Wie präsentieren sich junge Menschen im Internet? Wofür interessieren sie sich, was bedeutet es für ihren Alltag? Diesen und ähnlichen Fragen geht in den nächsten drei Jahren ein multilaterales Forschungsprojekt mit dem Titel "Subjektkonstruktionen und digitale Kultur" nach, das von der Volkswagen-Stiftung und vom FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) in Wien mit rund 1,2 Millionen Euro gefördert wird.

Neben der TU-Hamburg-Harburg und den Universitäten Bremen und Münster ist auch die Universität Klagenfurt Teil des Forschungsteams. "Wir beschäftigen uns mit einem zentralen Bereich des Internets, nämlich mit der Kommunikation - das entscheidende Medium in diesem virtuellen Raum", erklärt Christina Schachtner, Institutsvorständin der Medien- und Kommunikationswissenschaft der Uni Klagenfurt. Das Neue an dem Projekt sei die intensive Zusammenarbeit, man würde systematisch untersuchen und vergleichen und in ständigem Austausch stehen.

Werte, Weltbilder und Meinungen

Innerhalb der nächsten drei Jahren will man in Klagenfurt "fünf bis sechs" Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Studivz untersuchen. "Wir werden uns nicht nur auf deutschsprachige Netzwerke beschränken, sondern auch englischsprachige untersuchen. Vor allem dort, wo es um Werte, Weltbilder und Meinungen geht", erklärt Schachtner. Eine Plattform hebt sie dabei besonders hervor: "Es gibt da zum Beispiel ein spannendes Projekt einer amerikanischen Universität: Sobald in der Welt etwas passiert - sei es der Einmarsch der Amerikaner im Irak oder der Angriff der Israelis auf Palästina - werden Diskussion gestartet. Und zwar möglichst auch mit Personen aus den betroffenen Ländern. In dem Zusammenhang wird auch über die Vorstellung von Demokratie oder die Position der USA in der Welt diskutiert."

Gilt das Schönheitsideal auch im Netz?

Einerseits werden die Plattformen analysiert, andererseits sollen auch Interviews mit Nutzern geführt werden. Dabei gehe es um Fragen wie: "Warum nutzen sie es? Was bedeutet es, auf Facebook 200 Freunde zu haben? Wie werden Themen verhandelt?" Auch die Profilgestaltung solcher Netzwerke seien "interessant": "Wie präsentieren sich die User? Wird das Schönheitsideal, das außerhalb der virtuellen Welt gilt, reproduziert?", erklärt Schachtner. Es gehe auch darum, wie sich das Nutzen von Social-Media-Plattformen auf das reale Alltagsleben auswirke. "Uns interessiert: Macht es einen Unterschied ob ich mit diesen Medien intensiv aufwachse oder wenig davon berührt bin?"

Das Internet als "reale Welt"

Auf die Frage, warum sich Menschen im Internet oft anders darstellen oder verhalten als im realen Leben, sagt Schachtner: "Die Faszination dieser sozialen Netzwerke besteht darin, dass es Welten sind, in denen sie das Leben, das sie möchten, Leben können. Sie können sich dort ihr Wunsch-Ich entwerfen, sie können experimentieren, vielleicht auch mal die düstere Seite in sich ausdrücken. Aber es ist ihre Welt, sie können ihre Standards, ihre Werte, ihre Themen setzen - das können sie oft außerhalb nicht." Als eine Art Flucht würde sie dieses Verhalten aber nicht bezeichnen, denn: "Es ist eine reale Welt für sie." Realität finde in dem Moment statt, in dem man mit seinen Gedanken, Gefühlen und auch mit seinem Körper involviert sei.

Menschen würden sich im Internet oft anders darstellen, weil es ganz einfach möglich sei: "Unabhängig von den Inhalten enthält jedes Medium - ob es sich um Print, Fernsehen oder Internet handelt - schon durch seine Struktur eine bestimmte Botschaft. Dass heißt, ich kann bestimmtes tun und bestimmtes nicht tun."

Das Netz verändert Beziehungen

Welchen Einfluss das Internet im Allgemeinen noch auf das alltägliche Leben haben kann, erklärt Schachnter so: "Im Internet kann sich die Kommunikation zum Beispiel unheimlich beschleunigen, das verändert auch die Beziehungen." Wenn man eine E-Mail schreibe, könne man schon fünf Minuten später mit einer Antwort rechnen. "Damit verändern sich die Ansprüche an andere. Wenn der andere nicht antwortet macht man sich Gedanken warum und ob die Beziehung gestört ist - und es kommt sofort die nächste E-Mail." Dabei entstehe fast so etwas wie ein "Terror des Jetzt". "Was irgendwie paradox ist, weil die Kommunikation prinzipiell zeitverschoben stattfinden kann, ich muss nicht sofort antworten. Gleichzeitig ist die Erwartung da, weil es ja technisch möglich ist, dass man sofort reagiert."

Real in Paris, online weit weg

Die technischen Möglichkeiten würde auch das Verhalten, die Beziehungen zu anderen und die Wahrnehmung verändern, wie Schachtner anhand eines weiteren Beispiels erläutert: Auch wer in Paris oder Wien sitzt, kann gleichzeitig online und mit Menschen in anderen Städten verbunden sein, mit denen er sich viel intensiver beschäftige als mit seiner Umgebung in der geografischen Lage, in der er sich tatsächlich gerade befinde. (mak, derStandard.at, 28.10.2009)

Kommentar posten
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Hans-Georg Peitl
00
30.1.2010, 09:13
Bin ich der Österreicher mit den meisten Facebook Freunden?

Ich habe im Facebook, wenn ich alle meine Profile zusammenrechne:

Hans-Georg Peitl 3420 Freunde
Pastor Peitl 1015 Freunde
Hans-Georg
Behaghel von Flammerdinghe 995 Freunde

Insgesamt: 5430

Bin ich der Österreicher mit den meisten Facebook Freunden?

Christian90
00
5.11.2009, 14:52
das heisst:

hat man mal in einer bar versagt und nicht nach der nummer gefragt, sich aber den namen gemerkt, hat man gute chancen "verpasstes" via facebook nach zu holen. deswegen haben gerade frauen auch schnell mal 200 "freunde" und mehr ... was solls, seit man sein privates wenigstens rundimentär auf gruppen level schützen kann ist das kein grosses ding. trozdem hat man aber in der regel ein echtes leben. PS ausserdem kann man "freunde" ja auch wieder kicken (oder an burgerking verkaufen). man sollte das alles nicht zu eng sehen ...

ram shackle
04
31.10.2009, 15:17

besser 2, 3 _FREUNDE_ an der hand, als 150 "freunde" bei facebook.

Dyne
22
29.10.2009, 20:20

Damit jeder Geheimdienst weiß,
wo einem gerade Pickeln plagen und
welche Farben meine Lieblingssocken haben.

Ich würde jedenfalls nie reinschreiben,daß ich heimlich Modern Talking höre....

das ist alles sehr kompliziert!
 
00
29.10.2009, 19:59

Den "Terror des Jetzt" durch Emails kenne ich auch.
Wenn mein Chef ein E-Mail schreibt, kann er davon ausgehen, dass ich es "jetzt" gleich bemerke und gelesen habe, wenn ich am Platz bin.

Hach, was waren das für Zeiten, als er noch über ordentliche eing'schriebene Briefe mit mir kommunizieren musste (drei Schreibtische weiter).

;-)

Ko Prolyt
06
29.10.2009, 16:11
wer 200 freunde bei facebook hat

- hat eine gruppengröße mit der es gut möglich ist unter die top 10.000 spieler von mafia wars zu kommen

- kann bei farmville alleine durch die "ernte-hilfe" locker an die 1500 XP abernten

- kann 24 stunden am tag mit irgendwelchen leuten chatten und spart somit die getränke im lokal

studie beendet. könntet ihr jetzt bitte was sinnvolles machen, oder kommt in ein paar jahren der "bachelor of social platforming" als fh studiengang?

gérard
00
29.10.2009, 20:04
mw:

da brauchen sie mindestens 501 freunde ;-)

Der Wählerwille
 
011
29.10.2009, 14:51
ganz einfach "nichts"

weil "freunde" auf facebook eine übersetzung von friends aus dem englischen ist.

und freunde im deutschen eben etwas anderes bedeutet ... im gegensatz zum sehr allgemeinen englischen begriff der eigentlich eher "bekannte" meint ..

hat man im leben wohl nur drei oder vier echte freunde ...

vielleicht ist ja einer davon auch auf facebook .. wer weiss.

GreyPaladin
05
29.10.2009, 14:54

Danke, vielleicht kapierens jetzt ein paar

GAT
 
00
12.11.2009, 11:22
Pssst

Das mit den 200 Freunden war die "Überschrift" des Artikels. Erst darunter befindet sich der Text, über den zu diskutieren es sich (vielleicht) lohnt. Und darin ging's um Werte, Weltbilder, Identitätsstiftung und andere soziale Phänomene, die im Rahmen der Studie im Kontext von "social networks" systematisch untersucht werden sollen. Weil die bloße Nutzung der Plattformen noch niemanden zum Experten macht...

GreyPaladin
00
12.11.2009, 15:30

PST: Danke ich weiß das, erklär das denen da unten.

Achmo Ledbid
01
29.10.2009, 14:16
wer 200 freunde hat..

...der hat auch nur oberflächliche freundschaften.

notanaddict
00
29.10.2009, 16:38

Meine besten Freunde sind auf Facebook meine Freunde, und mehr oder weniger gute Bekannte auch. das heißt nicht, dass ich nur oberflächliche Freundschaften pflege.

OK, ich hab aber auch nur 136 Freunde...

Reisebegleiterin
00
29.10.2009, 19:17
wow, sie müssen ja ur leiwand sein!

und noch viel vergnügen bei der selbstverarsche.

notanaddict
00
29.10.2009, 19:22

Ich würd eher sagen, relativ "normal" in meinem Umfeld. Welches weder Assi noch High-Society ist, sondern realitäts- und bildungsnah.
Aber Sie dürfen natürlich gern über Fremde urteilen, bitte sehr.

Reisebegleiterin
00
29.10.2009, 19:38

tut mir leid für meine radikale einstellung.
leider glaube halt viele leute, dass man erst wer is wenn man viele "freunde" hat. und wenn man dann mit so ner hübschen zahl auch noch protzt, is das wohl häufig auf minderwertigkeitskomplexe zurück zu führen.

kann bei ihnen natürlich auch gaanz anders sein.

notanaddict
00
29.10.2009, 20:03

Das Posting, das ich kommentiert habe, hatte von "200" geschrieben, und die hab ich nicht. Sonst hätt ich das nicht angeführt (musste extra nachsehen, das weiß ich ja nicht auswendig, da nicht wichtig).

Sofern Sie das mit Ihrer radikalen Einstellung als Begründung akzeptieren können.

Reisebegleiterin
00
29.10.2009, 20:55

*g* ja is scho klar.
naja, seit der uni-demo bin ich ein wenig aufgeregt.

Laughing Magician
112
29.10.2009, 12:39
es bedeutet...

... nichts.

vielleicht, daß man zuviel zeit vor dem computer verbringt.

The Resistance
00
29.10.2009, 12:32

Die "Freunde" auf Facebook sind doch zu 95 % Bekanntschaften und keine richtigen Freundschaften. Insofern sehe ich da kein Problem, wenn man über 200 Bekannte hat.

contains sugar
00
29.10.2009, 13:35

ich schon. ich sehe die privatsphäre des einzelnen gefährdet.

GreyPaladin
00
29.10.2009, 13:54

Warum?

contains sugar
00
29.10.2009, 14:05

weil dinge geteilt werden, die man in der reellen welt nicht in dieser geschwindigkeit teilen könnte.

Der Herr Franz
 
01
29.10.2009, 14:42
Na und? Ich teile ja dort nur das

was ich auch teilen will, somit ist meine Privatsphäre nicht gefährdet.
Abgesehen davon ist die Geschwindigeit des Teilens irrelevant.
Und des Weiteren: ein Großteil der 'Freunde' die man auf Facebook sind einfach Spielpartner.

contains sugar
00
29.10.2009, 14:47

ich will auch nur darauf hinweisen, dass man vorsichtig sein sollte. man weiß nie, wer wirklich zu daten im internet zugriff hat.

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