"The Times": "Beabsichtigt die Justiz offen zu verspotten"

27. Oktober 2009, 14:52
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"Corriere della Sera": Er will den Völkermord-Prozess in eine Farce verwandeln, in etwas Irreales und Gekünstelte

London/Mailand - Über den Völkermord-Prozess gegen den ehemaligen Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, am UNO-Tribunal in Den Haag und seinen Boykott des Verfahrens schreiben europäische Zeitungen am Dienstag:

"The Times" (London):

"Das gestrige Gerichtsverfahren als Farce zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung von Dr. Karadzics Hinterlist und Schandtat. Er beabsichtigt nicht nur die Justiz zum Scheitern zu bringen, sondern sie offen zu verspotten. Die Verbrechen, derer er angeklagt ist, und die große Zahl tausender Opfer verlangen eine angemessene Abrechnung. Wenn der Prozess fortgesetzt wird, muss das Tribunal schnell entscheiden, wie es weitergeht. Das letzte, was es tun sollte, wäre sich Dr. Karadzics Quertreiberei zu fügen und ihm noch mehr Vorbereitungszeit zu gewähren. Er hatte bereits ein Jahr gehabt. Tatsächlich waren es 13 Jahre davor, während er einem gutgläubigen Klientel bioenergetische Heilungsmedizin verabreichte. Er muss zur Verantwortung gezogen werden."

"Corriere della Sera" (Mailand):

"Hinter der Scheibe stehen Reihen blauer, leerer Stühle, aufgeräumte Tische und ausgeschaltete Computer: Diese betonte und kunstvoll inszenierte Abwesenheit heißt Radovan Karadzic. (...) Karadzic, der ehemalige Führer der bosnischen Serben, der von seinem ehemaligen Freund, dem Schriftsteller Marko Vesovic als ein pathologischer Lügner beschrieben wird, (...) hat eine klare Strategie: Er will den Völkermord-Prozess in eine Farce verwandeln, in etwas Irreales und Gekünsteltes. Als wären die Scharfschützen von Sarajevo und ihre 14.000 Toten gekünstelt gewesen." (APA)

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