Rechnungslegungspflicht erst ab 700.000 Euro Umsatz

27. Oktober 2009, 14:08
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Pflicht zu doppelten Buchführung auch erst ab 700.000 Euro - Neuregelung für Steuerexperten umstritten

Wien - Zahlreiche Unternehmen in Österreich werden ab 2010 erst ab einem Umsatz von 700.000 Euro rechnungslegungspflichtig sein und somit auch keine doppelte Buchführung mehr machen müssen, geht aus dem vom Justizministerium versandten Gesetzesentwurf hervor. Die geplante Neuregelung sei umstritten, damit werde sich der Trend "Raus aus der GmbH" weiter verstärken, so die Steuerexperten und Wirtschaftsprüfer der Kanzlei TPA Horwath am Dienstag in einer Pressemitteilung.

Derzeit liegt die Bilanzierungsgrenze und somit die Pflicht zur Rechnungslegung und doppelten Buchführung bei Umsatzerlösen von 400.000 Euro. Eine Anhebung auf 700.000 Euro schränke die Informationsfunktion des Rechnungswesens für den Unternehmer stark ein, da eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (E-A-R) nur bedingt aussagekräftig sei, was die wirtschaftliche Situation des Unternehmens betreffe, so die Steuerexperten. Es sei nicht auszuschließen, dass auch Banken aufgrund der Basel II-Regelungen massive Einwendungen vorbringen werden.

Die Änderung der Bilanzierungsgrenze hat laut den Steuerexperten insbesondere auf folgende Unternehmer (Einzelunternehmer und Personengesellschaften) Auswirkungen: Steuerpflichtige, die die sogenannte Aufschuboption genützt haben und den Gewinn weiter nach § 4 Abs 1 (Bilanzierer) oder Abs 3 (Einnahmen-Ausgaben-Rechner) EStG 1988 ermitteln; sowie Steuerpflichtige, die bereits nach dem UGB rechnungslegungspflichtig sind und den Gewinn nach § 5 Abs 1 EStG 1988 (Bilanzierer) ermitteln. Sie unterliegen ab 2010 nicht mehr der Rechnungslegungspflicht nach dem UGB, wenn sie die angehobene Bilanzierungsgrenze von 700.000 Euro unterschreiten. Bei Durchführung einer E-A-R entfallen daher ab 2010 die mit der Inventur und der doppelten Buchhaltung verbundenen Mehrkosten.

Derzeit liegt die Bilanzierungsgrenze bei 400.000 Euro. Wird der Wert in zwei aufeinander folgenden Jahren überschritten, tritt die Rechnungslegungspflicht nach dem UGB im auf den Beobachtungszeitraum zweitfolgenden Jahr, also im 4. Jahr, ein. Wird die Bilanzierungsgrenze in einem Jahr um mindestens die Hälfte überschritten - also bei Umsatzerlösen über 600.000 Euro - tritt die Rechnungslegungspflicht nach UGB bereits im darauffolgenden Jahr ein.

Gemäß Rechnungslegungsrechts-Änderungsgesetz - RÄG 2010 (Ministerialentwurf) wird die Bilanzierungsgrenze von 400.000 auf 700.000 bzw. bei qualifiziertem Überschreiten von 600.000 auf 1 Mio. Euro angehoben. Die geänderten Werte sind bereits für Beobachtungszeiträume vor dem 1.1.2010 anzuwenden. (APA)

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