SOS-Menschenrechte mit neuer Spitze

27. Oktober 2009, 13:41
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Neuer Vorsitzender Gunther Trübswasser will sich verstärkt an Schulen wenden: "Rassisten werden nicht geboren, sie werden erzogen"

Linz - Vor der "Privatisierung der Menschenrechte" warnte der scheidende Vorsitzende von SOS-Menschenrechte, der Filmemacher Andreas Gruber, anlässlich der Amtsübergabe an seinen Nachfolger Gunther Trübswasser. Der ehemalige Grün-Politiker will unter anderem die Arbeit des Vereins in Schulen weiter intensivieren, wie er am Dienstag in seiner Antrittspressekonferenz in Linz erklärte. Denn: "Rassisten werden nicht geboren, sie werden erzogen."

"Wir haben keine Leben gerettet, aber einzelnen Menschen über eine gewisse Wegstrecke wieder Boden unter den Füßen gegeben", so die Bilanz Grubers nach 15 Jahren an der Spitze des Vereins. Die Zivilgesellschaft habe in Fragen der Menschenrechte einen Auftrag zu erfüllen, betonte er. Allerdings komme es allmählich zu einer Privatisierung der Materie. Politische Akteure seien nicht daran interessiert, dass es Lösungen gebe, sondern daran, dass es Probleme gebe, mit denen man polarisieren könne, kritisierte Gruber. "Das ist eigentlich der größte Asylmissbrauch."

Ehemaliger Grün-Politiker

Die Übergabe an seinen bisherigen Stellvertreter Trübswasser sei lange geplant und amikal gewesen, betonte der Regisseur, der weiterhin im Vorstand bleibt. Nach 15 Jahren tue einem Verein ein neues Gesicht an der Spitze aber sicher gut. Trübswasser saß zuletzt für die Grünen im oberösterreichischen Landtag, zwischen 2003 und 2007 als Klubobmann. Als Menschenrechtssprecher seiner Partei trat er stets vehement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf. Der 65-Jährige stammt selbst aus einer tschechisch-deutschen Flüchtlingsfamilie.

Ein Ziel in der näheren Zukunft ist für Trübswasser die Revitalisierung des Flüchtling-Wohnheims Rudolfstraße. Gespräche über die Finanzierung würden derzeit laufen. Darüber hinaus soll ein "Haus der Menschenrechte" als Anlaufstelle für Interessierte und Betroffene geschaffen werden. Dort sollen auch Workshops und Veranstaltungen - speziell auch für Schulen - angeboten werden. Auch ein Monitoring für rassistische Übergriffe ist angedacht.

"Nicht nur Löwen und Hyänen"

Man dürfe Österreich nicht allein danach beurteilen, "was Parteien zu Wahlzeiten plakatieren", so Trübswasser. Es gebe "nicht nur Löwen und Hyänen", SOS-Menschenrechte habe 1.500 Mitglieder - "auch das ist Österreich". Positiv sieht er Bestrebungen, das Thema Integration politisch anzupacken: Er wolle sich dafür einsetzen, dass das oberösterreichische Integrationsleitbild, das bisher nur im Regal stehe, auch in die Praxis umgesetzt werde. Dem künftigen Linzer Integrationsstadtrat Klaus Luger (SPÖ) streute er Rosen: "Ich habe den Eindruck, dass er seinen Auftrag sehr ernst nimmt." (APA)

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