Mediziner zuerst

27. Oktober 2009, 12:47
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"Ich muss mich gegen die Grippe impfen lassen, damit ich sie nicht übertrage."

Wien - "Sehr angenehm, kein Brennen, kein Schmerz" - Die Impfungen des Gesundheitspersonals gegen Schweinegrippe sind am Dienstag in ganz Österreich angelaufen und von den ersten "Mutigen" durchwegs positiv beurteilt worden. Der Wiener Infektiologe Christoph Wenisch vom Kaiser-Franz-Josef-Spital (KFJ) ließ sich als Erster pieksen und fühlte sich danach "so wie vorher". Impfling Margit Endler, ärztliche Direktorin im KFJ, ergänzte: "Ich habe mich am Donnerstag gegen die saisonale Influenza impfen lassen und es war nicht anders."

"Es ist sogar angenehmer, weil man abgelenkt ist", meinte Wenisch im Hinblick auf den regen Andrang von Journalisten, Fotografen und TV-Kameras. Der Infektiologe sich unmittelbar nacheinander die H1N1-Vakzine "Celvapan" in den linken und dem Impfstoff gegen die saisonale Grippe in den rechten Oberarm injizieren. Susanne Drapalik, Leiterin der Stabsstelle für Sofortmaßnahmen im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), ließ sich ebenfalls immunisieren: "Der Impfstoff ist gut verträglich - sehr angenehm, kein Brennen, kein Schmerz."

Verantwortung als Mediziner

Der Schutz, der sich etwa ein bis drei Wochen nach der Injizierung von "Celvapan" aufbaue, sei im Sinne der sozialen Verantwortung besonders für Mediziner wichtig, betonte Wenisch. "Ich wurde noch nie krank. Aber ich muss mich gegen die Grippe impfen lassen, damit ich sie nicht übertrage. Das Schlimmste, was einem als Arzt passieren kann, ist es, einen Patienten noch kränker zu machen." Bezüglich der Nebenwirkungen des "gut getesten" Baxter-Impfstoffes habe er keine Bedenken: "Man muss immer die potenziellen Nebenwirkungen dem Nutzen gegenüberstellen."

"Wir sind in einem guten Zeitplan", betonte der Infektiologe. Eine Pandemie-Welle werde im Jänner erwartet, es bleibe genug Zeit für Prävention. Dass ein Teil der Bevölkerung eine Impfung derzeit noch scheuen, könne er gut verstehen. "Es ist eine neue Behandlung, das ist zutiefst menschlich", meinte Wenisch. Viele würden einmal abwarten, wie es den Ärzten gehe.

Prognosen darüber, wie viele der 2.000 Bediensteten im KFJ sich impfen lassen werden, wollte Wenisch nicht abgeben: "Das werden wir sehen. Das kann sich noch verändern: es können nur zwei Prozent sein oder auch 92 Prozent", meinte er. Abwarten müsse man, wie sich die schwerwiegende H1N1-Infektion der elfährigen Südtirolern, die derzeit in Innsbruck behandelt werden, auf die Impfbereitschaft auswirke.

Zwei Teilimpfungen im Abstand von drei Wochen

Im KFJ immunisiert die zuständige Arbeitsmedizinerin das Personal in Zehnergruppen nach telefonischer Vereinbarung. Es sind zwei Teilimpfungen im Abstand von drei Wochen notwendig. Ein Termin ist notwendig, da die Vakzine keine Konservierungsstoffe enthält und eine geöffnete Flasche nur drei Stunden haltbar ist. Ein solcher Behälter reicht für zehn Injektionen. Bestellt wurden fürs Erste Dosen für die Hälfte der Belegschaft (1.000 Einheiten), die gekühlt in der Apotheke gelagert werden. Im Vorzimmer der Betriebsärztin informiert eine prall gefüllte, A4-Ringmappe über die neue H1N1-Influenza. Auch die Merkzettel und Flugblätter des Gesundheitsministeriums liegen auf. (APA)

 

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