Fundgrube Singlebörse

27. Oktober 2009, 17:00
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Wer im Internet nach einem Partner suchen will, braucht das Geschick des richtigen Mausklicks und darf das Ganze nicht zu ernst nehmen

Bei meiner Freundin hat es funktioniert, bei meiner Tante und - ich hätte es nicht für möglich gehalten - bei mir selbst auch. Das Internet taugt zur Partnersuche - und das nicht nur für einsame, ältere Menschen, die es schwierig haben gesellschaftlichen Anschluss zu finden. Trotz aller möglichen Erfolgschancen muss man sich dennoch durch den Mail-Dschungel der enthemmten Männerwelt schlagen und die richtigen Entscheidungen treffen. Denn schon ein Mausklick kann über das zukünftige Liebesglück entscheiden.

Wer sich im Internet auch am Beziehungsmarkt anbieten will, der benutzt dafür entweder diverse Social-Networking Seiten oder probiert es gleich mit einer Partnerbörse. Einmal angemeldet, lässt sich hier - mehr unfreiwillig als freiwillig - vieles über Anmachsprüche, Sorgen und die Verfassung der heutigen Männerwelt erfahren.

Im Selbstversuch habe ich mich also in die Höhle des virtuellen Beziehungsmarktes begeben, um zu erfahren, was da draußen im Netz so herumschwirrt. Der Zugang zu kostenlosen Singlebörsen ist einfach, dafür können die potentiellen Flirtkandidaten leichter lügen und betrügen. Ein Profil ward schnell erstellt und ebenso schnell die ersten Interessensbekundungen an mich. Das eigenerstellte Profil war nüchtern gehalten. Nicht zu viel über mich selbst preisgegeben, aber ein paar Besonderheiten, um doch Interesse zu wecken. Auf die Frage, was für einen Partner ich mir vorstelle, antworte ich mit ein paar ernstgemeinten Attributen: Intelligenz und insbesondere emotionale Intelligenz erwarte ich mir, die deutsche Rechtschreibung sollte der Auserwählte halbwegs drauf haben und höchstens 30 Jahre alt sein. Bei der wichtigsten Frage - was ich hier denn überhaupt suche - kreuze ich alles an, von Freundschaft bis Sexbeziehung. Man weiß ja nie.

Ein Fehler, wie sich später herausstellt, als ein Mail von einem 45-Jährigem mit folgendem Inhalt eintrudelt: "Ich stell mir circa zweiwöchentliche Treffen (ohne Zeitbegrenzung, also keine!!!! Stundendates, da könnt ich ja ein Escort buchen!) vor, man unternimmt was schönes und lässt den Abend/Nacht erotisch ausklingen, frühstückt und geht wieder seiner Wege. Auch Wochenendreisen, Urlaube sollen möglich sein. Dafür übernehme ich z. B. deine Miete und/oder Autokosten, gehe mit dir shoppen, Taschengeld etc." Ernst gemeint, oder nicht? Die Wohnungs-Miete bezahlt zu bekommen ist ja doch ein verlockendes Angebot.

Wenn man allerdings diverse Beschwerden auf den Webseiten liest, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Eine Frau warnt zum Beispiel: "Auf meine Reisepartnersuche hat sich Gery aus Graz gemeldet. Nach zwei sehr netten Treffen gab er mir die fixe Zusage mit mir gemeinsam Ende Oktober nach Puerto Rico zu fliegen. Ich habe daraufhin allen anderen Kandidaten abgesagt. Nachdem er mich dann aber zwei Wochen lang hingehalten hat kam zehn Tage vor Reisestart die lapidare Absage, er hätte es sich anders überlegt. Ich müsse halt alleine fliegen!!" Dumm gelaufen.

Darf es auch älter sein? - Nein, danke

Mein Profil wird offensichtlich manchmal auch gar nicht gelesen, wie man daran erkennen kann, dass mir immer wieder (verheiratete) 40- bis 50-jährige Männer schreiben, die an den Wirt Löschenkohl in "Der Knochenmann" erinnern oder Quentin Tarantino zum Verwechseln ähnlich sehen. Das Profilfoto ist und bleibt - auch wenn es unter Umständen die Wahrheit verfälscht - offensichtlich das wichtigste Argument, wenn es um den Marktwert im Internet geht. Das merke ich daran, dass, sobald ich das Profilfoto von der eigenen Anzeige wieder herunternehme, der Mail-Verkehr völlig versiegt.

Nach vier Wochen des Mail-Durchforstens gebe ich dann auf und melde mich wieder ab. Mittlerweile habe ich herausgefunden, wie die Männer es anlegen, um mich vielleicht kennenlernen zu dürfen.

Da gibt es zum einen: Typ 1 - der Selbstdarsteller. Er versucht mit seinen Fotos zu beeindrucken und gibt sich ansonsten relativ wortkarg - ein plattes Kompliment ist meistens dabei. Selbstporträts im Badezimmerspiegel, bei denen man Dinge sieht, die man eigentlich nicht sehen will, sind für ihn ein Muss. "Vielleicht kann ich dich ja ein bisschen inspirieren!" Am liebsten beschreibt er sich selbst: "Meine Statur würde ich als "normal" bezeichnen, mein Arbeitsgerät ist ansehnlich, vielseitig und auch als staatlich (sic!) zu bezeichnen."

Typ 2 - der Kreative versucht sein Glück auf ganz andere Art und Weise. Er greift einige Details aus meinem Profil auf und gibt sich interessiert. Mitunter kann es auch vorkommen, dass er ein seitenlanges Mail schreibt, in dem er immer wieder klarmachen will, warum man zurückschreiben soll - etwa aufgrund des "Schicksals". Wenn sich hier auch der eine oder andere interessante oder engagierte Herr darunter befinden mag, ist trotzdem Vorsicht geboten: Lästige Nachfrage-Mails, warum man sich denn nicht gemeldet hat, können folgen: "War mein Mail, das ich dir letztens geschickt habe, so schlimm bzw. so langweilig?"

Typ 3 - der Pragmatiker scheut den Aufwand und probiert es immer wieder auf die gleiche Weise. Vorgefertigte Mails ("Dein Profil gefällt mir sehr gut. Ich glaube wir würden uns super verstehen") werden an jede Neuangemeldete verschickt, in der Hoffnung, dass etwas dabei rauskommt. Wenn nicht, dann versucht man es in der nächsten Woche mit dem wortidenten Mail nocheinmal: "Schon Pläne fürs Wochenende? Schau bei mir auch vorbei!" Handynummer schickt er bereitwillig schon beim ersten Mail mit.

Schwierig zu durchschauen ist Typ 4 - der Polemiker, wenn er zum Beispiel schreibt: "Nur so: Ich denke du wirst da deine Schwierigkeiten haben jemanden mit emotionaler Intelligenz zu finden - Das ist hier Mangelware." Oder er verweist darauf, dass sich hier auf "dieser intelektuellen Plattform nur die Creme de la Creme" aufhält. Ist das nun ein Versuch mit mir in Kontakt zu treten oder eher der nüchterne Hinweis mich wieder abzumelden?

Wie auch immer, die Chance im Netz jemand interessanten zu finden, ist da; auch wenn man bei kostenlosen Singlebörsen die Nadel im Heuhaufen suchen muss. Und wenn es nicht klappt, dann hat man zumindest jede Menge Spaß beim Lesen der Mail-Anfragen gehabt. (edt/derStandard.at, 27.10.2009)

  • 70 Prozent aller Singles gaben bei einer Umfrage von marketagent.com im Jahr 2006 an, dass sie Partnerbörsen im Internet besuchen.
    foto: screenshot/derstandard.at/edt

    70 Prozent aller Singles gaben bei einer Umfrage von marketagent.com im Jahr 2006 an, dass sie Partnerbörsen im Internet besuchen.

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    20 Prozent geben an, Erfolg gehabt zu haben.

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