Schiffbruch im Gerichtssaal

27. Oktober 2009, 19:37
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Urteil verbietet ein Rennen im Persischen Golf - America's Cup sucht weiter Revier

New York - Die Protagonisten des America's Cup steuern weiter unter Vollzeug der totalen Havarie der weltweit traditionsreichsten Sportveranstaltung entgegen - selbstredend vor Gericht und nicht auf dem Wasser. Den jüngsten Spruch des Obersten Gerichtshofes in New York verbuchte Herausforderer BMW Oracle Racing aus den USA als Erfolg. Das Gericht untersagte dem Schweizer Konsortium Alinghi von Ernesto Bertarelli, die Titelverteidigung gegen BMW Oracle Racing im Februar 2010 vor der Küste des arabischen Emirats Ras al-Chaima auszutragen.

Begründet wurde der Spruch von Richterin Shirley Kornreich mit einem Passus in der 1887 erstellten Stiftungsurkunde des Wettbewerbs, der 1851 erstmals ausgetragen worden war. Darin ist die prinzipiell dem Titelverteidiger vorbehaltene Wahl des Segelreviers aus Sicherheitsgründen eingeschränkt. Sollten die Regatten im europäischen Winterhalbjahr (zwischen 1. November und 1. Mai) ausgetragen werden, so muss auf der Südhalbkugel gesegelt werden. Nur mit Zustimmung von BMW Oracle Racing dürften sich die Schweizer einen Hafen in der nördlichen Hemisphäre aussuchen. Zu Valencia, wo im Sommer 2007 die 32. und kommerziell bisher erfolgreichste Auflage der Rennen um die älteste Sporttrophäe ausgetragen wurde, hatten die Amerikaner ihre Zustimmung signalisiert. Deren Bedenken, im Persischen Golf nahe iranischer Hoheitsgewässer könne es zu einem Mitmischen der iranischen Marine kommen, wurden von der Richterin übrigens nicht sonderlich gewürdigt.

„Kolossaler Schaden"

Bleibt es bei dem vom Gericht festgelegten Austragungsdatum im Februar, muss Alinghi nun binnen kürzester Zeit die Kompromisslösung Valencia oder ein südlich gelegenes Revier vorschlagen. Ob Alinghi gegen das Urteil Berufung einlegt, ist noch offen. Barry Ostrager, der Anwalt des Alinghi-Clubs Sauciété Nautique de Genève (SNG), warf Richterin Kornreich quasi die Absage des America's Cup vor. „Die Entscheidung, die sie getroffen haben, ist verhängnisvoll und bringt kolossalen Schaden." Alinghi sah sich nach einem Urteil von Kornreichs Richterkollegen Herman Cahn, der im Mai festgelegt hatte, dass der Schauplatz Valencia oder jeder andere von den Eidgenossen gewählte Ort sein könne, nicht an die Stiftungsurkunde gebunden.
Inzwischen ist die insgesamt achte Klage von BMW Oracle Racing gegen Alinghi schon eingebracht. Der Golden Gate Yacht Club (GGYC) des Segelrennstalls von Software-Milliardär Larry Ellison begehrt, dass Alinghis Genfer Club als Cup-Treuhänder abgesetzt und durch eine neutrale Institution ersetzt wird. Die Idee dazu stammt vom dreimaligen neuseeländischen Cupsieger Russell Coutts, der dem US-Team als Skipper dient. (APA, sid, lü, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 29. Oktober 2009)

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