Pröll muss für Hahn gleich zwei Nachfolger suchen

27. Oktober 2009, 20:07
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Mehrere ÖVP-Frauen ministrabel - Für Position des Wiener VP-Chefs winken Kandidaten reihenweise ab

Der Hahn wird also nicht gerupft, wie sich das die immer noch protestierenden Studierenden an den Wiener Universitätsstandorten wünschen. Er geht nach Brüssel. Jetzt muss sich ÖVP-Chef Josef Pröll gleich zwei Nachfolger suchen - als Wissenschaftsminister und Wiener ÖVP-Chef. Und vieles spricht dafür, dass da wie dort eine Frau zum Zug kommen könnte - quasi eine Henne.

Für das Wissenschaftsministerium werden derzeit ausschließlich Frauen genannt. Beatrix Karl etwa, die Wissenschaftssprecherin der ÖVP, die noch dazu als Jus-Professorin aus der Uni-Szene kommt. Seit kurzem ist sie auch ÖAAB-Generalsekretärin, als solche hat sie einen guten Rückhalt in der Partei. Auch die ehemalige ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek wird für ministrabel gehalten, allerdings scheint sie sich als Volksanwältin recht wohl zu fühlen.

Gute Chancen dürfte auch Henrietta Egerth,die Geschäftsführerin der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Sie gilt als kompetent und ward zuletzt mit Pröll gesehen. Genannt werden auch die steirische Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder und die Nationalratsabgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager.

Im Wiener Rathaus ist die Lücke, die Johannes Hahn hinterlässt, zunächst nicht sehr groß. Man ist es hier gewohnt, zu tun, was man glaubt - auch ohne die physische Präsenz des Chefs. Der hat Dienstagabend in Wien heute verkündet, er denke vorläufig nicht daran, das Amt des Wiener Parteichefs zurück zu legen - man suche primär einen Spitzenkandidaten für die Wien-Wahl, sagte Hahn. Namen wollte er nicht nennen.

Die VP-"Bezirkskaiser" drängen bereits, bei der Nominierung ein Wörtchen mitzureden. Sonst, sagt Döblings Bezirksvorsteher Adolf Tiller, würden die Bezirke "selbst eine Namensliste erstellen" .

Möglich, dass auf dieser Liste auch Alcatel-Chef und Bundesrat-Vizevorsitzender Harald Himmer steht. Sein Name wird in den letzten Tagen auffällig oft lanciert. Himmer kennt die Partei gut, er war schon maßgeblich dabei, als Erhard Busek abgesägt und Wolfgang Petrik installiert wurde. Dass er an den inneren Strukturen der Stadt-Schwarzen etwas ändert, ist eher auszuschließen.

Die frühe Festlegung von Bürgermeister Michael Häupl auf einen Oktober-Wahltermin gibt der ÖVP jedenfalls Zeit, einen Nachfolger für Wien zu suchen. Nominiert Pröll Familienstaatssekretärin Christine Marek, würde das die SPÖ nicht rasend stören. Marek ist in Wien politisch sozialisiert, sie ist als liberale Bürgerliche auch bei den Roten gut angeschrieben. Freilich hat sie bereits intern deutlich gemacht, dass sie nicht will.

Landesgeschäftsführer Norbert Walter schließt nur sich selbst als Hahn-Nachfolger aus, sonst sei alles möglich. Die Gerüchte reichen von Maria Fekter über Ursula Stenzel bis hin zu Wolfgang Schüssel.

Die Innenministerin fährt eine kantige Ausländerpolitik und macht damit den rechten Rand dicht. Schüssel hat im letzten Wien-Wahlkampf wiederum eifrig in seinem Heimatbezirk Hietzing gekämpft. Allerdings: Auch Schüssel will nicht. Womit sich der Nachfolgekreis wieder bei Christine Marek schließt. Wenn Pröll diesen Loyalitätsbeweis von ihr fordere, werde sie ihn wohl liefern, meinen ÖVP-Insider. Denn: "Marek hat erst einmal Nein gesagt. Was zählt das schon in der Politik?" Das Wiener Parteipräsidium berät am Montag über Hahns Nachfolge als Wiener Spitzenkandidat. (stui, völ, DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2009)

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