Unabhängige Gewerkschafter fordern "Her mit der Bildungsmilliarde"

27. Oktober 2009, 11:54
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Alle Lehrer zum Bund - Schulleiter durch Schulpartner auf Zeit bestellen - Verwaltungspersonal an Schulen

Wien - "Her mit der Bildungsmilliarde" fordert die bei den Personalvertretungswahlen Ende November kandidierende Liste Österreichische LehrerInnen Initiative Unabhängige GewerkschafterInnen (ÖLI-UG). Unter anderem tritt die ÖLI-UG für die "Verbundlichung" aller Lehrer, die Bestellung der Direktoren auf Zeit durch die Schulpartner sowie den Einsatz von Verwaltungsbeamten in der Schule ein. Wenig Freude hat man mit der VP-nahen Gewerkschaftsspitze: "Die Beton-Mischmaschine anwerfen kann keine gewerkschaftliche Arbeit sein", so der Vorsitzende der Unabhängigen GewerkschafterInnen, Reinhart Sellner, bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien.

"Ein Abbau der Landesherrlichkeiten wäre sinnvoll", meinte Sellner mit Blick auf die derzeitige Teilung in Bundes- und Landeslehrer. Er könne derzeit nicht einmal eine Sonderschulpädagogin an seine in Nähe des Wiener Gürtels gelegene AHS holen, weil diese ja Landeslehrerin sei. Auch den Einsatz von überzähligem Verwaltungspersonal an Schulen findet er sinnvoll - Lehrer müssten dann z.B. nicht ständig am Kopierer anstehen, sondern könnten sich um ihre eigentlichen pädagogischen Aufgaben kümmern.

Direktoren-Bestellung auf Zeit gefordert

Der ÖLI-UG-Kandidat für die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), Peter Steiner, plädierte für die Bestellung von Direktoren auf Zeit: "Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken." Als Zeithorizont schwebt ihm dabei eine Dauer von fünf bis zehn Jahren vor. Bestellt werden sollen die Direktoren durch die Schulpartner, also Eltern, Lehrer und Schüler. Weitere Forderungen der ÖLI-UG: Eine Senkung der Klassenschülerzahl auf 25 in allen Schulstufen, aus Sozialarbeitern, Psychologen, Lehrern mit Migrationshintergrund und Sonderpädagogen bestehende "Support-Teams" sowie "kinder- und menschenfreundliche Arbeits- und Freizeiträume" für Lehrer und Schüler, um die "derzeit ausufernde Heimarbeit in der Schule möglich" zu machen.

Von den anderen wahlwerbenden Fraktionen unterscheide man sich dadurch, dass man konkrete Forderungen zu Organisationsfragen statt plakative Überschriften auf den Tisch lege, meinte Sellner in Richtung Christgewerkschafter "Von uns werden Sie nicht hören, dass wir gesetzlich dekretiert haben wollen, dass wir die Schüler wieder wie in den 60ern strafen dürfen." Für die ÖLI-UG sowie Schulreformen generell sieht er derzeit ein gutes Zeitfenster: Durch die Ablöse von ÖAAB-Chef Fritz Neugebauer bewege sich etwas - man dürfe jetzt "nicht wie in der Muppet-Show auf der Galerie sitzen".

Die ÖLI-UG erreichte bei den letzten Personalvertretungswahlen über alle Lehrergruppen gerechnet rund 15 Prozent. Bei den AHS-Lehrern ist sie mit rund 26 Prozent zweitstärkste Kraft hinter den Christgewerkschaftern. (APA)

 

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