Entscheidung

Johannes Hahn wird EU-Kommissar

27. Oktober 2009 14:04
  • Artikelbild
    Foto: apa/hochmuth

    Gestern noch gab sich die Regierung unschlüssig, heute ist es klar ...

  • Artikelbild
    vergrößern 500x400

Wissenschaftsminister wechselt nach Brüssel - Regierung geschlossen hinter ÖVP-Vorschlag - Faymann lobt "Person mit breitem Wissen"

Wien - Nach wochenlangem Streit um den neuen EU-Kommissar präsentierten Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und sein Vize Josef Pröll (ÖVP) am Dienstag Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) als ihren Kompromisskandidaten. Doch nun beginnt das Zittern, ob Hahn ein prestigeträchtiges Dossier in Brüssel erhält.

Während Hahn selbst vage auf "ein Zukunftsressort" hofft, ließ Faymann durchblicken, dass "Forschung und Entwicklung etwas" sei, was Hahns Biografie und Tätigkeit entspreche. Auch Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) erwartet, dass der Wissenschaftsminister das Forschungsressort übernimmt, meint aber: "Es könnte auch Bildung sein."

Erhard Busek (ÖVP), Ex-Vizekanzler, wendet dagegen im Standard-Gespräch ein, dass Hahn als Bildungskommissar kein Durchgriffsrecht und ein winziges Budget hätte. "Und dann hätten wir für Faymanns Gesichtswahrung einen hohen Preis bezahlt" , meint Busek in Anspielung darauf, dass Faymann sich gegen den von der ÖVP favorisierten Ex-Vizekanzler Wilhelm Molterer gestemmt hat.

"Sehr enttäuscht" ist auch Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP): Molterer sei zum "politischen Bauernopfer" der Sozialdemokraten geworden.

Faymann begründete nach dem Ministerrat erstmals, warum Molterer für ihn nicht infrage kam: Er habe mit seinem Spruch "Es reicht!" einen Wahlkampf vom Zaun gebrochen - und "das hat einen Vertrauensbruch bewirkt" .

Wer Hahn als Wissenschaftsminister und als Wiener ÖVP-Chef beerben wird, wollte Parteichef Josef Pröll noch nicht verraten. Vieles spricht aber dafür, dass bei beiden Funktionen Frauen zum Zug kommen: Beatrix Karl etwa, ÖVP-Wissenschaftssprecherin, oder Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der Forschungsförderungsgesellschaft. Fürs Wiener Rathaus wird unter anderen Familienstaatssekretärin Christine Marek als Nachfolgerin gehandelt.

In Brünn wurde indes die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit des Lissabon-Vertrages vom tschechischen Verfassungsgerichtshof um eine Woche vertagt. Damit dürften beim kommenden EU-Gipfel Ende dieser Woche auch noch keine Personalentscheidungen in Sachen EU-Ratspräsident oder Außenminister fallen.

**** 


Streit beigelegt, Kommissar nominiert: Kanzler Werner Fayman (SPÖ) und seine Vize Josef Pröll (ÖVP) schicken Johannes Hahn nach Brüssel.

Nach wochenlangem Tauziehen einigten sich die Koalitionäre am Dienstag darauf, Kommissionspräsident José Manuel Barroso den 51-jährigen Wissenschaftsminister und Wiener ÖVP-Chef für den hohen EU-Posten vorzuschlagen.

Welches Portfolio sich Rot und Schwarz für Hahn erhoffen, drückte Faymann so aus: "Forschung und Entwicklung ist etwas, wo Hahn im Lebenslauf, der Biografie und seiner heutigen Tätigkeit vieles ins Treffen führen kann."

Die Chancen, das Ressort zu ergattern, scheinen für Österreichs neuen Kommissar intakt, denn: Der derzeitige Amtsinhaber, der Slowene Janez Potoènik, der von der Regierung in Ljubljana wieder als Kandidat nominiert wurde, hat durchblicken lassen, dass ihn andere EU-Bereiche reizen.

Erhard Busek, ehemaliger Vizekanzler der ÖVP und einst EU-Sonderkoordinator für Südosteuropa, meint jedenfalls, dass es schon die Forschung für Österreich sein müsse, denn mit dem Bildungsdossier hätte Hahn keinerlei Durchgriffsrecht und ein winziges Budget. "Und dann hätten wir für Faymanns Gesichtswahrung einen ziemlich hohen Preis bezahlt" , sagt Busek, der dem Kanzler übelnimmt, dass dieser sich so vehement gegen den von der ÖVP favorisierten Wilhelm Molterer gestemmt hat. Dieser hätte eventuell das hochdotierte Agrarressort übernehmen können.

Doch zurück auf den Wiener Ballhausplatz: Dort begründete Faymann selbst erstmals, warum Molterer für ihn nicht infrage gekommen sei. Der Exvizekanzler habe mit seinem Spruch "Es reicht!" einen Wahlkampf vom Zaun gebrochen. "Das hat einen gewissen Vertrauensbruch bewirkt."

Molterer nahm die Entscheidung für Hahn geknickt zur Kenntnis. In einem der APA übermittelten Schreiben bedankte er sich bei Pröll und der ÖVP "für die Unterstützung. Es wäre eine herausfordernde Aufgabe gewesen." Den Schuldigen für seine nicht erfolgte Beförderung nannte Molterer beim Namen: "Faymann hat meine Nominierung verhindert, aus welchen Gründen auch immer."

Während des Ministerrats erklärte ein Sozialdemokrat, warum der Ex-ÖVP-Chef so enttäuscht ist: Angeblich hatte Pröll seinem Vorgänger Molterer bei der Amtsübergabe versprochen, dass er ihm den EU-Posten verschaffen werde.

Der Vizekanzler zeigte sich beim Pressefoyer jedoch "sehr froh über die Entscheidung, die wir heute herbeiführen konnten" . Pröll lobte Hahn als einen, der "aus dem Herzen der ÖVP" komme. Auf die Frage, ob sich die ÖVP nun auf die Suche nach einem anderen "Versorgungsposten" für Molterer mache, antwortete Pröll kurz und bündig, dass Molterer seine Tätigkeit als Parlamentarier habe.

Dass Barroso auf eine Frau gedrängt und die SPÖ lange auf die derzeitige Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner (ÖVP) als Kandidatin bestanden hat, parierte Pröll so: "Wir haben die Frauenquote, seit wir bei der Europäischen Union sind, erfüllt." Soll heißen: Nach Franz Fischler und Ferrero-Waldner erhält nun eben mit Hahn wieder ein Mann das hohe Brüsseler Amt.

Der Kompromisskandidat selbst gab sich jedenfalls erfreut über seine Nominierung. Das wichtigste Ziel sei nun, erklärte Hahn, ein "Zukunftsressort" für Österreich. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1226
die elster
 
29.10.2009 17:34
innenpolitisch war es sicher ...

... und zum teil vielleicht sogar bewusst ein cleverer schachzug faymanns, aber zugleich hat er seinen ruf als europapolitischer irrläufer einmal mehr überzeugend bestätigt.

und molterer ... naja. man macht sich halt ned ungestraft zum lieblingsfeindbild des koalitions"partners".

Johann Hunger1
29.10.2009 10:42
Bravo Herr Minister (Diener)!

Wenn sie in Österreich schon nichts bewegen konnten, was bewegen Sie in Brüssel ? Hoffentlich ihren H.....!

systema radl
29.10.2009 10:17
also ich finds brillant,

dass die verhinderer-partei par excellance nun selbst mal verhindert wurde (zumindest der unsägliche willi). guter schachzug! kann man nur befürworten!

4freedom
29.10.2009 09:27
Was ist ein "prestigeträchtiges Dossier"?

Gem. Wikipedia: "Ein Dossier [d?.sje] (franz. für Aktendeckel) ist eine Sammlung von Dokumenten zu einem bestimmten Thema."

Abgesehen davon ist kaum anzunehmen, dass ein überhebliches (gleichzeitig politische Funktionen in Wien und Brüssel für sich reklamierend) politisches Leichtgewicht (kaum Ahnung, welche Verantwortung ein Kommissar in Brüssel hat), von der Kommission mit einer wichtigen Funktion betraut wird.

Fayman und Pröll sind sich offenbar nicht bewusst, was sie mit ihrem kleinlichen politischen Stil Österreich angetan haben und antun.

http://www.hannsotte.blogspot.com
 
29.10.2009 01:56
Weil die Wahl von Johannes Hahn zum EU Kommissar kein gutes Licht auf den Zustand der ÖVP und der Regierung wirft und auch Faymann sich dabei keine Lorbeeren verdient hat, wiederhole ich eine an anderer Stelle bereits getroffene Aussage von mir:


Angesichts des offensichtlich wirklich erbärmlichen Zustandes der ÖVP ist es geradezu grotesk, dass die SPÖ davon nicht zu profitieren weiss, sondern noch schlechter dasteht..........


Da drängt sich mir die Frage auf: Wer oder was regiert zur Zeit?:

Geballte Dummheit?

Die ÖVP versucht die Demokratie zu unterminieren und die SPÖ reagiert darauf faymanisch!

Prost, Mahlzeit

rundblicker
29.10.2009 07:46

Wieso schimpfen Sie auf die ÖVP? Auch wenn es für Sie noch so trostlos ausschaut sind die anderen Parteien wesentlich schlechter dran (ausgenommen die FPÖ; sie ist die einzige Partei die jederzeit Stimmen gewinnen kann). Außerdem hat diese Entscheidung Faymann herbeigeführt. Jetzt wissen Sie von wem die "erbärmliche" Regierung geführt wird. Faymann braucht eine derartige Gelegenheit um sich gegenüber der ÖVP durchzusetzen. Ob er weiß, wem er damit schadet?

Caroline P.
 
28.10.2009 20:07
Was wird nun aus Benita, die doch mit 101

Staatschefs in deren Muttersprache konversieren kann? Vielleicht will sie ja noch einmal als BP kandidieren? :-)

Erwin Brandstetter
28.10.2009 19:08
Hahn?

Wie hat sich Herr Hahn nochmal qualifiziert? Durch seine akademisch wertvolle Dissertation oder eher durch seine beeindruckenden Leistungen als Minister?

Jan Nesbeda
29.10.2009 07:08
Hahn ist das Programm!

Er erhält das Ressort, in dem geforscht wird. Forschung ist was Theoretisches, sozusagen ungelegte Eier. Frühstückseier oder Küken werden erst in der Praxis draus.
Wenn er dann auch noch das Krähen unterdrückt und stattdessen gackert, dann gehen wir nachschauen, obs ein Ei geworden ist.
Ich fürchte, da ist dann auch sein Name Programm: Hahneneier.

RudolfRendeer
28.10.2009 18:29
Wenn der Hahn aus Brüssel kräht...

als schwarzer Wiener Oberhahn nichts grissen,
als Wissenschaftsminister einen Misthaufen hinterlassen und jetzt
als EU Kommissar?

Schade, dass sie nicht die bisherige Ferrero-Waldner wieder nominiert haben, eine der letzten verbliebenen echten DiplomatInnen Österreichs.

Der Hahn hat doch kein Format für eine internationale Bühne.

wilko0070
 
28.10.2009 18:25
Endlich haben die Österreicher wieder jemanden

... auf dem sie im Ausland stolz sein können.


Also Ausländer, macht euch schon jetzt bereit: nach dem Terminator kommt jetzt der Plagiator!

rantan plan
28.10.2009 15:17

kräht der hahn in brüssel, ist´s wenigstens ned schüssel!

bob dylan
28.10.2009 14:20
Hier wird jemand nach Brüssel geschickt, für einen Job der noch gar nicht definiert ist???

Wie kann er dann der Richtige sein?

DipLing
28.10.2009 14:44

das er aus der österreichischen Politik wegkommt ist sicher ein richtiger Weg.

Aber Brüsselsche Spitze ist er auch nicht.

Quasslmodo
28.10.2009 13:46
Ausnahmsweise bin ich Optimist

Obwohl Hr. Hahn mit seinen bisherigen Aktivitäten durchaus nicht überzeugt hat, glaube ich doch, dass er (im zu erwartenden Pimperl-Ressort) die relativ beste Auswahl ist (vor allem im direkten Vergleich zur Lachnummer Ferrero oder zu Gartenzwerg Molterer).
Ich kann mir sogar vorstellen, dass er ohne das Partei-Korsett sogar so was wie eigenständige Visionen zustande bringen wird.

esgehtauchanders
28.10.2009 12:28
wo bleiben die menschen, die sich vor 2 jahren zurecht über das österr. kasperltheater aufgeregt haben ?

knapp 2 jahre ist es her, als viele extrem sauer waren und daraus http://demokratischersalon.at/verein/ entstand, heute ist dieser verein nurmehr eine cyberleiche. Aktuell ist die stimmung sehr ähnlich (Gio, SPÖVP, etc.) und ich kann nur hoffen, dass die initiative der studis NACHHALTIGER ist !!! und sich andere gruppierungen anschließen !!!

Rotzpipn freche
28.10.2009 12:17
Gio Hahn

Schwachmatiker und Politversager.
Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass andere Länder auch solche Typen nach Brüssel entsenden......nein, ich will es mir nicht vorstellen.

Jhonny Clear
28.10.2009 12:04
Onkel Hans Dichand

Grosser, grosser Sieg für Onkel Hans !!!!

meinungs_freiheit
28.10.2009 10:49
ernst genommen...

... wird die EU von der österr. politik anscheinend schon lange nicht mehr - sonst würde sie wohl nicht einen politiker entsenden, der in seinem ressort gänzlich versagt hat!!!
oder würde man das als besonders gelungen bezeichnen, wenn tausende studenten die unis besetzen? von diplomatie zeugt dies wohl kaum!
aber herr hahn hat in sachen "selbstdarstellung" mit summa cum laude abgeschlossen und will dafür natürlich belohnt werden. - so den rücken gestärkt wird er wohl voller selbstvertrauen in brüssel walten. schließlich steht man ja hinter ihm... als demokratisch gewähltem volksvertreter. weiter so!!!

DipLing
28.10.2009 12:13

Was wir am nötigsten brauchen, ist ein Mensch, der uns zwingt, das zu tun, das wir können.

Ralph Waldo Emerson, 25.05.1803 - 27.04.1882
Amerikanischer Dichter und Philosoph

zeno7
28.10.2009 09:23

Na wenigstens fletscht der nicht dauernd die Zähne

gustav99
28.10.2009 17:01
Na wenigstens...

und zeigt den Europäern nicht ständig
das "Ringerl".

Gert Weihsmann
 
28.10.2009 08:43
Endlich einer zum Hemdenbügeln!

ganz meine Meinung
28.10.2009 08:32
Untergang & Zerfall der EU

Eigentlich gut, dass wir den Hahn in die EU-Kommission schicken. Je mehr Nieten nach Brüssel geschickt werden, desto früher ist der Spuck mit der EU-Fremdherrschaft vorbei.

Pik Ass O
28.10.2009 15:03
Selbst wenn Sie "Spuk" meinen,

bleibt ihr Posting - gelinde gesagt - ohne Sinn!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1226

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.