Michael Grabner, Traumverwirklicher

27. Oktober 2009, 17:50
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22-jähriger Villacher hat bei Vancouver plötzlich ein Leiberl und in sechs Spielen zwei Tore und drei Assists verbucht. Er verdient jetzt zehnmal so viel wie zuvor

Vancouver -  Binnen eines Monats hat Michael Grabner eine Berg- und Talfahrt hinter sich gebracht. Besser gesagt: eine Tal- und Bergfahrt. Nach einer enttäuschenden Vorbereitung bei den Vancouver Canucks war der 22-jährige Villacher wieder beim Farmteam (Manitoba Moose) in Winnipeg gelandet, ehe er von Verletzungen imCanucks-Kader profitierte und nach Vancouver zurückbeordert wurde. Nun hält er nach sechs Spielen bei fünf Punkten (zwei Tore, drei Assists).

Grabner hatte am 16. Oktober in der NHL (National Hockey League) debütiert. Mit starken Leistungen in der "Speed-Line" mit Ryan Kesler (25) und Mayson Raymond (24) zog er viel Aufmerksamkeit auf sich, endlich erfüllt er die Erwartungen an einen Erstrunden-Draft (Nr. 14 im Jahr 2006). "Es ist noch nicht so eingesunken, dass ich jetzt in der NHL bin" , sagt er. In der Pre-Season hatte er sich "zu viel Druck auferlegt" , so schaute in sieben Testspielen nur ein einziger Assist heraus. Es war sein viertes Vorbereitungscamp mit den Canucks gewesen, etliche Kundige schrieben ihn hernach schon ab. Vorschnell, wie sich herausstellen sollt. "Ich habe gewusst, dass das heuer meine beste Chance war, es zu schaffen. Aber es gab viel Konkurrenz." Er ließ sich nicht hängen, brachte im Farmteam seine Leistung. "Es war klar, ich muss weiter hart arbeiten. Ich bin erst 22, der Traum war immer die NHL, seit ich mit 16 Jahren nach Amerika gegangen bin" , sagt der Kärntner.

Als sich nach Pavol Demitra, der wohl bis Jahresende ausfallen wird, auch Vancouvers Topscorer Daniel Sedin verletzte, bekam er seine zweite Chance. Grabner debütierte mit einem Assist und traf gegen Chicago (3:2) und Edmonton (2:0) - als fünfter NHL-Schütze Österreichs nach Christoph Brandner, Thomas Vanek, Thomas Pöck und Andreas Nödl.

"Ich kann mitspielen"

"Als ich heraufgekommen bin, habe ich gewusst, dass ich fix spiele, daher ist es ein bisschen leichter gegangen", sagt er. "Gleich im ersten Drittel des ersten Spiels hatte ich ein paar Chancen, da habe ich gesehen, dass ich mitspielen kann. Nervös war ich nur am Anfang, aber danach war es ein Spiel wie jedes andere." Trainer Alain Vigneault habe ihm aufgetragen zu tun, was auch beim Farmteam seine Aufgabe gewesen sei. "Viel schießen, vor das Tor gehen, vor dem Tor arbeiten, nicht nur auf schöne Tore warten."

Zunächst übernahm er den Platz von Sedin im ersten Angriff, bald spannte Vigneault ihn mit Kesler und Raymond zusammen, das Trio etablierte sich als zweite Linie Vancouvers. "Auch sie sind schnell, und sie sind gut mit dem Puck, machen gute Pässe, es ist gleich gut gelaufen" , sagt Grabner, der einen rechten Flügel gibt.

Wie es weitergeht, wenn die verletzten Spieler zurückkommen, darüber macht sich der Teamstürmer derzeit keine Gedanken. "Ich versuche, Tore zu schießen, der Mannschaft zu helfen. Ich probiere jedes Spiel, so hart wie möglich zu arbeiten und dem Trainer zu zeigen, dass ich hierbleiben will." Die nächste Gelegenheit dazu hatte er schon in der Nacht auf heute, da die Detroit Red Wings in Vancouver gastierten.

Mit 16 war Grabner von Villach zu den Spokane Chiefs in die kanadische Juniorenliga übersiedelt, dort stach er bald etlichen Scouts ins Auge, Vancouver sicherte sich früh alle Rechte auf ihn. Er ist 1,83 Meter groß, wiegt ungefähr 85 Kilogramm, profitiert davon, dass den hünenhaften Verteidigern durch strengere Regeln in Zweikämpfen gegen schnelle Stürmer quasi die Hände gebunden sind. Bis 2011 steht Grabner bei den Canucks unter einem sogenannten Zweiwegvertrag, im besten Fall verdient er etwa 750.000 US-Dollar pro Saison. Ein NHL-Tag bringt ihm jedenfalls zehnmal so viel wie ein Tag im Farmteam - so lange die Bergfahrt andauert. (fri, APA - DER STANDARD PRINTAUSGABE - 28.10. 2009)

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    Michael Grabners erste Auftritte in der NHL können sich sehen lassen.

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    Beim Draft '06 trug Grabner erstmals das Canucks-Dress.

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