"Kinder glauben eher, was Kinder sagen"

26. Oktober 2009, 19:26
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Ein internationales Symposium zu Teilhabe- und Mitbestimmungsfragen von Kindern und Jugendlichen fand in Bregenz statt

Bregenz - "Auch Kinder in reichen Ländern können arm sein", antwortete Jenifer Bukokhe aus Uganda auf die Frage, welche Erkenntnisse sie aus Gesprächen mit österreichischen Jugendlichen gewonnen habe.

Die Programmverantwortliche des United Nations Capital Development Fund ist eine jener internationalen Kinderrechtsexpertinnen, die vergangenes Wochenende beim Symposium "Kindheit und Gesellschaft" in Bregenz referiert haben. Sie beschränkt den Begriff Armut nicht auf den Mangel an materiellen Gütern.

Kinder in allen Teilen der Welt leiden, so Bukokhe, unter der Ignoranz Erwachsener, die die Bedürfnisse von Kindern nicht ernst nehmen. "Kinder wollen aktiv ihre Lebensumstände verändern", weiß die Kinderrechtsexpertin auch aus der langjährigen Arbeit in Flüchtlingslagern: "Kinder sagen uns, dass sie aktiv sein möchten, und nicht auf Geschenke anderer angewiesen." Erwachsene sollten Aktivitäten und Teilhabe der Kinder unterstützen.

Wo dies nicht der Fall ist, muss die Selbsthilfe der Kinder gefördert werden. "Kinder glauben eher, was Kinder sagen", weiß die Gesundheitserzieherin Christiana Brown aus ihrer Arbeit für internationale Organisationen. Mit dem Child-to-Child-Trust unterstützt Brown in Ost- und Westafrika Projekte, die Kinder in die Vermittlung von Gesundheitswissen einbeziehen.

Auf die Kreativität von Kindern setzt auch das britische Modell "Sustainable Schools". Kinder lernen über das Ökologieprogramm nicht nur, wie sich Natur anfühlt, sondern auch, wie man gewonnene Erkenntnisse sinnvoll umsetzen kann. Sie schaffen Schulgärten und machen triste Schulhöfe zu Ökoinseln.

Interdisziplinärer Zugang

In Ateliers, Vorträgen und Diskussionen wurden Projekte wie diese im Festspielhaus Bregenz präsentiert und diskutiert. Beste Beispiele zum Themenkreis Kindheit und Gesellschaft aus aller Welt zusammenzutragen und sie mit theoretischen Ansätzen unterschiedlicher Disziplinen zu verbinden, hat sich die Vorarlberger Plattform "Welt der Kinder" zur Aufgabe gemacht. Seit 2000 ruft das Netzwerk jährlich Experten aus allen Teilen der Welt zum interdisziplinären Symposium.

Die politischen Rahmenbedingungen skizzierte heuer Josef Riegler. Der Mitinitiator des "Global Marshall Plan" war sich mit Wissenschaftern und Praktikern einig: "Die Bürger als kritisches Korrektiv sind gefordert." (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 27. Oktober 2009)

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