Schnäppchenjagd im Weihnachtsgeschäft

26. Oktober 2009, 18:49
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Die US-Wirtschaft erholt sich zwar allmählich, die Amerikaner sind aber vom Umschwung noch nicht wirklich überzeugt

Der Weihnachtsmann dürfte vielen Amerikanern heuer billigere und praktischere Geschenke bringen. Experten sagen ein für die USA ungewohntes zweites Jahr in Folge mit schwächeren Weihnachtseinnahmen für den Einzelhandel voraus.

Denn trotz der sich bessernden Wirtschaft und Aktienmärkte setzen viele Verbraucher in der traditionell spendierfreudigen größten Wirtschaft der Welt Geldbörsel und Kreditkarten weiterhin nur selektiv ein. "Wegen Job-Unsicherheit und anderer Unklarheiten glauben viele Amerikaner nicht an das Gerede vom Umschwung, der weithin als schwach und langsam erwartet wird", erklärt Phil Rist vom Marktforscher BIGresearch.

"Ich gebe sogar bei schwacher Konjunktur zumindest für Weihnachtsgeschenke weiterhin Geld aus, aber nur solange ich mir sicher im Job bin", sagt ein Mitarbeiter einer Non-Profit-Firma.

Weiterer Rückgang

Nachdem das Weihnachtsgeschäft 2008 laut National Retail Federation einen Einbruch um 3,4 Prozent erlebt hatte, sagt die Einzelhandelsvertretung für heuer einen weiteren Rückgang von einem Prozent auf 437,6 Milliarden Dollar voraus, was ungefähr dem Niveau von 2005 entsprechen würde.

Der Rückgang war der erste für die so wichtigen Monate November und Dezember seit die NRF im Jahre 1995 mit der Datensammlung begann. Das für heuer erwartete Absacken würde deutlich unter dem Zehn-Jahres-Durchschnittsgewinn von 3,4 Prozent liegen, wäre aber besser als der erwartete Drei-Prozent-Rückgang für das Gesamtjahr 2009.

Laut einer NRF-Umfrage lassen heuer ganze zwei Drittel der Amerikaner die Wirtschaft ihre Weihnachtsausgaben diktieren. Von ihnen wollen 84 Prozent weniger als letztes Jahr ausgeben. Insgesamt wollen 55 Prozent mehr Schnäppchenjagd betreiben, und 43 Prozent sagen, Sonderangebote werden am stärksten beeinflussen.

Insgesamt soll der Durchschnittsamerikaner heuer 682,74 Dollar für Geschenke ausgeben. Dank Finanzkrise und Rezession sind für viele Läden Preisreduktionen und sonstige Angebote Alltag geworden, und US-Verbraucher haben ihre historische Spendierfreudigkeit grundsätzlich gezügelt. Daran dürften auch kürzlich veröffentlichte Einzelhandelszahlen für September nichts ändern, die zum Teil dank eines späteren Feiertages besser ausgefallen waren als erwartet.

Neue Perspektive

"Amerikaner haben eine neue Perspektive dafür, wie sie ihr Geld handhaben", erklärt Einzelhandelsexpertin Cheryl Holland Bridges, Direktorin des Center for Retailing Studies an der Texas A&M University. "Das wird sich auch in der nahen Zukunft nicht ändern." Laut NRF-Präsidentin Tracy Mullin haben sich Einzelhändler mit weniger Inventar und Kostenreduktionen auf das Jahresende vorbereitet, um besonders attraktive Preise und Aktionen anbieten zu können. "Ihr Fokus auf die Weihnachtssaison ist scharf wie eine Rasierklinge", sagt sie.

Wal-Mart und andere Diskontriesen, die jetzt schon so manche Weihnachtsschnäppchen ankündigen, sehen viele als die großen Sieger des Jahresendspurts. "Diskonter, Modeläden für Teenager und Einzelhändler mit moderaten Preisen könnten in der Weihnachtssaison die Verkaufszahlen vom letzten Jahr erreichen oder sogar übertreffen", erwartet Holland Bridges. "Andere könnten bis zu fünf Prozent verlieren."

Auch Darlene und ihre Familie haben sich längst dafür entschieden, heuer zum Jahresausgang ruhiger zu treten. "Unsere Geschenke werden einfach und praktisch sein", sagt sie. "Statt teurer elektronischer Spielzeuge werden wir Bettbezüge, Handtücher, Küchengeräte und Gartenmaterialien kaufen. Heuer ist weniger tatsächlich mehr und besser."(Georg Szalai aus New York, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 27.10.2009)

 

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    Die Weihnachtsmänner werden heuer beim Überbringen der Geschenke vielleicht auch ohne großes Motorrad auskommen. Die Amerikaner wollen laut Umfragen weniger Geld für Präsente ausgeben.

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