Angst vor Racheakt in Dresden

26. Oktober 2009, 18:42
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Der Prozess um die Ägypterin Marwa El-Sherbini, die in einem Gerichtssaal ermordet wurde, hat begonnen

Dresden - Rund 200 Polizisten sicherten am Montag das Landgericht in Dresden, in dem der Prozess gegen Alex W. begann. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Russland-Deutschen Mord, versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Sicherheitskräfte gingen von einer "recht hohen Gefährdung" des Angeklagten aus. Racheakte von Islamisten seien nicht auszuschließen.

Motiv des Täters war laut den Ermittlern ein fanatischer Hass auf Muslime. Das Verbrechen, das im selben Gericht stattfand wie nun der Prozess, löste heftige Proteste in der islamischen Welt aus. Auch weil der Polizist, der erst einige Minuten nach der Tat eingriff, auf den Ehemann des Opfers schoss, den er wohl für den Täter hielt. Viele Ägypter nehmen den Fall als Beleg für Rassismus und Islam-Feindlichkeit unter Deutschen.

Vor knapp vier Monaten soll der 28-jährige Sozialhilfeempfänger die Ägypterin Marwa El-Sherbini während einer Verhandlung aus fremdenfeindlichen Motiven mit einem Messer getötet und ihren Mann schwer verletzt haben. Der Beschuldigte stach nach bisherigen Ermittlungen mit einem Küchenmesser 18-mal auf die im dritten Monat Schwangere ein. Sie hinterlässt einen dreijährigen Sohn, der zum Tatzeitpunkt ebenfalls im Gerichtssaal war. Ihr Mann wurde lebensgefährlich verletzt.

Als "Terroristin" beschimpft

Das spätere Opfer hatte Alex W. im vergangenen Jahr angezeigt, weil er sie auf einem Kinderspielplatz in Dresden als "Terroristin" und "Islamistin" beschimpft hatte. Der Angeklagte war deswegen zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Im anschließenden Berufungsprozess kam es dann zum Mord. Nach Aussage eines psychiatrischen Sachverständigen gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte vermindert schuldfähig ist.

Er muss deshalb mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen. Es sind weitere elf Verhandlungstage geplant. (AFP, red/DER STANDARD, Printausgabe, 27. Oktober 2009)

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    Beim Prozessauftakt in Dresden herrschen aus Angst vor Racheaktionen gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa El-Sherbini strenge Sicherheitsbestimmungen

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