Die zerbombte Fassade

26. Oktober 2009, 18:38
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An den Narrativen zu den Attentaten erkennt man, wie geteilt das Land noch immer ist

Zwei verheerende Bombenanschläge erinnerten die Bagdader am Sonntag wieder an das Sicherheitsprekariat, in dem sie leben: Zwar liegen noch schlimmere Attentate schon länger zurück, aber es ist zum zweiten Mal seit August, dass sich koordinierte Explosionen gezielt gegen Ämter und die Menschen, die darin arbeiten, richten.

Die Absicht ist klar: Drei Monate vor den geplanten Parlamentswahlen im Irak - die die ersten "normalen" sein sollten - werden Staat und Regierung in ihrer ganzen Schwäche vorgeführt. Ihr Sinnbild ist die zerbombte Fassade des Justizministeriums, aus der sterbende Menschen hängen. Der Ruf des starken Mannes, den sich Premier Nuri al-Maliki erworben hat, ist nachhaltig beschädigt. Es nützt nichts, wenn er sich mit den Sunniten arrangiert oder gegen schiitische Extremisten vorgeht, es ist egal, ob er den kurdischen Ölföderalismuswünschen die Stirn bietet oder das bestmögliche Abkommen mit den Amerikanern herausverhandelt: Er kann euch nicht schützen. Das ist die Botschaft.

An den Narrativen zu den Attentaten erkennt man, wie geteilt das Land noch immer ist. Sind die einen Iraker völlig von der Urheberschaft von Al-Kaida und deren Paten - die vor allem in Damaskus und in Riad vermutet werden - überzeugt, steckt für die anderen Teheran hinter der neuen Destabilisierung. Ein Abziehbild dieser Verschwörungstheorien und Verschwörungen - wer weiß das schon genau - ist das zutiefst zerstrittene irakische Parlament, das es bisher nicht einmal schafft, sich auf ein Wahlgesetz zu einigen. Und so zum Mitschuldigen wird. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2009)

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