Spanien: Tauziehen um jungen Piraten

26. Oktober 2009, 18:29
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Justizstreit wegen ungeklärten Alters

Spaniens Justiz steckt in der Bredouille. Grund ist die nicht eindeutig nachweisbare Strafmündigkeit von "Abdu W." , einem von zwei mutmaßlichen somalischen Piraten, die an der Entführung des Fischereischiffes Alakrana am 2. Oktober beteiligt gewesen sein sollen.

Mehrfache medizinische Tests konnten das Alter von W. nicht mit Sicherheit belegen. Dieser sei laut seiner Mutter 16 Jahre alt, das Gericht nimmt an, dass er zwischen 17 und 19 ist. Ist W. minderjährig, dürfte Richter Santiago Pedraz vom Nationalen Gerichtshof keine Anklage erheben. Abdu W. und ein zweiter Somalier waren am 3. Oktober bei einer gescheiterten militärischen Befreiungsaktion im Indischen Ozean von der spanischen Marine festgenommen und nach Madrid ausgeflogen worden. Dort erhob der spanische Nationale Gerichtshof unter anderem wegen der Entführung von 36 Besatzungsmitgliedern sowie bewaffneten Raubes Anklage.

Pedraz ließ W. nun in ein Jugendgefängnis überstellen. Doch José Luis de Castro vom Madrider Jugendstrafgericht, der den Fall übernehmen hätte sollen, glaubt an die Volljährigkeit des Seeräubers und will den Prozess am Nationalen Gerichtshof sehen. Am vergangenen Wochenende demonstrierten rund 6000 Menschen im baskischen Bermeo mit den Angehörigen der entführten Fischer. Sie kritisieren die mangelnde Information vonseiten des Verteidigungsministeriums und die "juristische Farce" um die zwei Piraten. (Jan Marot aus Granada/DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2009)

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