Neuer Umbau in Volksbanken-Gruppe

26. Oktober 2009, 18:20
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Der Aufsichtsrat tagt am Mittwoch, der Vorstand des Tochterunternehmens Investkredit wird umstrukturiert

Wien - Keine Atempause für Volksbanken AG (ÖVAG) und ihre Tochter Investkredit. Am Mittwoch tritt der Aufsichtsrat des Unternehmensfinanzierers Investkredit zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen - einziger Tagesordnungspunkt: Vorstandsangelegenheiten.

Die Verträge aller drei Vorstandsmitglieder (neben dem Vorsitzenden Michael Mendel der Deutsche Thorsten Paul und Klaus Gugglberger) laufen noch bis Ende Juni 2010; fix ist aber, dass der Vertrag von Paul nicht mehr verlängert und per 1. November vorzeitig aufgelöst wird.

Der ehemalige Manager der Niederlassung der Deutschen Bank in Wien war 2004 in die ÖVAG gekommen und galt dort als rechte Hand von Bankchef Franz Pinkl. Zur Erinnerung: Unter Pinkl hat die ÖVAG 2005 die Investkredit samt ihrer Tochter Kommunalkredit übernommen. Pinkl hat den Volksbanken-Sektor nach dem Kommunalkredit-Desaster nolens volens verlassen und ist seit vorigem Sommer Chef der Kärntner Hypo Group Alpe Adria. Sein Vertrauter Thorsten Paul jedenfalls war im Juni 2006 zum Investkredit-Vorstand avanciert. Wer dem 44-Jährigen nachfolgt, wird am Mittwoch beschlossen; es könnte wieder ein Deutscher werden. Gute Karten soll nämlich der Leiter des Bereichs Spezialfinanzierungen der DZ Bank, Stefan Rensinghoff, haben. Die DZ-Bank-Gruppe ist mit 25 Prozent an der ÖVAG beteiligt.

Die Investkredit macht gerade schwere Zeiten durch, für heuer werden Verluste bis zu 300 Mio. Euro erwartet. Auch die Lage der Mutter ist angespannt; inzwischen soll man in der ÖVAG mit Verlusten um die 600 Mio. Euro rechnen.

Schwieriger Verkauf

Frisches Geld (die ÖVAG hat vom Staat eine Milliarde Euro Partizipationskapital zu 9,3 Prozent Zinsen bekommen) braucht die Bank angeblich nicht - die Zinsen wird sie aber weder heuer noch 2010 verdienen und bedienen können. Bis 2011 muss aber eine Lösung her: Sollte die ÖVAG 2011 auch keine Zinsen zahlen, kann der Bund sein Wandlungsrecht ausüben, was eine Übernahme durch die Republik bedeuten würde. Das Gleiche gilt, wenn die ÖVAG 2011 die erste Rate von 300 Mio. Euro nicht zurückzahlen kann.

Schwierig gestaltet sich auch die Realisierung des Plans, einige Banken wie die Volksbank Wien sektorintern zu verkaufen. Zum einen hält sich die Lust westösterreichischer Volksbanken, für ost-österreichische Institute zu zahlen, in Grenzen, zum anderen drängt auch die Aufsicht auf "nachhaltigere Gesamtlösungen".

Gerüchte, wonach die DZ-Bank ihren Viertel-Anteil Raiffeisen (die RZB hält sechs Prozent an der ÖVAG, die ÖVAG ist über die UBG indirekt mit 5,15 Prozent an der RZB beteiligt) angeboten habe, werden in Deutschland dementiert. Ein solcher Schritt hätte weitreichende Folgen, bedeutete letztlich die Verschmelzung der beiden Genossenschaftssektoren.

Stichwort RZB-Beteiligung: Diese wird für die heurige ÖVAG- Bilanz ein sehr bitterer Wermutstropfen werden. Die Volksbanker hatten die RZB dem Vernehmen nach mit einem "sehr hohen" Beteiligungsansatz in den Büchern - jetzt soll der Abwertungsbedarf flotte 200 Mio. Euro betragen. (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.10.2009)

 

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