Gedreht und gewendet

26. Oktober 2009, 18:19
11 Postings

Alles nur ein Missverständnis, sagen jene vom europäischen Skiverband ESF. Keineswegs, sagt Gian-Franco Kasper, Präsident des Weltverbandes FIS, der die Rebellen nach wie vor nicht akzeptiert

Sölden/Oberhofen - "Für mich ist das irrelevant, für uns existiert der europäische Verband nicht. Und Sanktionen für Verbände, die ihre Läufer bei der sogenannten Hallen-EM starten lassen, drohe ich zwar nicht an, aber ich kann sie nicht ausschließen. Die Sanktionen sind ja in den Statuten vorgesehen." Sagte Fis-Präsident Gian-Franco Kasper am Montag dem Standard.

Am Sonntag und in Sölden hatten die Vertreter des Europäischen Skiverbandes (EFS), bestehend aus der schweizerischen, der französischen, der italienischen und der österreichischen Skifahrt, kund getan, alles sei ein Missverständnis, man habe sich mit der Fis ausgesprochen, selbstverständlich werde man die Hallen-EM am 7. November in Amnéville abhalten, zwölf Nationen werden dabei sein, und man habe nichts zu befürchten. Wer was zu befürchten hat, ist sowieso etwas unklar. Jedenfalls geht das Machtspiel der Skifunktionäre, die allesamt vorgeben, nichts weiter als das Wohle des Sports und der dazugehörigen Wirtschaft im Auge zu haben, in die nächste Runde. In diesem Spiel ist es wohl auch nicht unerheblich, dass der Fis-Vorstand im Juni 2010 beim Kongress in Antalya neu zu wählen ist.

Urs Lehmann, Schweizer Ski-Präsident, sagte, dass Kasper, Schweizer und also Ehrenmann wie er, Lehmann, wohl zu seinem Wort stehen werde. Kasper sagt, dass das so nicht stimme, "wir haben uns zuletzt im September gesehen. Und selbstverständlich haben alle meine Handy-Nummer. Ich wundere mich." ÖSV- und ESF-Präsident Peter Schröcksnadel spricht von einem Sturm im Wasserglas und davon, dass man keine Konfrontation suche, dass man korrekt gehandelt habe. "Manche im Vorstand sind fuchsteufelswild", sagt Kasper, weshalb er davon ausgehe, dass die Angelegenheit zum Thema werde bei der Sitzung die 17-köpfigen Vorstands am 14. November, also nach der EM. Schließlich sei es statutenwidrig, dass Verbände Läufer mit einer Fis-Lizenz zu einer Veranstaltung entsenden, die nicht im Fis-Kalender aufscheine. In so einem Fall pflegten die Verbände, nicht die Läufer bestraft zu werden.

Benjamin Raich, der Fünfte von Sölden, hat jedenfalls für die Hallen-EM schon abgesagt. Nicht wegen etwaiger Sanktionen freilich, sondern um sich dem Training in den wirklichen Bergen zu widmen. Herrentrainer Toni Giger: "Bennis Saisonziele sind der Gesamtweltcup und Olympia. Dafür heißt es haushalten und sich die Zeit gut einzuteilen."

Und wenn man schon beim Drehen und beim Wenden ist, dann haben zwar Herr Didier Cuche aus der Schweiz und Frau Tanja Poutiainen aus Finnland zum Saisonauftakt die Riesenslaloms auf dem Rettenbachferner gewonnen, doch im Nationencup führt Titelverteidiger Österreich (258) vor der Schweiz und Italien (je 223), und es sind nur noch 66 Weltcuprennen ausständig.

Wendet man sich den Damen zu, dann sieht man, dass die Österreicherinnen (152) deutlich vor den Italienerinnen (107) führen, vor allem dank Kathrin Zettel, der Vorjahrssiegerin, die diesmal den Sieg um ein Hundertstel verpasste.

Dreht man sich zu den Herren, fällt auf, dass die Schweiz (201) vor Italien (116) und Österreich (106) führt. Einzuwenden wäre, dass ja noch in 33 Rennen die Gelegenheit gibt zu punkten. Die nächste Gelegenheit bietet sich am 15. November im finnischen Levi beim Slalom. Tags zuvor slalomisieren ebendort die Damen. (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe, 27.102009)

  • Gian-Franco Kasper: "Für uns existiert der europäische Verband nicht"
    foto: epa/techt

    Gian-Franco Kasper: "Für uns existiert der europäische Verband nicht"

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Didier Cuche (35) war in Sölden nicht nur der Älteste am Berg, sondern auch am schnellsten im Ziel.

Share if you care.