"Ich brauch die Flieger sicher nicht"

26. Oktober 2009, 18:00
312 Postings

Jahrmarktflair statt Kasernenton: Das Bundesheer versuchte am Nationalfeiertag, das Volk von seinem Nutzen zu überzeugen.

400.000 Menschen bestaunten die Leistungsschau auf dem Heldenplatz

*****

Wien - Seit zwanzig Minuten stehen der Vater und die Oma vom Moritz jetzt schon beim Eurofighter-Modell Schlange. Der Bub flitzt einstweilen zwischen Panzern, Hubschraubern und Löschfahrzeugen in Tarnfarbe herum. Aber was macht man nicht alles, damit sich der Nachwuchs auch einmal ins Cockpit des sauteuren Abfangjägers setzen kann, denn: "Ich brauch das ganz sicher nicht. Die Flieger bringen eh nix!" , grummelt der Vater, der sich noch eine Viertelstunde anstellen muss.

Montag, 26. Oktober, auf dem Wiener Heldenplatz: Weil sich zum 54. Mal das Datum jährt, an dem der letzte Soldat der Alliierten das Land verlassen hat und an dem das Verfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs beschlossen wurde, versucht das Bundesheer dort auch heuer wieder mit einer Leistungsschau, das Volk von seinem Können und Nutzen zu überzeugen.

Langos statt Gulaschkanone

Die Hälfte der rund 400.000 Besucher scheinen ohnehin Staatsbürger unter zehn zu sein, die vom bellizistischen Equipment der diversen Streitkräfte leicht zu begeistern sind. Aber auch die Erwachsenen sind dem Heer heute sehr gnädig gestimmt. Während der Bundespräsident vor der Kulisse des Reiterstandbildes 1200 Rekruten angelobt und die Bundeshymne abgespielt wird, starrt beinahe alles andächtig und ehrfurchtsvoll auf den riesigen Bildschirm, der das Spektakel überträgt.

Am Airpower-Stand, wo Gimmicks der alljährlichen Militär-Flugshow in Zeltweg zu erstehen sind, gehen die dunkelgrünen Fliegerjacken für Kinder weg wie die warmen Semmeln. Kein Wunder, immerhin prangt ein Aufnäher mit der Aufschrift "Top Gun" auf ihrem Revers. Überhaupt gemahnt der Heldenplatz zu Mittag eher an ein Jahrmarktgelände als an eine Freiluftkaserne. Der Geruch von Langos liegt in der Luft, an den Biertischen werden Bratwürschtel verzehrt, an jeder Ecke bunte Luftballons verkauft.

Zwei ältere Herren stillen inzwischen beim Black Hawk, dem großen schwarzen Mehrzweckhubschrauber des Heeres, spezialisiert auf Hochgebirgseinsätze, ihren Wissensdurst. Sie fragen den Piloten Löcher in den Bauch. Der antwortet geduldig. Wie viel das technische Unikum wiege? "Sechs Tonnen, vollgetankt." Wie viele Leute den schwarzen Falken fliegen dürfen? "Wir haben achtzehn Stabspiloten in der Staffel." Währenddessen nehmen dutzende Besucher auch in seiner Maschine Platz. Die davorstehende Verwandtschaft knipst jeweils eifrig die Kurzzeitpassagiere, die jedoch auf dem Boden bleiben müssen.

Direkt vor der Hofburg hievt das Bundesheer-Personal ein Kind nach dem anderen auf die Rücken von ein paar Haflinger-Pferden. 62 dieser Tragtiere plus vierzehn Jungtiere sind normalerweise im Tiroler Hochfilzen stationiert, damit sie dort der Gebirgsbrigade Zelte und Verpflegung hinterherschleppen. Heute brauchen die robusten Viecher bloß mit Fliegengewichten im Sattel ein wenig im Kreis zu gehen.

Der zuständige Stabswachtmeister lobt jedenfalls "die Gutmütigkeit" der Haflinger, und über den Lautsprecher hebt der Verteidigungsminister wortreich die "humanistischen Grundsätze" des Heeres hervor. Fast so, als hätte man es auf dem Heldenplatz mit einer großen Friedensbewegung zu tun. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD/Printausgabe, 27.10.2009)

  • Gute dreißig Minuten standen die Besucher vor dem Eurofighter-Modell auf dem Heldenplatz Schlange, um einmal im Cockpit des berühmt-berüchtigten Abfangjägers Platz zu nehmen.
    foto: robert newald

    Gute dreißig Minuten standen die Besucher vor dem Eurofighter-Modell auf dem Heldenplatz Schlange, um einmal im Cockpit des berühmt-berüchtigten Abfangjägers Platz zu nehmen.

  • Staatsbürger unter zehn waren vom Equipment des Bundesheeres am leichtesten zu begeistern.
    foto: robert newald

    Staatsbürger unter zehn waren vom Equipment des Bundesheeres am leichtesten zu begeistern.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine junge Frau schwebt im Zuge des Nationalfeiertages mit einer "Flying Fox"-Anlage über den Heldenplatz.

Share if you care.