Ein Viennale-Special gilt in diesem Jahr der "Zukunft des Kinos", dargestellt anhand von Arbeiten von Studierenden der DFFB.
Aus diesem Anlass hier ein kleines Kompendium zur Berliner Filmhochschule.
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1968
Der erste Jahrgang der Deutschen Film- und Fernsehakademie ging 1966 an den Start und geriet so mitten in die politischen Auseinandersetzungen von 1967/68. Die wenigen Filme, die in dieser Zeit fertiggestellt wurden, hatten oft unverblümt radikalen Charakter wie eine Anleitung zur Herstellung eines Molotow-Cocktails (Holger Meins). 1968 wurde die DFFB von Studenten in Dziga-Wertow-Akademie umbenannt. Teils heftige Konfrontationen zwischen Direktion und Studenten führten zum Ausschluss von 18 Studenten, darunter Harun Farocki, Hartmut Bitomsky und Meins.
Berlin
Die Geschichte der DFFB ist ohne die Geschichte Berlins nicht zu schreiben. Ursprünglich im sogenannten Deutschlandhaus in der Pommernallee in Räumen des Senders Freies Berlin untergebracht, ist die heutige Adresse auf den ersten Blick repräsentativ für die wiedervereinigte Stadt: Potsdamer Straße 2, im Filmhaus im Sony Center. Doch das Areal des Potsdamer Platzes hat sich nicht zu einem urbanen Zentrum entwickelt, sondern ist eine Enklave geblieben, in der unterschiedlichste Nutzungen nichts miteinander zu tun haben. Die DFFB ist also heute in der eigenen Stadt in der Diaspora. Die Terrasse des Helene-Schwarz-Cafés im 9. Stock des Filmhauses bietet spektakuläre Blicke ins Dach des Sony-Centers von Helmut Jahn.
Berliner Schule
Das Label wird häufig auf Filme aus Berlin angewandt, die entweder von Absolventen der DFFB gemacht wurden (Christian Petzold, Angela Schanelec, Thomas Arslan ...) und/oder sich durch bestimmte künstlerische Entscheidungen auszeichnen (Verzicht auf konventionelle Szenenauflösungen, Einfluss der Fotografie, Ästhetik der Distanz, ...), die mit einem Ethos zusammenhängen, das an der DFFB in den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren vermittelt wurde (Lehrkräfte wie Harun Farocki oder Helmut Färber). Die Filme im Programm Die Zukunft des Kinos sind, bis auf wenige Ausnahmen, mit dem Label Berliner Schule (noch) nicht in Verbindung gebracht worden und können dazu beitragen, den Blick für spezifische Unterschiede zu schärfen oder aber die Berliner Schule weiterzuentwickeln.
Bitomsky, Hartmut
Autor und Filmemacher, gehörte zum ersten Jahrgang der DFFB und auch zu den Relegierten. Wichtiger Mitarbeiter der Zeitschrift Filmkritik in ihrer späten Phase. Unter seinen Filmen sind wegweisende Untersuchungen zu den nationalsozialistischen Kulturfilmen (Deutschlandbilder, 1984), aber auch ein Reisefilm durch die USA (Highway 40 West, 1981). 1993-2006 in Kalifornien an der Hochschule CalArts als Dekan und Dozent tätig. 2006 bis 2009 Direktor der DFFB als Nachfolger von Reinhard Hauff. Von Bitomsky stammt die Auswahl der Filme des Programms Die Zukunft des Kinos.
HFF
Hochschule für Film- und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam. Ging aus der Filmhochschule der DDR hervor und steht mit der DFFB, aber auch mit anderen deutschen Filmhochschulen wie München oder Ludwigsburg in einer Konkurrenz des gegenseitigen „Brandings". Erfolge von Absolventen bei Festivals und Nachwuchspreisen wie den First Steps erhöhen die Legitimation. In Zeiten schwieriger Haushaltslage ist in Berlin immer mit einem Fusionsvorschlag für die beiden Filmhochschulen zu rechnen.
Studierende
Eine Auswahl aus den Jahren seit 1966: Wolfgang Petersen. Helke Sander. Carlos Bustamante. Clemens Kuby. Tamara Wyss. Uwe Schrader. Wolfgang Becker. Thomas Schadt. Raoul Peck. Reinhold Vorschneider. Detlev Buck. Christian Frosch. Benedict Neuenfels. Chris Kraus. Eoin Moore. Astrid Ofner. Achim von Borries. Stephan Wagner. Hannes Stöhr.
Studiengänge
Die DFFB steht unter dem Motto: Film kann man nicht lehren, Film kann man nur lernen. Die Spezialisierung auf einen der vier Studiengänge Regie, Kamera, Drehbuch oder Produktion erfolgt nach zwei Jahren Ausbildung. Die Dozenten kommen aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen und Filmproduktionsländern (im November werden die Brüder Dardenne zu einem Workshop erwartet, der Kameramann Michael Ballhaus ist der DFFB sehr verbunden, vor einem Jahr hat der philippinische Regisseur Lav Diaz in Berlin unterrichtet). (Bert Rebhandl, DER STANDARD/Printausgabe, 27.10.2009)