Wenn die Universitäten stiften gehen

26. Oktober 2009, 17:46
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Die Elitehochschulen in Amerika finanzieren rund 40 Prozent ihrer Ausgaben über eigene Stiftungen

Die Finanzierung der österreichischen Unis ist wieder einmal Streitthema. Doch während in Österreich diese Frage rein politisch - zwischen dem Wissenschafts- und dem Finanzminister - gelöst wird, hat ein Symposium in Wien alternative Wege aufgezeigt.

Zu dem Thema Endowment Asset Management (Vermögensverwaltung für Universitätsstiftungen) diskutierten Universitätsdirektoren mit Wirtschaftsforschern über die Vermögensverwaltung von Universitätsstiftungen, aber auch darüber, wie Hochschulen überhaupt an Vermögen kommen können. Initiiert wurde die Veranstaltung von der Wirtschaftsuniversität, gefördert von der Privatstiftung des Investors und Philanthropen Peter Pühringer.

In den USA etwa spielen diese Stiftungen bereits heute eine große Rolle. Laut William Goetzmann, Finanzprofessor von der Yale School of Management, hat das Yale-Endowment 2008 rund 40 Prozent der Ausgaben der Elite-Universität gedeckt. Auch die Finanzkraft der Stiftungen von Harvard, Stanford und anderen US-Universitäten liefert immer größere Beiträge für die Universitätskosten. Dass im Zuge der Finanzkrise die Stiftungen zum Teil deutlich zu leiden hatten, hat daher auch an den Universitäten seine Spuren hinterlassen.

Doch David Swensen, selbst Verwalter des 16 Milliarden Dollar schweren Yale-Vermögens, hat Stiftungsmanagement als die "reinste Form" von Investieren bezeichnet. Stiftungen hätten einen Zeithorizont, der sehr viel länger ist als jener anderer Investoren. Daher sind Marktverwerfungen wie die Finanzkrise für Stiftungen besser auszusitzen.

Mehr Geld für Forschung

Zudem würden Universitäten mit Endowments sehr viel stärker in Personal investieren und in einem Abschwung, etwa am Aktienmarkt, vor allem befristete Stellen streichen, so Stephen Dimmock, Assistenzprofessor an der Michigan State University. Starke Anbindung an den Kapitalmarkt würde daher zwar auch an der Uni mehr Fluktuation bringen. Doch jene Universitäten, die dieses Risiko in Kauf nehmen, könnten insgesamt mehr in Forschung investieren.

In Österreich oder Deutschland ist das Problem freilich ein anderes. Dort verfügen Universitäten nicht über ein Stiftungsvermögen wie in den USA und auch die Zahlungen von Alumni an ihre Hochschulen fallen deutlich geringer aus. Aber Engelbert Dockner, Professor für Finance and Corporate Strategy und Initiator des Workshops zu Endowment Asset Management, wollte in Österreich mit der dreitägigen Veranstaltung eines erreichen: neue Perspektiven in die Universitätsdebatte einzubringen.

So wurden auch die Modelle einiger deutscher Privatuniversitäten, die in den vergangenen Jahren gegründet wurden, diskutiert. Diese finanzieren sich über Stiftungen oder Sponsoren. Stephan Jansen, Gründungspräsident der deutschen Zeppelin-Universität, hat etwa den Vorteil, im Hintergrund der Universität die Zeppelin-Stiftung als Geldgeber zu haben. Wulff Plinke, Dekan der European School of Management and Technology, ist mit seiner Universität den Weg des Fundraising gegangen und hat dutzende Unternehmen als Geldgeber für die private Hochschule gefunden. (Lukas Sustala, DER STANDARD/Printausgabe, 27.10.2009)

 

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    Wer an der Universität Harvard aufgenommen wird, findet die besten Studienbedingungen vor.

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