Verwirrung um Aufstockung der polnischen Truppen

26. Oktober 2009, 16:17
1 Posting

US-Botschafter dankte für angeblich größeres Engagement - Regierung hatte Entscheidung zuvor dementiert

Warschau - Die Diskussion über das polnische Afghanistan-Kontingent hat in Warschau für Verwirrung gesorgt. Am Wochenende erklärte der neue US-Botschafter in Polen, Lee A. Feinstein, er danke dem polnischen Premier Donald Tusk und dem Präsidenten Lech Kaczynski, dass sie die Zahl der Soldaten in Afghanistan erhöhen wollten. Noch am Freitag hatte die Regierung dementiert, dass es einen solchen Beschluss gebe.

"Der Präsident und der Premier Polens erklären, dass sie ihre Truppen in Afghanistan halten und sogar die Zahl der Soldaten erhöhen wollen", sagte Feinstein dem Fernsehsender TVN24. Feinstein unterstrich, dass Polen unter den "engsten Verbündeten der USA" sei. Sein Land sei Polen "außergewöhnlich dankbar".

"Keine Vereinbarungen"

Für die Regierung ist diese Aussage unangenehm, weil Verteidigungsminister Bogdan Klich von der rechtsliberalen "Bürgerplattform" (PO) noch am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur PAP dementiert hatte, dass es eine Entscheidung über die Veränderung der polnischen Afghanistan-Mission gebe. Es gebe "keine Vereinbarungen" zwischen dem Verteidigungsressort und der Kanzlei von Tusk, so Klich. Er habe dem Premier auch noch keinen Vorschlag in der Sache unterbreitet.

Zuvor hatte die Zeitung "Gazeta Wyborcza" gemeldet, Polen werde sein Kontingent um 600 Soldaten aufstocken. Nach Medieninformationen hatte US-Vizepräsident Joe Biden bei seinem Besuch in Warschau in der vergangenen Woche die polnische Regierung dazu aufgefordert, weitere 1.000 Soldaten zu entsenden.

Polen ist derzeit mit 2.000 Soldaten in Afghanistan vertreten. Der Einsatz wird von der Bevölkerung immer kritischer gesehen, wie Umfragen zeigen. Am Wochenende demonstrierten in Warschau 5.000 Menschen gegen die Militärmission. Im August warfen führende Generäle der Regierung vor, die polnischen Truppen technisch zu schlecht auszurüsten. Premier Tusk gab dieser Einschätzung damals teilweise Recht. (APA)

Share if you care.