Probelauf für Buwog

26. Oktober 2009, 07:54
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Der Großteil der schwarz-blauen Privatisierungen war trotz Grasser korrekt. Aber der Dorotheum-Krone-Deal?

Nach den Enthüllungen der  Buwog-Affäre muss man sich die Frage stellen: Sind vielleicht alle Privatisierungen unter Schwarz-Blau so abgelaufen wie im Russland der neunziger Jahre? Wurden da nicht nur Millionen, sondern Millarden in die Taschen von Korrumpisten und Freunderln verschoben?

Ganz genau weiß man es nicht, aber die wahrscheinliche Antwort lautet: Eher nein. Vor allem die großen Privatisierungen über die Börse - Telekom, VA Tech Voestalpine - sind ziemlich sicher korrekt abgelaufen, denn hier ist der Markt tatsächlich ein wertvolles Korrektiv.

Hinterfragt werden könnte der Verkauf der Postsparkasse an die Bawag und von Austria Tabak an Gallagher. Bei beiden Transaktionen gab es allerdings transparente Bieterwettbewerbe, jeder konnte sich beteiligen und mehr bieten. Die Bawag hat für die PSK wahrscheinlich überbezahlt, weil Helmut Elsner den Erwerb gebraucht hat, um die Karibik-Verluste zu kaschieren.

Vielleicht wurde AT zu billig abgegeben. Aber die Unsicherheiten im Zigarettengeschäft in Europa waren und sind groß, und andere Tabakkonzerne hätten leicht zugreifen können. Wenn niemand mehr bietet, ist der Preis letztlich richtig. Dass AT unter Galagher so rasch so viel an Wert gewonnen hat, hat auch viel mit den Synergie- und Managmentvorteilen eines Weltkonzerns zu tun.

Aber die sauberen Privatisierungen waren nicht das Werk von Karl-Heinz Grasser. Wo er eine Chance witterte, Spezis etwas zuzuschanzen, versuchte er es - nicht nur bei der Buwog. 

Bei der Voestalpine wurde der Schnäppchen-Verkauf an seinen oligarchenartigen Ex-Chef Frank Stronach nur durch rechtzeitige Medienberichterstattung verhindert.

Und was war 2001 beim Dorotheum-Verkauf an die Soravia-Brüder und den Krone-Sohn und heutigen Chefredakteur Christoph Dichand, die 73 Millionen Euro für das Auktionshaus zahlten? War dies der Probelauf für den Buwog-Deal?

Und ist dieses profitable Geschäft für seinen bis dahin wenig erfolgreichen Sohn der Grund, dass Hans Dichand bis huete durch dick und dünn auf Seiten von KHG steht und dabei alle Regeln des Boulevard-Journalismus - nämlich beinharte Kritik an den Mächtigen - außer Acht lässt? Darauf kann sich jeder seinen Reim machen. 

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    foto: heribert corn
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