30.000 Jahre Klimageschichte zeigen Empfindlichkeit der Arktis

26. Oktober 2009, 13:06
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Geowissenschafterin: Region reagiert selbst auf kurzfristige Klimaschwankungen drastisch

Bremerhaven - Wissenschaftern ist es erstmals gelungen, für einen Teil der Arktis die Meereis-Bedeckung der vergangenen 30.000 Jahre zu rekonstruieren. "Dabei hat sich gezeigt, dass die Arktis selbst auf kurzfristige Klimaschwankungen drastisch reagiert", sagte die Geowissenschafterin Juliane Müller vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Polarforscher aus Bremerhaven hatten gemeinsam mit Wissenschaftern der Universität Plymouth Sedimente vom Boden der Framstraße zwischen Ostgrönland und Spitzbergen untersucht. Dabei entdeckten sie, dass die Eisbedeckung der Meerenge extremen Schwankungen unterworfen war.

Suche nach "Biomarkern"

Seit rund 5.000 Jahren ist die Framstraße den Erkenntnissen der Experten zufolge während der Sommermonate eisfrei und im Winter eisbedeckt. Vor rund 20.000 Jahren sei die Region dagegen komplett und für lange Zeit mit einer dicken Meereisschicht bedeckt gewesen, erläuterte Müller. Nach Überzeugung der Wissenschafter kann sich das Eisbild in der Framstraße jedoch schnell ändern. Vor etwa 15.000 Jahren sei die Gegend während eines sehr warmen, aber relativ kurzen Zeitraums für rund 200 Jahre völlig eisfrei gewesen, sagte Müller.

Bei ihrer Analyse eines aus der Framstraße gezogenen Sedimentkerns konzentrierten sich die Geowissenschafter auf die Suche nach sogenannten Biomarkern. Dabei handelt es sich um molekulare Reste von Algen, die entweder nur im offenen Wasser oder im Meereis vorkommen. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden am Sonntag erstmals in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht.

Die Gegenwart

Seit der drastischen Meereisschmelze in den Sommermonaten der vergangenen Jahre ist die Eisgeschichte der Arktis in den Blickpunkt der Wissenschaft gerückt. Die Erkenntnisse über das vom Menschen noch unbeeinflusste Klimageschehen sollen zum Verständnis des Klimawandels beitragen.

Die Framstraße ist laut AWI für die Forscher aus einem weiteren Grund besonders interessant. Die Meerenge ist die einzige Tiefenwasserverbindung zwischen dem Arktischen Ozean und dem Atlantik und gilt als eine der Antriebsquellen für die globalen, das Klima prägenden Meeresströmungen. (APA/red)

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