Cuche abgehoben vom Rest

25. Oktober 2009, 13:48
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Beeindruckender Sieg des Schweizer Oldies vor Ligety und Janka - Raich bessert als Fünfter mäßiges ÖSV-Ergebnis auf

Sölden - Benjamin Raich hat auch beim zehnten Versuch in Sölden keinen Podestplatz geschafft. Während "Oldboy" Didier Cuche am Sonntag auf dem Rettenbach-Gletscher erneut für einen Schweizer Triumph sorgte, belegte der Österreicher beim Weltcup-Auftaktriesentorlauf der Herren vor 13.000 Zuschauern nur Platz fünf. Zuletzt war Raich dreimal in Folge Vierter geworden. Cuche siegte mit gewaltigen 0,60 Sek.unden Vorsprung auf Ted Ligety (USA) und fast schon einer Sekunde vor seinem Landsmann und Weltmeister Carlo Janka.

Damit kamen wie im Vorjahr, als Daniel Albrecht vor Cuche gewonnen hatte, erneut zwei Eidgenossen sowie zum bereits dritten Mal in Folge Ligety ("Ich dachte schon, diesmal klappt es endlich mit dem Sieg") auf das Sölden-Podest. Super-G-Weltmeister Cuche, nach dem Rücktritt von Hermann Maier mit seinen 35 Jahren der zweitälteste Fahrer im Weltcup, bewies, dass das schwierige Rennen in Sölden eben eine Sache für die Routiniers ist.

Mit Startnummer eins führte der Schweizer schon zur Halbzeit und fightete sich dann im Finale wie ein Junger zum Sieg. Im Steilhang lag er fast schon am Boden, den flachen Schlussteil fuhr der einstige Speed-Spezialist schlauer als jeder andere. Am Ende stand sein zehnter Weltcupsieg, der dritte im Riesentorlauf. "Mir ist im Vorjahr im Riesentorlauf eben der Knopf aufgegangen", erklärte Cuche, der nach eigenen Angaben froh ist, überhaupt noch eine Saison anhängen zu können. Jetzt ist er besser denn je. "Gleich den Auftakt zu gewinnen ist ein Traum", freut sich der Fleischhauer aus dem Kanton Neuchatel.

Auch Österreichs letzter Sölden-Sieger ist ein Mittdreißiger. Denn der zurückgetretene Maier bleibt mit seinem dritten Triumph im Jahr 2005 der letzte heimische Gewinner. Nur Raich hätte es einmal mehr in der Hand gehabt, das zu ändern. Aber in seinem 300. Weltcuprennen ging dem Tiroler nichts leicht von der Hand. Im ersten Durchgang verlor er vor allem im flachen Schlussteil, im Finale patze er sogar schon im Steilhang und kam auf die nur 14. Laufzeit.

"Ich hab mich einfach nicht richtig runtergetraut, bin zu viel quer gefahren", gab Raich offen zu, was ohnehin jeder gesehen hatte. "Es ist zwar besser als nichts, aber natürlich ist es nicht das Ziel, Fünfter zu werden. Ich habe heute einfach nicht meine Leistung gezeigt", meinte der im Training noch so überzeugende Pitztaler enttäuscht.

Der einzige Trost könnte sein, dass sein vermutlicher Weltcup-Hauptkonkurrent Aksel Lund Svindal überhaupt ausschied. Der in Hochform befindliche Norweger hatte sich aber eine Woche vor Sölden eine zunächst geheim gehaltene und sehr schmerzhafte Beinverletzung zugezogen.

Während Raich bei plus zehn Grad wenigstens in Preisgeld fuhr (knapp 4.000 Euro), landet der Rest der an diesem Tag fast durchwegs risikoscheuen ÖSV-Herrentruppe unter ferner fuhren. Romed Baumann wurde vor Marcel Hirscher 13., der mit viel Vorschusslorbeeren bedachte Hannes Reichelt nur 18. "Ich bin kein Frühstarter. In der Saison als ich die Weltcupkugel geholt habe, war ich in Sölden nicht einmal qualifiziert", beruhigte der Salzburger aber.

Österreichs Alpinskiteam blieb damit am Wochenende vor dem Nationalfeiertag ohne Sieg, nachdem am Vortag Kathrin Zettel das Sölden-Double um den Hauch einer 1/100 Sekunde verpasst hatte. Vor allem aber die schwere Verletzung von Nicole Hosp, deren Saison wegen des nach nur 25 Fahrsekunden erlittenen Kreuzbandrisses schon wieder zu Ende ist, trübte trotz weitgehend Kaiserwetter den rot-weiß-roten Blick auf den organisatorisch wieder einmal sehr gelungenen und stimmungsvollen Weltcup-Auftakt mit seinen zumindest 24.000 Zuschauern.

Bei den Herren musste man fast schon von einer Auftakt-Pleite sprechen. Selbst der sonst eisern hinter seinen Läufern stehende Alpinchef Hans Pum gestand ein, enttäuscht zu sein. "Mit diesem Rennen bin ich wirklich nicht zufrieden, denn unsere Leute haben nicht gezeigt, was sie können. Selbst Raich nicht", meinte Pum.

Womöglich wolle die Mannschaft beim Heimrennen einfach zu viel zeigen. "Und dann waren sie wie gelähmt. Während Cuche gezeigt hat, was in der Piste drin ist, hat keiner von uns einen Lauf von oben bis unten zusammengebracht. Das müssen wir ändern", sagte Pum. (APA)

  • Cuche war nicht zu biegen
    foto: epa/hildenbrand

    Cuche war nicht zu biegen

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